Bericht aus Idomeni: Flüchtlingshilfe an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien

Eine Freiburger Gruppe junger Aktivisten und Volunteers befindet derzeit in Idomeni, Griechenland, an der Grenze zu Mazedonien, um Flüchtlingen zu helfen. Gerade dort wird die Not besonders deutlich. Hier sind ungefilterte und sehr aktuelle Informationen von diesem Einsatz:

– Aus Idomeni –
Liebe Alle,

Seit 3 Tagen sind wir, die erste Crew aus Freiburg in Idomeni an der griechischen Grenze zu Mazedonien. Drei weitere Autos sind heute angekommen und in Thessaloniki. Wir treffen sie vermutlich später.
Wie ihr sicherlich wisst, kommen hier am Grenzübergang nur Menschen aus dem Irak, Afghanistan und Syrien nach Mazedonien und von dort aus weiter mit Zügen u. Bussen nach Serbien. Täglich kommen aus Athen ca. 3500 Menschen in Bussen an und passieren hier die Grenze. Vor einigen Wochen waren es noch durchschnittlich 8000 täglich. Seit der Räumung des Camps, nachdem der Grenzübergang für Menschen aus den nicht SIA-Ländern geschlossen wurde, kann hier allerdings niemand sagen wie es sich weiter entwickelt. Das Procedere ist extrem bizarr. Das Camp, mit beheizbaren Zelten, betonierten Wegen etc. darf nicht genutzt werden. Die NGO’s die jetzt hier vor Ort sind, sind in drei kleinen Zelten. Das UNHCR ist mit einem kleinen Container da, die Hauptkoordination hat Praksis, eine griechischische Organisation, die mit dem UNHCR zusammenarbeitet. Eine Gruppe freiwilliger Köche aus Thessalouniki kocht täglich ca. 1000 kleine Portionen Essen. Es gibt ein kleines Zelt, das von Freiwilligen, Internationalen und Griechen am laufen gehalten wird. Dort werden Klamotten ausgegeben und Tee gekocht. Die Temperaturen liegen zum Teil bei minus 10 grad nachts.

Die Refugees werden in Bussen an die Grenze gefahren. An einer Tankstelle kurz vor der Grenze werden die Busse gestoppt und die Leute müssen zum Teil ewig warten, ohne die hier gestellte Infrastruktur nutzen zu dürfen. Nach und nach werden die Busse dann an den Übergang gefahren und die Geflüchteten werden unter extremen Zeitdruck über die Grenze gescheucht. Wir versuchen also in kürzester Zeit Leute die hier zT noch mit FlipFlops und leichten Pullovern ankommen einigermaßen auszustatten. Die meisten Menschen die hier ankommen, sind tatsächlich aus SIA. Darunter viel mehr Kinder, Frauen und Babies, als wir dachten. Die mazednoische Grenzpolizei lässt alle 20 Minuten 60 Personen durch 24/7. So zumindest die offizielle Angabe. Es ist allerdings immer wieder sehr willkürlich. Gestern nacht (Silvester) war die Grenze ab Mitternacht geschlossen und die Leute stranden dann hier, ohne Info, ohne Platz zum Pennen. Gleichzeitig fiel die Temperatur innerhalb eines Tages in den Minusbereich und es gab den ersten Schnee.

Gestern hat das UNHCR (illegalerweise) Zelte ausgeheizt, dass die Leute nicht erfrieren. Die Polizei ist darauf bedacht, das hier alles schnell abzuwickeln, sodass sich weder Organisation, noch Protest in irgendeiner Form etablieren kann. Diese drei kleinen Zelte waren das Ergebnis langer Verhandlungen von Seiten der NGO’s. Sie sind also hier, um die Leute notdürftig zu versorgen, was schon unglaublich viel Kraft kostet. Die Infrastruktur die da wäre, um das gut zu machen darf allerdings nicht genutzt werden. Absurdes Szenario. Nach Einschätzungen vor Ort wird mittelfristig die Campstruktur wieder genutzt werden können. Die konkrete Anfrage und Forderung diesbezüglich werden gerade von den lokalen NGO’s formuliert.

