Bergheim

Bergheim ist der Hausgang und die Diele Heidelbergs

Dieses Bonmot gibt zugleich die Chancen und die Probleme wieder, die den Stadtteil ausmachen. Die städtebauliche Entwicklung Bergheims fand erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wahrnehmbar erst ab Beginn des 20. Jahrhunderts statt (Abriss der Bergheimer Mühle /Zementwerk 1895).

Seitdem ist die Entwicklung Bergheims dominiert vom Neckar im Norden, von der Bahn mit dem Hauptbahnhof im Süden und von den beiden Autobahnzubringern im Westen. Wer in die Altstadt will oder die Stadt von Nord nach Süd queren will, muss durch Bergheim hindurch. Fast alle Linien des öffentlichen Nahverkehrs berühren einen der beiden Hauptknoten Hauptbahnhof oder Bismarckplatz. Dazu kommt der Betriebshof der RNV.

Die Verlagerung der Unikliniken in das Neuenheimer Feld hat Bergheims Charakter als „Klinikviertel“ zugunsten eines zweiten Campus verändert. Aus dem Einpendler-Stadtteil (in den 80er Jahren betrug der Anteil der Einpendler ca. 3.000, soviel wie die Anzahl der Haushalte) wird ein moderner, innerstädtischer Akademiker-Stadtteil mit viel renoviertem Altbau.

Zumindest in Bergheim-Ost. Westlich der Mittermaierstrasse, die derzeit noch die höchstfrequentierte Nord-Süd-Achse innerhalb der Stadt darstellt, setzt ein deutliches Armutsgefälle um den noch vorhandenen post-industriellen Kern ein. Landfried-Komplex, Betriebshof und Alte Feuerwache, haben jeweils ihr eigenes Entwicklungspotenzial, ein integriertes Konzept für einen attraktiven innerstädtischen Raum ist jedoch hier nicht in Sicht.

 

Eine weitere Tendenz ist die Ansiedlung zentraler städtischer Funktionen in Bergheim. Seit den sechziger Jahren befindet sich hier die Stadtbücherei, die Volkshochschule mit der Akademie für Ältere, seit den neunziger Jahren das Bürgeramt „Mitte“ und – ganz neu – das Interkulturelle Zentrum. Auch die Wilckensschule strahlt als Grund- und Hauptschule weit über den Stadtteil hinaus aus.

Es gibt kaum ein gesamtstädtisches Konzept, von dem Bergheim nicht berührt würde („Stadt am Fluss light“, „Magistrale Ebert-Anlage /Kurfürsten-Anlage“, Gestaltung des Bahnhofsumfelds, Fahrradverbindung ins Neuenheimer Feld). Dem entspricht jedoch nirgends ein Ort, der so etwas wie ein Zentrum darstellt oder als zentraler Platz erkennbar wäre. Ebenso fehlen – wenn man von der „Schwanenteich-Anlage“ an der Stadtbücherei absieht – Flächen, die der Freizeit und Erholung dienen könnten.

Der Ausbau des „Marriott“-Hotels („Penta-Park“) konnte durch einen Gerichtbeschluss vorerst gestoppt werden, die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Ebenso bleibt der Betriebshof („Umzug an den Schwarzen Weg oder Neubau am Standort?“) ein Dauerbrenner. Deutliches Interesse aller Bergheimer ist ein Zuwachs an attraktivem öffentlichem Raum, insbesondere an Grünflächen mit Aufenthaltsqualitäten. Dies sollte bei jeder künftigen Entscheidung zur Stadtteilentwicklung berücksichtigt werden.

Ansprechpartner

Jo-Hannes Bauer, Jo-HannesBauer [@] gmx.de