Fahrt nach Gurs, Bericht von Hans Martin Mumm

Dieser Bericht wurde im Auftrag der Heidelberger Delegation von mir geschrieben und von allen Delegationsteilmehmern frei gegeben. Das Stadtblatt hat am 12. 11. 2015 einen völlig anderen und flachen Bericht gebracht.

Bericht über die Reise zur Gedenkveranstaltung vom 25./26. Oktober 2015 in Gurs

Am 22. Oktober 2015 jährte sich zum 75. Mal die Erinnerung an die Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Baden und der Saar-Pfalz in das französische Gurs. Aus diesem Anlass kamen in dem kleinen Ort am Rand der Pyrenäen Delegationen aus badischen Städten und pfälzischen Bezirksverbänden zusammen, um gemeinsam mit Offiziellen der französischen Seite und Vertretern der jüdischen Gemeinden an die Ereignisse vor 75 Jahren zu erinnern. Aus Heidelberg nahmen Bürgermeister Hans-Jürgen Heiß, Stadträtin Dr. Simone Schenk sowie die Stadträte Dr. Jan Gradel, Michael Rochlitz und Hans-Martin Mumm teil.

Von dem Lager Gurs steht nichts mehr, eine rekonstruierte Baracke lässt die Entbehrungen der Lagerzeit ahnen. Der benachbarte Friedhof ist der eigentliche Gedenkort. Von den 6.500 Lagerinsassen sind 1073 in Gurs gestorben, die Übrigen wurden entweder in die Todeslager im Osten transportiert oder konnten sich retten. Etwa 600 Grabsteine sind inzwischen in Gurs aufgestellt worden, und es wird noch etwas dauern, bis alle Namen und Lebensdaten erfasst sein werden. Mehrfach ist auf den Steinen „Heidelberg“ zu lesen, damit ist aber der Geburtsort und nicht der Wohnort von 1940 gemeint.

Parallel zu der offiziellen Delegation nahmen auch 38 Jugendliche an der Gedenkveranstaltung teil; sie waren eingeladen, sich mit französischen Jugendlichen auszutauschen und insbesondere die drei Zeitzeugen zu befragen. Auch Jugendliche aus Heidelberg waren dabei.
Der Auftritt der drei Zeitzeugen war ohne Zweifel der Höhepunkt der beiden Tage. Sowohl in ihren Reden auf dem Friedhof als auch in der Gesprächsveranstaltung am Folgetag schilderten Eva Mendelsson, Margot Wicki-Schwarzschild und Paul Niedermanns, wie sie als Kinder nach Gurs verschleppt wurden. Deutlich wurde das Ausmaß der gewaltsamen Entzivilisierung: keine Betten, kein Essgeschirr, Auftrennung der Familien. Deutlich wurde ebenfalls der starke Überlebenswille, der ihnen Wege aus dem Lager ermöglichte. Nicht zur Sprache kam, dass in den Vertreibungsorten die Habseligkeiten der Deportierten öffentlich versteigert wurden: Viele haben davon profitiert und alle haben es gewusst. Für Heidelberg ist dieser Vorgang historisch noch gar nicht aufgearbeitet. Alle drei Zeitzeugen – sie leben jetzt nicht mehr in Deutschland – zeigten keinen Hass auf diejenigen, die sie damals gepeinigt hatten. Einig waren sie in ihrem Appell, dass es nie wieder Ausgrenzung und Rassenhass geben darf.

Der Dichter Alfred Mombert gehörte zu denjenigen, die 1940 aus Heidelberg nach Gurs deportiert wurden. Schweizer Freunde kauften den Krebskranken 1941 frei. In Gurs formulierte er, seine hermetische Sprache verlassend, unter der Überschrift „Baracken-Winter-Finsternis“ einen Fluch auf die Schergen des Unheils:
„Chaos-Kot – dem Morast des Todes entkrochener eitriger Drachen –
wälztest heran an meinen kastilischen Quell –
vor der erglühten Götter-Burg
jauchst du um meinen Garten der Hesperiden –
– Die Geisel dir! – dir Fraß – und dann Feuer! –“

Nous sommes ….., Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 18.11. 2015

Ja, wir alle sind in diesen Tagen Pariser, Franzosen, Europäer. Die schrecklichen Verbrechen vom vergangenen Freitag, die Bilder aus Paris seither machen sprachlos, traurig, wütend und ja, sie machen auch Angst. Wenn das hier passiert wäre, Menschen in der Halle 02 und auf dem Marktplatz getroffen hätte….