Menschen die nicht die „richtige“ Nationalität haben. Das heißt nicht zur SIA-gruppe gehören werden kostenpflichtig zurück nach Athen gefahren. Dort sind die Lager aber wohl auch völlig überfüllt. Über die grüne Grenze zu gehen und es auf eigene Faust zu versuchen ist extrem gefährlich. Wir hatten Kontakt zu einer UnterstützerInnengruppe in Mazedonien, die dringend davon abrät diese Reise alleine und unvorbereitet anzutreten. Die Unterstützung dieser Leute ist extrem wichtig, aber bisher sehr schwierig. Locals schätzen die Lage auch al sehr hoffnungslos ein.

Wir haben uns hier in der Nähe ein kleines Haus angemietet, in dem wir mit anderen Freiwilligen im Moment wohnen.
Soweit der Stand. Wir sind insgesamt ganz schön durch und versuchen vorerst die vorhandene Struktur mit am laufen zu halten.
Wir melden uns mit den weiteren Entwicklungen.

Unsere Actionnr.: 004915210640117
Leitet die Mail ruhig in den entsprechenden Netzwerken weiter.

Liebe Grüße,
Team Carpe Diem aus Freiburg
Update 04.01.16

Seit 2 Tagen sind wir jetzt zumindest vorläufig vollständig. Das Equipment der Maulwürfe und die restlichen Sachspenden aus Freiburg sind mit 8 weiteren Menschen hier in Idomeni angekommen. Die letzten zwei Tage haben wir weiterhin damit verbracht die Kleiderausgabe an der Grenze weiter mitzutragen und das Kochen vorzubereiten.

Insgesamt kommen definitiv weniger Menschen und Busse hier an, als noch vor 2,3 Tagen. Zwischenzeitlich gab es Schätzungen von 1000 Menschen, gestern und heute (03.01/04.01) kamen allerdings kaum Busse an. Grund ist wohl das schlechte Wetter auf dem Meer und auch auf der Straße zwischen Athen und hier.

Die Situation für die Leute, die hier an der Grenze abgewiesen werden, ist dafür umso beschissener. Viele Menschen, vor allem junge Männer stranden hier ohne einen Cent in der Tasche. Eigentlich müssen sie kostenpflichtig mit den privaten Busunternehmen wieder zurück nach Athen. Die Busfahrer lassen sie so lange in der Kälte warten (teilweise Stunden), bis sie dann doch nachgeben und die 20 Euro für den Rückweg zahlen. Einige haben allerdings gar kein Geld mehr. Was in diesem Falle passiert ist uns nicht hundertprozentig klar. Ein junger Kerl aus dem Iran berichtete, dass er in Abschiebehaft genommen würde, wenn er nicht zahlen könnte. Wir haben ihm die Fahrt finanziert.
Viele harren dann allerdings hier im Umland in den Wäldern und alten Baracken aus und versuchen entweder auf eigene Faust über die Grenze zu kommen oder sich schleppen zu lassen. Viele brechen an der Grenze oder kurz danach völlig hoffnungslos zusammen.
Die Versorgung dieser Menschen ist extrem schlecht. Eine kleine Gruppe fährt immer wieder rum und verteilt Tee und warme Sachen. Wahrscheinlich werden wir versuchen mit dem Essen dort anzudocken.

