Neujahrsempfang der GAL 2023

Project Description

Schön war es beim Neujahrsempfang!

Uns alle hat es sehr gefreut, dass wir nach zwei Jahren Pause endlich wieder einen Neujahrsempfang ausrichten konnten! Das positive Feedback der Besucher*innen erfreute uns sehr und lässt uns sehr glücklich auf einen gelungenen Tag zurückblicken. Vielen Dank an alle für’s Besuchen, Mitmachen und / oder Mithelfen!

Glücklich sein – Das wünschen wir uns nicht nur für uns selbst sondern auch für allen Menschen, deren Familienhaushaltseinkommen sich unterhalb einer angemessenen Einkommensgrenze befindet; also solche die von Armut betroffen oder bedroht sind. Diesem Thema hat die GAL ihr erstes Thema nach der langen Pause gewidmet. Die drei Sprecher*innen am Podium, Jörg Schmidt-Rohr, Stefanie Burke-Hähner und Gerd Schaufelberger, regten die Zuhörer*innen mit Fragen zum Nachdenken an, wie z.B., was es mit einer Stadtgesellschaft macht, wenn sich bestimmte Einkommens- und Beschäftigungsgruppen das Wohnen in Heidelberg einfach überhaupt nicht mehr leisten können. Wie werden sich diese Gruppen auch politisch in Heidelberg widerspiegeln, wenn sie gar nicht in der Stadt wohnen (können) und z.B. wählen können?

Andere Aussagen der Podiumsgäste sorgten für zustimmenden Zwischenapplaus, wie beispielsweise die Ansicht, es sollte eigentlich überhaupt keine Menschen geben, die von Armut betroffen oder bedroht sind – Im Grunde ist dies bislang nicht zuletzt auch ein politisches Versagen.

Die GAL setzt sich bereits von Anfang an für die sozialen Fragen in Heidelberg ein, bringt diese voran und immer wieder auf den Tisch. Und JA, das werden wir auch zukünftig tun!

Nach der Begrüßung durch Martina Weihrauch hielt Gerd Guntermann, beide im GAL Vorstand, eine allgemeine Einführungsrede:

„Liebe Leute,

für das Foto auf dem Einladungsschreiben zu unserem Neujahrsempfang haben wir den Diakonie-Laden „Brot und Salz“ in einem Hinterhof der Plöck, unserer „Sozialgasse“ in der Altstadt, ausgesucht. Solche Läden, Tafeln, aber auch Pfandhäuser und Schuldnerberatungsstellen, boomen derzeit.
Dafür sind u.a. zwei Trends verantwortlich: Erstens dringt die relative Einkommensarmut zur Mitte der Gesellschaft vor. Davon sind Menschen betroffen, für die es bisher nie ein Thema war. Zweitens schlägt diese relative Einkommensarmut leichter in absolute, existenzielle Armut um. In diesem Winter dürften sich Räumungsklagen und Zwangsräumungen häufen, Wohnungs- und Obdachlosigkeit zunehmen. Das heißt: Armut nimmt zu, sie ist aber nicht das eigentliche Problem, sondern nur Teil eines größeren Problems: die Spaltung der Gesellschaft, die verstärkt wird durch die Pandemie, die Energiepreisexplosion und die Inflation. Wer über Armut spricht, darf den Reichtum nicht außer Acht lassen. Wer Armut bekämpfen will, muss den Reichtum antasten. Unter den Hochvermögenden befinden sich auch Krisengewinnler, auch Kriegsgewinnler, die selbst in schwierigen Zeiten noch reicher werden. Diese Ungleichheit ist ein konstitutives Merkmal der kapitalistischen Gesellschaft.
Wenn sich die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft und die Ungleichheit der Vermögen fast so extrem wird wie in den USA, schwindet der soziale Zusammenhalt, die Gesellschaft driftet auseinander, was wiederum den Rechtsextremismus befördert.
Durch Klimakatastrophe, Zerstörung der Biodiversität, Pandemie und jetzt auch noch durch den verbrecherischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erleben wir geradezu eine Krisenkaskade. Meine Hoffnung: dass durch die Verschärfung der Krisen mehr soziale Sensibilität entsteht. Ich habe den Eindruck, dass die Themen „Armut“ und „soziale Ungleichheit“ gerade viel mehr Aufmerksamkeit bekommen, was sich auch an unserer Veranstaltung zeigt. Armut wird nicht mehr als Randgruppenproblem abgetan.
Alles hängt mit allem zusammen: wir können es uns nicht mehr leisten, unseren Planeten ökologisch auszupowern und damit weitere Armut zu generieren. Mit zerstörten Böden kein Brot, mit vergifteten Ozeanen kein Salz…
Und nicht zu vergessen: der heutige Feiertag, Dreikönige: an diesem Tag sollen laut biblischer Erzählung drei wohlhabende Typen einem Kind ihre Referenz erwiesen haben, das in einem Dreckloch, einem Stall, zur Welt gekommen war, Kind armer Schlucker, marginalisiert, von dem nie materieller Reichtum zu erwarten war. Diese Geschichte gehört zu unserem immateriellen Erbe, darüber lässt sich im Zusammenhang Armut-Reichtum trefflich philosophieren, auch im Zusammenhang mit weihnachtlichem Überkonsum.
So, jetzt habe ich ein bisschen Überbau geliefert, jetzt dürfen sich die Podiumsteilnehmer das auf die kommunale Heidelberger Realität ‚runterbrechen. Manege frei!“

GAL Stadträtin Judith Marggraf führte anschließend in das eigentliche Thema ein und stellte die Redner:innen vor.

Rhein-Neckar-Zeitung 07.01.2023

Danach wurde bei leckerem Essen vom vielfältigen Buffet viel diskutiert, geredet und gelacht.

Musikalisch wurde die Veranstaltung wieder von Sigi Geiberger – Tenorsax, Michael Herzer – Kontrabass und Gunter „Ruit“ Kraus – Gitarre begleitet.

Fotos von Ernest Kellner

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