Bei solchen Verbrechen wider die Menschlichkeit sitzen wir alle in einem Boot. Und in diesem Boot sitzen auch die vielen Flüchtlinge, die vor genau diesem Terror bei uns Schutz suchen! Lassen wir uns nicht auseinander dividieren: Arme Franzosen, böse Belgier; gute und schlechte Flüchtlinge; offene oder abgeschottete EU Staaten.

Ein Plakat der Bundeswehr, das mir in den vergangenen Tagen eher merkwürdig auffiel, hat durch die Ereignisse in Paris einen Sinn erhalten:
„Wir kämpfen auch dafür, dass ihr gegen uns sein könnt“.

Klimawandel

Es ist unbestreitbar, dass der Klimawandel und damit verbunden die Energiewende wohl das wichtigste umweltpolitische Thema derzeit ist. Welche Facetten dazu gehören und wer sich alles wie damit beschäftigt stellen wir hier einmal zusammen, damit man sich selbst eine Meinung bilden kann.
Weiterlesen:
Masterplan 100% Klimaschutz der Stadt Heidelberg http://www.heidelberg.de/hd,Lde/HD/Leben/Masterplan+Klimaschutz.html
Stadtklimagutachten 2015 http://ww1.heidelberg.de/buergerinfo/vo0050.asp?__kvonr=22951
Schlussfolgerungen des Bürgernetzes Heidelberg aus der Diskussion um das neue Stadtklimagutachten 2015 http://www.die-stadtredaktion.de/2015/10/rubriken/stadt/stadtmarketing/diskussion-um-das-neue-stadtklimagutachten-2015/
Gutachterliche Stellungnahme zu den klimaökologischen Auswirkungen der geplanten Erweiterung des Marriott Hotels in Heidelberg http://www.die-stadtredaktion.de/wp-content/uploads/2015/11/10_Kleinklimatisches_Gutachten_Ingenieurbuero_Oekoplana_Mannheim_vom_12_10_2015.pdf
Jugendklimagipfel des BUND http://www.bund-heidelberg.de/jkg
Standorte für Windkraftanlagen im Stadtgebiet Heidelberg http://www.heidelberg-windenergie.de/
Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim http://www.nv-hd-ma.de/fnp/fnp_wind.html
Stellungnahme BI „Rettet den Odenwald“ http://rettet-den-odenwald.de/
Stellungnahme UPI http://www.upi-institut.de/hd/Einwendungen_FNPWE.pdf
BUND und NABU zu Windenergie und Artenschutz https://www.bund-bawue.de/fileadmin/bawue/pdf_datenbank/PDF_zu_Themen_und_Projekte/klima_und_energie/dialogforum/Praxisbeispiele_Windenergie_Artenschutz_Dialogforum_BUND-NABU_Einzelseiten.pdf
BUND und NABU Positionspapier zum Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg http://www.bund-bawue.de/fileadmin/bawue/pdf_datenbank/PDF_zu_Themen_und_Projekte/klima_und_energie/2013_BUND-NABU-Position_Windenergie_BaWue.pdf

Ehrpusselig …

… darf man auch mal sein! Da schreiben doch unsere grünen Freunde in einer Presseerklärung zur Gemeinderatssitzung am 12.11., dass sie sich freuen, „dass der Gemeinderat sich dazu durchringen konnte, dem Collegium Academicum einen Platz auf den für Wohnen vorgesehenen Flächen auf Patton einzuräumen“. Was sie geflissentlich verschweigen ist, dass der Antrag dazu von meinem Kollegen Mumm, also von der GAL kam. Auch die Einigung mit der SPD, die das Ganze ’nur‘ geprüft haben wollte, hat Hans-Martin Mumm bewerkstelligt! Ohne ihn hätten die Grünen nix zum Freuen gehabt …

Jahreshauptversammlung der GAL am 18. November um 20 Uhr in der Griechischen Taverne

Liebe Mitglieder, liebe Gäste,

wir laden Euch zu unserer Jahreshauptversammlung ein:
– Nach dem Rechenschaftsbericht und dem Bericht unseres Kassenwartes möchten wir Euch berichten, was der Vorstand im vergangenen Jahr auf die Beine gestellt hat, davon ausgehend, dass nicht alles immer sichtbar war.
– Satzungsgemäß erfolgt dann die Wahl des Vorstandes.
– Für politischen Input werden Judith und Hans-Martin sorgen, indem sie Neues aus dem Gemeinderat berichten.
– Abschließend wird noch Gelegenheit sein, Eure Anliegen und Themen einzubringen.