Wir sind immer wieder auch an der Grenze präsent, um die Praxis der Grenzpolizei zu beobachten und versuchen nach unseren Möglichkeiten zu intervenieren. Die griechische Polizei hat einen Arabisch-Dolmetscher angestellt, der extrem militärisch auftritt, die Leute zusammenscheucht, rumbrüllt und die Einschüchterungs- und Drecksarbeit für die Polizei macht. Der Din-A4 Registrierungswisch, der die Nationalität der Menschen bescheinigt, wird an der Grenze an die mazedonische Polizei übergeben, wenn sie davon ausgehen, dass das Papier eine Fälschung ist (was wohl an der Protokollnummer zu erahnen ist) prüft der Dolmetscher anhand des arabischen Dialektes die Nationalität. Die Polizei vertraut diesem Urteil blind. Wir haben Situationen beobachtet, in denen wir mit ziemlicher Sicherheit sagen können, dass dieses Urteil falsch war. Situationen in denen Familien getrennt wurden und der Mann oder Bruder nicht passieren durfte. Die mazedonische Polizei behält die Papiere ein. In einem Fall konnten wir die Polizei nach 20 Minuten Gerede überzeugen noch mal genauer zu prüfen und ein völlig aufgelöster Familienvater konnte, nachdem er abgewiesen wurde und die Bereitschaftspolizei die Grenze geräumt hatte, doch noch passieren und hoffentlich seine Familie noch einholen. Die Selektierung, wie auch das Öffnen und Schließen der Grenzen obliegt immer wieder der Willkür der Grenzpolizisten.
Insgesamt wird die Stimmung nachts sehr viel rauer als tagsüber. Polizei und Geflüchtete sind viel gestresster und durcher. Es spielen sich dann teilweise wirklich üble Szenen ab.

Das UNHCR, wie auch die hier vorhandenen NGO’s (Praksis/ Ärzte ohne Grenzen/ Save the children) verhalten sich insgesamt sehr zurückhaltend. Man will es sich mit der Polizei nicht verscherzen. Einzelpersonen agieren immer wieder über ihre institutionellen Grenzen hinaus, helfen in Einzelfällen, beobachten die Grenze oder geben uns informelle Infos weiter. Insgesamt bedarf es allerdings immer wieder Freiwilliger, die das UNHCR auf bestimmte Situationen aufmerksam machen, oder die Menschen zu dem kleinen UNHCR-Container bringen (der auch völlig abseits der Szenerie aufgestellt ist). Das ist immer wieder extrem frustrierend.

Bezüglich der Menschen, die abgewiesen werden verweist das UNHCR immer wieder auf die Möglichkeit in Griechenland Asyl zu beantragen (das ist nur in Athen und Thessaloniki möglich) oder die Rückkehr-Programme des IOM (International Organisation of Migration) zu nutzen. Wir haben allerdings nicht das Gefühl, das sie diese Infos genug an die Leute bringen.

Mitte Januar kommt die holländische KüFa Rampenplan hier her, mit der Möglichkeit für bis zu 3000 Leute zu kochen. Wie hier weiter Leute ankommen lässt sich noch schwer prognostizieren und liegt wohl auch daran, wie der Winter sich weiter entwickelt. Einige Freiwillige reisen in einigen Tagen wieder ab. Die Infrastruktur hier mit Haus zum Wohnen und out of Action sein steht noch. Wir teilen das Haus mit Leuten von der Reisegruppe 4, mit Volunteers aus Spanien, Polen und Russland. Es gibt ein relativ gutes Netz an Kontakten zu Locals, Squats, NGO’s, autonomen lokalen Strukturen. Je nach dem wie sich das weiter hier entwickelt, ist es cool wenn Leute aus Freiburg oder anderswo hier her kommen und supporten.

Wir halten euch auf dem Laufenden.
Liebe Grüße
Team aus Freiburg

Es werden noch volunteers gesucht.

