Radkultur, Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 18.3. 2013

Es tut sich viel in Heidelberg: Der Radweg von Wieblingen in die Altstadt wird in Angriff genommen, das Radwegenetz Bahnstadt nimmt Gestalt an durch die Verbindung Richtung Südstadt und die geplanten Gleisquerungen und der letzte Bauabschnitt Richtung Rohrbach Markt wird eine Lücke nach Süden schließen.

All diese begrüßenswerten Projekte dürfen aber nicht vergessen machen, dass für Lotte Normalradlerin radeln in der Stadt nach wie vor eine Herausforderung und oft genug ziemlich unsicher ist: schön markierte Radwege, die da aufhören, wo es eng oder unübersichtlich wird; Aufstellflächen die niemanden interessieren; Radspurstückchen die ratlos machen, weil unklar ist wo’s weitergeht.

Heidelberg hat nicht nur Schnell- und Kampfradler, auch Lotte N. möchte gerne entspannt in und durch die Stadt radeln!

Aufwertung der Hauptstraße, Stadtblattartikel von Wassili Lepanto am 11.3. 2013

Die Attraktivität der Altstadt Heidelberg beruht auf der "Aura des Alten". Für die Beleuchtung der Hauptstraße ist die Form und der Stil von Mast und Lampe von großer Bedeutung. In vielen historischen Städten findet man gusseiserne Leuchten, so auch in Heidelberg in Prägung alter Gaslampen. Neuanfertigungen in Anlehnung an solche Muster wären sicher vorstellbar und würden zu den Häuserfassaden wie auch zum gesamten Stadtbild passen. Leuchten in zeitgenössischem Design (die man überall in der Welt, auch bei uns am Ebert-Platz findet), die hier und dort mit ihrem Streulicht modisch akzentuierte Effekte setzen, wären eine fatale Modernisierung im Zeichen der „Global City“. Gerade sie würden das teuerste Kapital der Stadt – das Altstädtische – durch das sog. Moderne mit dem Image einer „üblen Provinzialität“ kaputt machen.

Die Streichung der Buslinie 30…, Stadtblattartikel von Gabi Faust-Exarchos am 4.3. 2013

Die Streichung der Buslinie 30 war verkehrspolitisch kein großer Wurf, für die Bewohner der östlichen Altstadt und den Tourismus absolut nachteilig.

Wenn wir der Umwelt zuliebe Gäste wollen, die mit der Bahn anreisen, muss der ÖPNV in der Lage sein, diese schnell und bequem ins historische Zentrum zu befördern.

Mit drei Fahrten pro Stunde (abends/sonntags nur 2 pro Std.) schafft dies die überlange Linie 33 nicht. Wo steht übrigens geschrieben, dass eine Linie dann effizient und nutzerfreundlich ist, wenn sie die Passagiere „sardinengleich“ befördert oder sie beim Weihnachtsmarkt an den Haltestellen stehen lässt? Eine Schulklasse füllt fast einen Bus, die Linie 30 als Ausweiche und Ergänzung fehlt umso mehr.

Wer zufriedene Bürger und Touristen will, wie z.B. HD-Marketing, sollte auch über eine Optimierung nachdenken.

Ausländer-/ Migrationsrat: Veranstaltung am Sonntag, 3. März

Der AMR lädt am Sonntag, 03.03.2013 ab 17:00 im Karlstorbahnhof, Klub K, zu seinem ersten Forum in 2013 mit anschließendem Empfang ein.
In der „BürgerInnenstunde“ stellen sich vier Initiativen/Organisationen, die mit dem AMR in 2012 zusammengearbeitet haben, kurz vor und berichten, was sie 2013 bewegen wird.

Danach wird der ehemalige Vorsitzende des Heidelberger Ausländerrats/ Migrationsrats Memet Kılıç, MdB, in der Hauptansprache das hochaktuelle Thema „NPD Verbot – Fluch oder Segen“ diskutieren.
Nach der Entscheidung des Bundesrats einen Verbotsantrag zu stellen, will die Bundesregierung im März ihre Position festlegen.