Viele Grüße,
der Vorstand

Radwege, Stadtblattartikel von Michael Pfeiffer am 28.10. 2015

Es vergeht kaum eine Gemeinderatssitzung, bei der nicht auch das Thema Radweg auf der Tagesordnung steht. Und das ist gut so.

Der Ausbau des Radwegenetzes muss noch schneller vorangetrieben werden. Dies belegen auch die Zahlen auf den neuen Anzeigetafeln, bei denen die Radfahrer*innen gezählt werden, z.B. Gaisbergstraße ca. 4-5tsd täglich. Ich stelle mir dann manchmal vor, die wären alle mit dem Auto unterwegs.

Oft sind es Kleinigkeiten, die es dem Radler schwer machen wie z.B. felgenzerstörende Bordsteine oder unbeleuchtete innerstädtische Radwege. Die geplante Radwegtrasse vom Heidelberger Süden über die Bahnstadt-Bergheim und über eine eigene Neckarbrücke bis ins Neuenheimer Feld wird eine deutliche Erleichterung für alle werden.

Und vielleicht reift bei dem ein oder anderen Kollegen aus Kirchheim und Rohrbach noch die Erkenntnis, dass die Sickingenbrücke als Rad/Fußverbindung eine absolut sinnvolle Maßnahme wäre und sie als Autofahrer von lästigen Radfahrern auf der Bürgerbrücke befreien würde.

Demo gegen Rechts am 24. Oktober – Rede von Gerd Guntermann

„… schön zu sehen, wie viele Kurpfälzer sich den braunen Dumpfbacken entgegenstellen und darüber hinaus aktive Flüchtlingsarbeit betreiben. Das reicht aber nicht – wie Adorno sagte: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Es tut auch Not, auf die Zusammenhänge und inneren Widersprüche unseres globalen Systems zu verweisen, die sich gravierend zuspitzen. Deren Komplexität geht über unser Heidelberger Agieren hinaus. Die bisherigen Flüchtlingsströme sind nur ein Anfang. Fast die gesamte Region von der Westsahara bis zum Jemen, Syrien und Irak ist inzwischen ein einziges Bürgerkriegsgebiet, angefeuert von Waffenlieferungen großen Stils. Landgrabbing und ein fürchterlicher Strukturwandel durch die multinationalen Agrar-, Chemie- und Lebensmittelkonzerne verstärken die Flüchtlingsströme. Von unserer Bundesregierung wird diese Politik unterstützt. In den kommenden Jahren werden mehr als 100 Millionen afrikanische Kleinbauern vertrieben!
Flucht, aber nicht Fluchtursachen werden bekämpft. Fluchthelfer und Schlepper sollen bestraft werden. Aber ein Geschäftsmann, der in Landgrabbing investiert, ist ebenso ein Verbrecher. Beide unterliegen der Logik des kapitalistischen Systems, profitieren vom Leiden und Sterben von Menschen und vom Raubbau an unserer Erde.
Wenn absehbare Probleme aus Profit- und ideologischen Gründen nicht an der Wurzel behandelt werden, dann haben die rechten Hetzer gute Chancen, gehört zu werden wie auch die, die diese Hetzer protegieren: ich erinnere nur an das Treffen von 200 führenden europäischen Nazis in St. Petersburg im März dieses Jahres, die Putin geschickt vor seinen schmutzigen Karren spannt und gleichzeitig den Krieg in Syrien befeuert mit der Folge weiterer Flüchtlingsströme.
Mein Appell an unsere Heidelberger Bundestagsabgeordneten und unser politisches Führungspersonal: Arsch hoch, nicht nur Flüchtlingen helfen, sondern auch Fluchtursachen bekämpfen!
Lasst uns Globalisierungskriminellen und Nazi-Terroristen den Boden unter den Füßen wegziehen!“

Gerd Guntermann, GAL

P.S.: Hier sind Fotos von der Demo (Philipp Rothe, RNZ): http://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg/bildergalerien-heidelberg_costart,2_mediagalid,68.html#mediagallery

Wie weiter mit den Patton Barracks?