Die Situation für die Flüchtenden aus anderen Nationen, die hier an der Grenze abgewiesen werden, ist besonders prekär. Viele Menschen, vor allem junge Männer stranden hier ohne einen Cent in der Tasche. Sie werden zumeist gezwungen mit Bussen zurück nach Athen zu fahren. Viele kehren allerdings zurück und harren hier im Umland von Idomeni in den Wäldern und alten Baracken aus und versuchen entweder auf eigene Faust über die Grenze zu kommen oder sich schleppen zu lassen. Doch in Mazedonien werden sie meist von Polizei und Mililtär aufgegriffen, zusammengeschlagen, ausgeraubt und nach Griechenland zurück geschoben. Die Versorgung dieser Menschen ist extrem schlecht. Eine kleine Gruppe versucht diese zu erreichen und verteilt Tee, Lebensmittel, warme Sachen und Infos.
* Für die Unterstützung dieser Menschen wird dringend eine Ablösung gesucht!

Einige unabhängige Freiwillige sind außerdem an der Grenze präsent, um die Praxis der Grenzpolizei zu beobachten und versuchen nach unseren Möglichkeiten zu intervenieren. Die Selektion, wie auch das Öffnen und Schließen der Grenzen obliegt oft der Willkür der Grenzpolizisten. Insgesamt wird die Stimmung nachts sehr viel rauer als tagsüber. Polizei und Geflüchtete sind viel gestresster. Es spielen sich dann teilweise wirklich üble Szenen ab.
* Auch hier werden noch Menschen gebraucht!

Momentan ist eine KüFa aus Freiburg vor Ort. Mitte Januar kommt noch eine holländische KüFa hierher. Das Essen wird vor allem benötigt um die Menschen, die auf einer Raststätte 20km vor Idomeni zurückgehalten werden, zu versorgen. Dies geschieht scheinbar aus politischem Kalkül, um größere Gruppen und damit mögliche Proteste an der Grenze zu unterbinden. Die Flüchtenden warten dort z.T. bis zu 30 Stunden. Sie erhalten offiziell keinerlei Versorgung. NGOs sind nur sporadisch für wenige Stunden am Tag vor Ort. Die einzige Möglichkeit ist zumeist die überteuerte Tankstelle.
* Es werden Menschen zur Unterstützung beim Schnippeln und Kochen benötigt!

Die Infrastruktur für Volunteers hier ist gut. Es gibt ein Haus zum Wohnen und damit die Möglichkeit auch mal „out of action“ zu sein. Im Haus wohnen momentan internationale Volunteers. Es gibt gute Vernetzung und Kontakte zu Locals, Squats, NGO’s, Unterstützer*innen z.B. in Mazedonien und autonomen lokalen Strukturen. Es gibt eventuell auch die Möglichkeit Unterstützung für Fahrtkosten zu bekommen.

Wenn ihr unterstützen wollt, dann meldet euch unter 004915210640117 oder 00306955432009 .
Oder schreibt eine Mail an solidarity_with_refugees-fr@riseup.net .

Foto: Martin Leveneur
Idomeni, at the Greek border with FYROM.
Idomeni, at the Greek border with FYROM.

Konkret auf Lesbos – “Be human” ist der Kompass der Freiwilligenarbeit, während geltendes Recht Überlebenshilfe als illegal bezeichnet.

Das Thema Flüchtlinge beschäftigt uns stark und wird uns weiterhin beschäftigen. In einem Absatz eines interessanten Blogbeitrags aus Lesbos heißt es:

Wer in diesen Zeiten auf Lesbos weilt, lernt Erstaunliches, oder besser, erstaunlich ENTRÜCKTES als alltäglich greifbare Realität kennen. Wer genug lange auf Lesbos verbracht hat, für die oder den ist folgende Frage nur noch rhetorischer Art:
Wird mit der europäischen, ja globalen Migrationskrise und dem eingeschlagenen Weg, wie man damit umgeht, etwa deutlich, dass das Prinzip von humanity – Mitmenschlichkeit – in den Fauteuil-Etagen der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an Wert und Durchsetzungskraft verliert, während an der ‘Front’ wie hier in Lesbos die Hundertschaften von volunteers primär nach diesem Prinzip verfahren?

