„Der Kriegsterror des Moskauer Regimes gegen die Ukraine hat viele Facetten – ein Grund, warum ich hier mit der Fahne der Krim-Tataren stehe, die zum Symbol des Widerstands gegen die russischen Besatzer geworden ist.
Dieser Krieg wurde zwar vollumfänglich erst seit 2022 geführt, aber eingeleitet wurde er schon 2014 mit einem militärischen Überfall auf die ukrainische Krim, in dessen Verlauf ein sogenanntes Referendum mit Waffengewalt durchgeführt wurde, das genau so verlogen war wie die ganze russische Propaganda.
Seit 35 Jahren hat Heidelberg eine Partnerstadt auf der Krim: Simferopol, deren Hauptstadt. Diese Partnerschaft liegt logischerweise auf Eis, denn die Annexion widerspricht absolut dem Völkerrecht. 100 000 Menschen verließen seitdem die Krim auf das ukrainische Festland, darunter ein Großteil der Krimtataren, ein ursprünglich auf der Krim lebendes turksprachiges Volk. Unter Stalin wurden sie 1944 unter unmenschlichen Umständen nach Zentralasien, Sibirien und in den Ural deportiert. Dabei starben so viele von ihnen, dass die Deportation heute als Völkermord gilt.
Unter Gorbatschow kehrten sie zurück, was zu Konflikten mit den sowjetischen und postsowjetischen Behörden führte – und mit Teilen der russischen Bevölkerung, die sich auf ihren Liegenschaften angesiedelt hatte. Als die Krim 2014 von Russland besetzt wurde, widersetzte sich ein Großteil der Krimtataren der Annexion.
Eine neue Welle politischer Verfolgung war Folge des Widerstands. Viele Menschen verschwanden spurlos, wurden gefoltert, ermordet oder landeten in Haftanstalten und Straflagern am Polarkreis: eine weitere Facette dieses Krieges.
Seit 1995 ist Simferopol Hauptstadt der autonomen ukrainischen Republik Krim, die 2014 von den Russen dem „Föderationssubjekt Südrussland“ zugeschlagen wurde, seitdem also nix mehr mit Autonomie.
Noch eine Facette des hybriden Kriegs, kaum als solche erkannt: von knapp mehr als 300 000 Einwohnern Simferopols vor 2014 stieg deren Zahl seitdem auf mehr als 500 000, d.h.: Russen aus Russland wurden angesiedelt, ersetzten nicht nur die Geflüchteten und Vertriebenen, sondern wurden zusätzlich geholt: eine Russifizierungspolitik, die Ukrainer und Tataren weiter in eine Minderheitsposition drückt. Wie in Russland macht sich jetzt hier die Unterdrückung jeglicher Menschenrechte bemerkbar. Kinder und Jugendliche werden einer militärischen Früherziehung unterworfen, die Bevölkerung propagandistisch gegen den „dekadenten“ Westen in Stellung gebracht (also gegen uns!): Methoden, die ihre Analogien schon im Hitler- und Stalinreich hatten.
Die Krim ist unter dem Kreml-Regime zu einem Zentrum von Verbrechen gegen die Menschlichkeit verkommen, zu einem stationären Flugzeugträger im Schwarzen Meer, der von dort aus das ukrainische Festland bedroht. Auch diese Facetten des Krieges dürfen nicht vergessen werden.
Und hier gibt es Menschen, die diesen hybriden Krieg in unsere Gesellschaft tragen: ein Markus Frohnmaier, AfD-Kandidat für das Ministeramt in Baden-Württemberg, vor kurzem in Heidelberg aufgetreten, pflegt enge Kontakte zum Kreml und dessen Propagandisten, hatte auch an Treffen mit Putin-Vasallen auf der Krim teilgenommen und lässt sich von dort ideologisch munitionieren.
Das, der hybride Krieg der Moskauer Verbrecher und all seine Facetten sollten uns sehr zu denken geben.“
Gerd Guntermann, 24. Februar 2026, anläßlich des 4. Jahrestages des Kriegsbeginns gegen die Ukraine