Ein erster städtebaulicher Entwurf für die künftige Nutzung der Patton Barracks liegt vor. Damit hat man Platzhalter für den Planungsprozess. Auf unserer Veranstaltung wurden einige Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt. Zu den wichtigsten gehörten „gelungene Nachbarschaften“, auch mit dem Mörgelgewann und dem Kirchheimer Weg, herzustellen, das Areal in Richtung Kirchheim zu öffnen, durch kommunikationsförderliche Einrichtungen auch über die üblichen Bürozeiten hinaus Leben in das Quartier zu bringen, den Standort und die Kubatur der Multifunktionshalle zu überdenken, bestehende Gebäude zu erhalten und ergänzend so zu bauen, dass Integration möglich ist.

– Eine Diskussionsveranstaltung der Fraktionsgemeinschaft GAL/gen.hd./Heidelberg p&e
Im Choreographischen Centrum Hebelhalle, 07.10.2015
Auf dem Podium: Judith Marggraf, Jörn Fuchs (Stadtteilverein Kirchheim), Till Schweizer (Architektenkammer) –

Laut Gemeinderatsbeschluss wird in den Patton Barracks vorrangig Wirtschaft angesiedelt. Die 18 jungen Architekten konnten sich im Juli an drei Tagen während eines Planungsateliers informieren und einen ersten Entwurf erstellen. Die Jurysitzung fand Ende August statt und wählte den Entwurf des Büros Hosoya Schaefer Architects (Zürich) als Grundlage für die weitere Diskussion und Bearbeitung. Auch auf unserer Veranstaltung wurde die Arbeit diskutiert und daraufhin abgeklopft, ob und inwieweit er sich mit Stadtentwicklungszielen deckt.
Einig war man sich darin, dass die Arbeit, wie Till Schweizer bemerkte, einen hohen Grad an Flexibilität und Skalierbarkeit gewährt und somit die beste aus den drei vorgestellten ist. Als Herzstücke sind ein Ableger des Technologieparks, das Business Development Center Organische Elektronik (BCD) im Nordwesten, eine Großsporthalle im Süden, ein Parkhaus im Südwesten und Wohngebäude im Südosten vorgesehen.
Was die Organische Elektronik betrifft, steht man, so Judith Marggraf, unter Zeitdruck, weil der Antrag auf Fördergelder bis Januar gestellt sein muss, doch dafür muss es zuerst einen Bebauungsplan geben.

Verbesserungsmöglichkeiten gegenüber dem Entwurf sehen alle drei Referenten. Jörn Fuchs zufolge kann der ÖPNV mutiger gelöst werden, und stellt in Frage, ob die Großsporthalle und das Parkhaus an der richtigen Stelle angesiedelt sind. Das Parkhaus ist an der Speyerer Straße geplant und würde am Eingangstor zu Heidelberg stehen, was wahrscheinlich schon aufgrund der Kubatur keinen guten ästhetischen Eindruck abgeben würde. Die Multifunktions-/Großsporthalle stünde mit der Rückseite direkt vor der Wohnbebauung im Mörgelgewann und wäre damit eine Beeinträchtigung der ohnehin niedrigen Wohnqualität. Außerdem wäre sie mit dem ÖPNV schwer erreichbar, denn die nächste Straßenbahnhaltestelle liegt gut einen halben Kilometer entfernt. Hans-Martin Mumm warnt in diesem Zusammenhang davor, die Straßenbahnhaltestelle von der Hebelhalle weg zu verlegen, zumal bei Veranstaltungen in einer Großsporthalle die Kapazität einer Straßenbahn nicht ausreichen würde. Vielmehr sollte ein anderer Standort für die Großsporthalle in der Nähe einer S-Bahn-Haltestelle gesucht werden.
Überhaupt findet Schweizer, die grüne Mitte des Areals dürfte größer sein, die angedachten Cafés in der Mitte könnten auch ins Casino. Und nicht nur er meint, dass der Wohnanteil deutlich größer sein dürfte, damit das Areal nicht abends nach Büroschluss wie tot daliegt: Eine Öffnung nach Süden, nämlich nach Kirchheim hin, ist unabdingbar. Leben, Wohnen und Arbeiten sollten unbedingt räumlich nahe beieinander liegen. Judith Marggraf schlägt vor, die Wohnbebauung Mörgelgewann und Kirchheimer Weg um die Ecke zu ziehen. Wichtig wäre auch, die Zäune um die Patton Barracks abzubauen, um das Areal zu öffnen. In dem riesigen ehemaligen Offizierscasino könnten beispielsweise ein Toto-Lotto-Laden, ein Bäcker, ein Imbiss angesiedelt werden, um mehr Leben in das Quartier zu bringen. Eine Aufwertung darf keinesfalls zu Lasten der jetzt dort Wohnenden gehen, und es sollten nicht nur Campus-affine Wohnungen entstehen, wirft Hans-Martin Mumm ein. Der Bestand muss eventuell über eine Milieuschutzsatzung geschützt, es muss ergänzend gebaut werden, damit die Bevölkerung von Mörgelgewann und Kirchheimer Weg integriert werden kann. Dem pflichtet auch Reiner Ueltzhöffer vom Gewerbeverein Kirchheim bei. Ihm fehlt die Vielfältigkeit: Er wünscht sich mehr Wohnraum, und zwar abschwächend von Süd nach Nord in das Quartier hinein sowie mehr Grünflächen für die Lebens- und Aufenthaltsqualität. „Gelungene Nachbarschaft“ war eben kein Stichpunkt in der Aufgabenstellung, wie Judith Marggraf süffisant feststellt.