Der gesamte Blogbeitrag ist hier zu lesen:

CONCLUSION I – 21st Century, when Humanity becomes illegal? – Oder ist gerade MITMENSCHLICHKEIT DER Schlüssel für Europas Zukunft?

Foto: Maria Laudes-Mäurer

Fotos vom Neujahrsempfang 2016 der GAL

Dass unser Neujahrsempfang nicht nur hochinteressant war durch den Vortrag von Pfarrer Axel Klaus, sondern auch überaus kommunikationsfördernd und unterhaltsam, zeigen die Fotos, die Ernest Kellner gemacht hat.

Weiterhin rufen wir zu Spenden für Bildungsgutscheine auf, siehe http://www.gal-heidelberg.de/content/spendenaufruf-bildungsgutscheine-und-weiterbildung-fuer-asylbewerber

Neujahrsempfang der GAL

Wir laden ein zum Neujahrsempfang der GAL am Mittwoch, 6. Januar 2016, 11 Uhr im DAI, Sofienstraße 12:

Flüchtlinge aufzunehmen …
ist ein allgemeines Gebot der Menschlichkeit. Deutschland ist ein reiches Land
und Heidelberg eine interkulturelle Stadt.

Wir laden ein zum Neujahrsempfang der GAL am Mittwoch, 6. Januar 2016, 11 Uhr im DAI, Sofienstraße 12:

Flüchtlinge aufzunehmen …
ist ein allgemeines Gebot der Menschlichkeit. Deutschland ist ein reiches Land
und Heidelberg eine interkulturelle Stadt.

Pfarrer Axel Klaus von der Hoffnungskirche
Heidelberg (Südstadt) hat die Unterbringung von Flüchtlingen in dem ehemaligen
Kasernengelände Patrick-Henry-Village von Anfang an begleitet und ein Netzwerk von
ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aufgebaut.

Er wird über seine Begegnungen mit Menschen aus aller Welt berichten und darlegen, welche Anforderungen für eine glaubhafte Willkommenskultur an unsere Gesellschaft zu richten sind.

Wir laden Sie und Dich ganz herzlich ein, an diesem Tag unser Gast zu sein!

Spendenaufruf: Bildungsgutscheine und Weiterbildung für Asylbewerber

In diesem Jahr möchten wir dazu aufrufen, Geld an den Asylarbeitskreis Heidelberg e.V. http://www.asyl-heidelberg.de/ zu spenden, um Bildungsgutscheine für Asylbewerber zu finanzieren. Der Asylarbeitskreis vergibt Bildungsgutscheine an Personen, deren Kurs nicht durch die Stadt finanziert wird.
Zum Hintergrund: Jeder Asylbewerber, der in Heidelberg lebt, erhält zwar seitens der Stadt zunächst einen kostenlosen Kurs bei der VHS, doch schon beim zweiten Kurs fallen derzeit 32 € als Eigenanteil an. Im nächsten Jahr wird der Betrag aufgrund der neuen gesetzlichen Regelung noch höher sein.

In der Arbeit des Asylarbeitskreises sehen wir einen umfassenden Ansatz, gekennzeichnet durch das breite Spektrum an Angeboten, z.B. Beratung und Unterstützung von Personen, die an der VHS das professionelle Angebot erhalten können, sowie kostenlose Sprachkurse durch Ehrenamtliche in den Unterkünften, angefangen bei Alphabetisierung über Sprachtandems, Übersetzungshilfen und Hilfestellung beim Gang zu Ämtern usw. Dadurch wird es auch möglich, den Betroffenen das jeweils angemessene Angebot zur Verfügung zu stellen. Unser Dank gilt allen engagierten Haupt-und Ehrenamtlichen, die sich in welcher Form auch immer für die Flüchtlinge in Heidelberg einsetzen. Wir bitten daher um Spenden direkt an den Asylarbeitskreis, um allen Flüchtlingen, die in Heidelberg leben, den Zugang zu unserer Stadtgesellschaft durch Spracherwerb zu erleichtern.

Wer spenden möchte, kann auf das Spendenkonto des
Asylarbeitskreis Heidelberg überweisen:
IBAN: DE85 6729 0000 0122 4211 04
BIC: GENODE61HD1
Ab einer Spende von 50 € werden Spendenquittungen ausgestellt.
http://www.asyl-heidelberg.de/informationen-f%C3%BCr-interessierte/spendenformular/

Vor 8 Jahren, Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 16.12. 2015

… haben wir erstmals den Antrag gestellt, den Kindergartenbesuch für Eltern aus der unteren Einkommensgruppe kostenfrei zu stellen.

Die Idee kam aus dem damals vorgelegten Armutsbericht der Stadt, der belegte, dass v.a. Alleinerziehende in dem Dilemma sind, Kinderbetreuung zu brauchen um arbeiten zu können, dann aber in der Kostenfalle landen, weil sie Lohn oder Gehalt wieder in die Kinderbetreuung investieren müssen.

Der Plan war, in drei Stufen vom 3. bis zum 1. Kindergartenjahr diese Beitragsfreiheit zu realisieren. Im letzten Haushalt konnten wir dafür leider keine Mehrheit im Gemeinderat finden, aber jetzt, mit dem Haushalt 2015/2016, ist die Beitragsfreiheit für die drei Jahre Kindergartenzeit komplett und wir werden darüber nachdenken, ob man sie auch auf die Betreuung der unter 3jährigen ausweiten kann.

Kinder dürfen kein Armutsrisiko sein und deshalb braucht es gerade in den Bereichen Betreuung und Bildung neben guten Angeboten auch entsprechende Unterstützung.

Foto: Kevin Jarrett
„E-mail,“ by my Kindergarten students
https://www.flickr.com/photos/kjarrett/7031929377/in/photolist-bHotBF-bHotzX-bHotzi-bHotmF-8PWpEn-dkijyC-hj7feD-bCCLeE-oHuNrS-nLXKaA-fG4vPa-AbjBwk-8t1xrV-a4Mm5U-4Xdwrr-o4sjZx-7ei7LP-pbYiCW-e4Lw5o-nLXZcb-624Nbn-butG8J-butG7W-bHotxV-butG75-butG5E-butG4E-butG2U-butG17-butFZs-butFYY-butFYG-butFXJ-butFWW-butFWE-butFVu-butFV1-butFUA-5gmRsU-6vhZXN-75WwhX-fG4u1B-5ywJCJ-7q35fH-pqXUou-a4JtVB-J9due-65zNiq-fGm6kS-f4vroz

Karlstorkino, Stadtblattartikel von Wassili Lepanto am 9.12.2015

Unsere Innenstadt wird wie überall in Deutschland vom Management für City-Vermarktung – mit kommunaler Unterstützung – so mit Veranstaltungen überbelebt und neu bepflastert, dass die alte Wohnbevölkerung flieht. Dort, wo durch Innenstadtsanierung nur teurer Wohnraum entsteht, sieht man kaum Familien.

Der Bereich Kultur, Bildung und Erziehung kann nicht genug unterstützt werden. So auch das Bestreben des Trägervereins des kommunalen Kinos, der 5000 Unterschriften für den Verbleib des Karlstorkinos gesammelt hat.

Der Gemeinderat wäre in der Sitzung am 10.12. gut beraten, wenn er, der Empfehlung des Kulturausschusses folgend, das sozio-kulturelle Zentrum „Karlstorbahnhof“ mit allen seinen Einrichtungen (d.h. samt Kino) 2017 in die Südstadt zu verlegen, sich dafür ausspricht, dass die Zukunft des Gloria-Gloriette-Kinos in der Hauptstraße gesichert ist, oder ein anderes kommunales Kino in der Altstadt, am besten im Wormser Hof (Hauptstr. 110) entsteht.