Einen Konflikt mit dem Wohnen könnten allerdings die S-3-Labors, also Labors, in denen Gentechnik mit höchster Sicherheitsstufe betrieben wird, bedeuten – zumal hier nicht nur entwickelt, sondern langfristig auch produziert werden soll.
Zu mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität möchte auch das Collegium Academicum (CA) beitragen, das sich zum Ziel gesetzt hat, selbstverwaltetes, studentisches Wohnen für 200 Studierende mit einer Bildungsinstitution und einem kulturellen Zentrum zu verknüpfen (http://collegiumacademicum.de/). Es ist IBA-Projekt #012, und zusammen mit dem IFEU-Institut wurde ein Konzept für die Ansiedlung in den Patton Barracks erstellt. Wichtig ist den Initiatoren, vor allem aus Kostengründen, in den Bestandsgebäuden ihr Konzept zu entwickeln. Auch das Projekt „Ausbildungshaus“ war schon weit gediehen, soll jedoch jetzt in Mark Twain Village untergebracht werden.
Überhaupt die IBA: Sie wird nach Ansicht Schweizers stadtplanerisch nicht berücksichtigt, und die Fäden liefen nicht richtig zueinander. Der Aufwand an Bürgerbeteiligung sei enorm, man habe das Gefühl, einer wisse schon, wie es geht, verrate es aber noch nicht.
Ob wir bei all den Überlegungen den Zeithorizont doch weiter fassen müssen? Wer weiß. Vorläufig jedenfalls sind die Patton Barracks ein Zuhause für Flüchtlinge.

Soll das Karlstorkino in der Altstadt bleiben? – Ein Kommentar von Regina Erbel-Zappe

Wenn es nach dem Betreiber Medienforum Heidelberg e.V. geht, bleibt das Karlstorkino an seinem jetzigen Standort, also im Karlstorbahnhof. Wenn die Unterschriften von fast 5.000 Heidelberger Bürgerinnen und Bürgern etwas zählen, bleibt das Karlstorkino, wo es ist. Wenn das geschlossene Votum des Bezirksbeirats Altstadt Gewicht hat, bleibt es. Gerd Guntermann, Bezirksbeirat der GAL, hat einen Antrag auf Bürgerbeteiligung gestellt. Noch selten war eine Bezirksbeiratssitzung so gut besucht wie die am 15. Oktober, als es um das Karlstorkino ging. Den Altstädtern, und nicht nur ihnen, ist also diese kommunale Einrichtung einiges an Anstrengung wert.

Sollte nach dem Kammer-Kino und dem Lux-Harmonie ein weiteres Kino aus der Altstadt verschwinden, wäre das ein herber Verlust. Über 20.000 Besucherinnen und Besucher zieht das Karlstorkino jährlich an, auch aus dem Umland. Durch seinen Standort ist es optimal, auch im Sinne von ökologisch optimal, erreichbar. Mit seinem Programm jenseits des Mainstream stellt es eine Bereicherung des Kulturangebots in der Altstadt dar. Tja, das Kultur-und Freizeitangebot in der Altstadt … Bis jetzt ist für fast jede und jeden etwas dabei: Museen, Theater, Oper und Konzerte, (noch) zwei Kinos mit besonderen Filmangeboten, und schließlich sind da noch die Discos und die Kneipen, von denen eine ganze Reihe den Altstadtbewohnern das Leben und vor allem das Schlafen schwer macht. Müsste das Karlstorkino umziehen, hätten wir einen Magneten des kulturellen Freizeitangebots weniger, und wir müssten befürchten, dass das auf Feiern und Kommerz gerichtete Angebot der Altstadt einen noch stärkeren Überhang bekäme.