Für die Innenstadt mit großer Anzahl junger und älterer Menschen ist eine solche Einrichtung absolut notwendig, – wie das Theater oder das Museum.

Foto: Blondinrikard Fröberg
The audience is waiting
Bio Capitol, Göteborg, Cinemateket
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Klimaschutz-Demo am 12. Dezember auf der Alten Brücke

Gerd Guntermann, Mitglied des BUND, hielt auf der Klimaschutz-Demo folgende Rede:
Kürzlich las ich im Zentralorgan der deutschen Autofahrer, der „ADAC-Motorwelt“, ein Interview mit einer Heidelberger Bürgerin, die in ihren jüngeren Jahren im Schwimmsport Weltklasseleistungen erbracht hatte – selbstredend mit dopingaffinen Trainern: Franziska van Almsick. „Verzichten können wir nicht auf das Auto oder das Flugzeug. Ohne sie wäre unser Bewegungshorizont sehr eingeschränkt. …

Gerd Guntermann, Mitglied des BUND, hielt auf der Klimaschutz-Demo folgende Rede:
Kürzlich las ich im Zentralorgan der deutschen Autofahrer, der „ADAC-Motorwelt“, ein Interview mit einer Heidelberger Bürgerin, die in ihren jüngeren Jahren im Schwimmsport Weltklasseleistungen erbracht hatte – selbstredend mit dopingaffinen Trainern: Franziska van Almsick. „Verzichten können wir nicht auf das Auto oder das Flugzeug. Ohne sie wäre unser Bewegungshorizont sehr eingeschränkt. Ich fahre gern meinen SUV, da haben die Kinder Platz – und all das, was so in den Kofferraum gehört. In den Urlaub reise ich am liebsten mit dem Flugzeug. Das Auto gibt einem ein Stück Freiheit.“

Was bei solchen leider mehrheitsfähigen Äußerungen klar ist: Der geistige Horizont ist extrem eingeschränkt. Er reicht nicht mal bis zu den Zukunftsaussichten der eigenen Kinder, geschweige denn zur Erkenntnis, dass unser Wohlstand ein gewaltiger Klimakiller ist, der auf dem Unwohlstand von Milliarden anderer Menschen basiert. Wichtige Kulturtechniken wie Vorausschau, Vorausplanung, Verzicht, Bescheidenheit sind unseren reichen Gesellschaften fremd geworden – unter Überlebensgesichtspunkten ein gigantisches Defizit. Die einzige Logik, die derzeit zählt, ist die ökonomische, in der alles einem grenzenlosen wirtschaftlichen Wachstum auf einer begrenzten Welt untergeordnet wird. Diese Logik wird logischerweise in die Hosen gehen.

Bei der menschengemachten globalen Erwärmung haben wir es fatalerweise nicht mit einem Problem an sich zu tun, sondern mit einem Symptom unter vielen: Artensterben, Verlust von Lebensräumen, Überfischung und Übersäuerung der Ozeane und – last but not least – die Ausbeutung von Menschen in ärmeren Ländern. Diese Einzelphänomene haben eine Ursache: Der Verbrauch von zu viel Material für zu viel Konsum, der zu viel Müll und Emissionen produziert.

In der Bibel heißt es treffend: „Nicht an ihren Worten, an ihren Taten werdet ihr sie erkennen.“ Wir – auch in dieser Universitätsstadt – reden von Wissensgesellschaft und praktizieren eine Dummheit, die Menschen ihrer Lebensgrundlagen beraubt, Tiere im Minutentakt aussterben läßt und die Erde verschundet. Die Dopingmittel unserer Wirtschaftsweise funktionieren nicht mehr.
Was jetzt in Paris beschlossen werden müßte, ist das Auslaufen des kapitalistischen Geschäftsmodells wegen Unbrauchbarkeit auf einem begrenzten Planeten!