Das Karlstorkino wurde vor zwei Jahren unter anderem mit städtischen Mitteln digitalisiert und damit auf den neuesten Stand gebracht. Warum soll man das in den Wind schreiben? Sicher, bei allen Wünschen, die Bürger und Kinobetreiber an die Stadt haben, darf man die Finanzierbarkeit nicht aus den Augen verlieren, was auch unsere GAL-Stadträte immer wieder betonen. Das Medienforum ist optimistisch, Mehreinnahmen generieren und Spendenmittel einwerben zu können. Sollte das realistisch sein, geben wir doch dem Karlstorkino, das seinen Namen an diesem Standort zu Recht trägt, eine Chance. Und vielleicht zeigt sich im Zuge dessen sogar ein Hoffnungsstreif am Horizont und unter diesem Dach, dass die Altstadt endlich ein Bürgerhaus bekommt.

Meine Woche mit Hartz IV – Von Judith Marggraf

Das eigene Konsumverhalten über einen begrenzten Zeitraum zu überprüfen und zu hinterfragen war die Motivation von Judith Marggraf, sich an der „Woche mit Hartz IV“ zu beteiligen. Ein Erfahrungsbericht.

Ich habe an dieser Aktion teilgenommen, weil das für mich eine kurze und unkomplizierte Möglichkeit war, das eigene Konsumverhalten zu überprüfen und das in Beziehung zu setzen mit den Möglichkeiten von Menschen, denen es nicht so gut geht wie mir. Sowas ist eine sehr nachdrückliche und lehrreiche Erfahrung!

Ich bin so vorgegangen: In der letzten Ferienwoche habe ich ganz genau alles aufgeschrieben, was ich an Lebensmitteln eingekauft habe und das dann durch 7 geteilt. Das ergab einen Betrag von 4.40 €. Natürlich hatte ich Vorräte zuhause, habe aber in der Woche auch Dinge eingekauft, die länger als eine Woche halten (Butter, Reis, Eier, Kaffee …)

Ich glaube, dass ich persönlich und alleine das mit 4,67 € schaffen könnte. Ich esse nicht viel Fleisch, habe einen kleinen Hausgarten der mich mit etwas Salat, Gemüse und Obst versorgt. Außerdem gehöre ich zu einer Generation, die eher wenig Fertigprodukte benutzt, auch mal einfach Leitungswasser trinkt und selbstverständlich Reste verwertet.

Anders sieht das aus, wenn mein 14-jähriger Sohn zuhause ist: Da wird schon mal mehr Fleisch gegessen, es braucht die TK-Pizza, das Geld für den Döner in der Mittagspause und ähnliches … Da wird es dann auch mit dem doppelten Betrag knapp und ist eher nicht zu schaffen.
Anders sieht es auch aus, wenn ich arbeite: Mal schnell die Butterbrezel auf dem Weg, ein süßes Stückchen nach der Arbeit, oder abends, nach einer Sitzung ein kleiner Imbiss, weil ich zuhause nicht mehr mit Kochen anfangen will … Das ist Entlastung und auch ein Stück Lebensqualität, aber mit 4,67 € nicht zu schaffen!

Mein persönliches Fazit: Ich glaube „satt werden“ kann man mit 4.67 € am Tag. Das erfordert aber Planung und ziemlich bewusstes Einkaufsverhalten. Was dann fehlt ist nicht der „Luxus“, sondern all die vielen Kleinigkeiten, über die man sich keinen Kopf macht, wenn ausreichend Geld da ist. Und das ist ganz schön einschränkend!

Alleine für diese Erfahrung hat sich für mich die „Woche mit Hartz IV“ gelohnt: Es geht nicht um die Frage, ob der Betrag um 0,60 € angehoben werden sollte oder ob ich irgendwo die Butter um 2 Cent günstiger kaufen kann. Viel wichtiger war für mich zu merken, wie viel Selbstbestimmung und Leichtigkeit mir abhanden käme, wenn ich Tag für Tag aufpassen müsste, mein Budget nicht zu überschreiten.

Judith Marggraf
GAL Stadträtin