Der AMR ist glücklich, dass er zu diesem Thema einen so guten Referenten gewinnen konnte: Memet Kılıç ist nicht nur als ehemaliger Stadtrat und AMR Vorsitzender in besonderer Weise mit den Menschen in Heidelberg verbunden, sondern ist als Mitglied im Innenausschuss und integrationspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis90/Grüne ein ausgewiesener Fachmann.

Nach der Rede von Herrn Kilic sind die Teilnehmer zu einem Empfang mit Fingerfood und Getränken eingeladen.

Für Kinder gibt es ab 17:00 ein Kinderprogramm im Gumbelraum.

„Leistbaren Wohnraum schaffen – Mietpreisxplosion stoppen“, Kundgebung am 7.3. 2013

Der Heidelberger Mieterverein ruft auf zur Teilnahme an der Kundgebung

„Leistbaren Wohnraum schaffen – Mietpreisxplosion stoppen“
am Donnerstag, den 7. März um 17 Uhr auf dem Bismarckplatz in Heidelberg.

Zeitgleich demonstrieren Mieterinnen und Mieter in Stuttgart

Die Lage auf dem Mietwohnungsmarkt wird – nicht nur in Heidelberg – immer schwieriger:
Wir rufen zur Teilnahme und Unterstützung unserer Forderungen auf:
Wir brauchen:
· Gesetze zur Begrenzung der Mietpreise, auch bei Neuvermietungen
· gerechte Verteilung der Modernisierungskosten auf Vermieter, Staat und Mieter
· deutliche Erhöhung der Mietwohnraumförderung des Landes Baden-Württemberg
· geförderter Neubau von jährlich 200 Sozialwohnungen in Heidelberg
· die Verpflichtung der städtischen Wohnungsgesellschaft (GGH) zur sozialen Wohnungspolitik und zum Erhalt leistbaren Wohnraums
· Nutzung der Wohnungen auf den US-Flächen für Einkommensschwächere
· Schutz der Mieter vor Umwandlungsspekulation und Zweckentfremdung
· gesetzliche Pflicht des Vermieters, den von ihm beauftragten Makler zu bezahlen
· Einbeziehung auch der langjährig nicht erhöhten Mieten in die Mietspiegel

Die extrem steigenden Mieten in Heidelberg überfordern bereits heute viele Mieterhaushalte:
· 42% ihres verfügbaren Einkommens fressen im Durchschnitt die Wohnkosten auf.
· Die Neuvertragsmieten steigen zur Zeit sechs mal so schnell wie die sonstigen Lebenshaltungskosten.
· Durchschnittsverdiener finden keine bezahlbare Wohnung mehr.
· Allein in Heidelberg fehlen nach Schätzungen circa 2000 – 3000 leistbare Wohnungen.

Hierfür gibt es Ursachen:
· Die staatliche Förderung des sozialen Wohnungsbaus wurde in Baden-Württemberg nahezu eingestellt.
· Wurden in den 90er Jahren noch 200 Mietwohnungen in Heidelberg pro Jahr gefördert, so geht dies in den letzten Jahren gegen Null.
· Der Bund hat es versäumt, überhöhte Mieten bei Neuvermietungen gesetzlich zu unterbinden.
· Das trifft alle, denn die extrem hohen Neuvermietungsmieten von heute sind die Vergleichsmieten von morgen.
· Die Kosten der energetischen Modernisierung werden per Gesetz allein auf die Mieter abgewälzt. Mietsteigerungen von bis zu 60% sind keine Ausnahme.
· Das Zweckentfremdungsverbot von Wohnraum und der erweiterte Kündigungsschutz für Mieter bei Umwandlung in Eigentumswohnungen wurden vom Land Baden-Württemberg 2006 für Heidelberg abgeschafft.
· Bei der nächsten Vollerhebung für den Heidelberger Mietspiegel 2014 sind wegen den aktuell hohen Neuvermietungspreisen von 9,50 Euro pro qm starke Anstiege der Vergleichsmieten zu erwarten. Der Gesetzgeber sollte nicht nur Mieten aus den letzten vier Jahren sondern aus zehn Jahren vor der Mietspiegelerhebung einbeziehen.

Herzlichen Glückwunsch, Klaus Staeck!, Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 25.2. 2013

Meine erste Begegnung mit seinen Arbeiten war Anfang der 70-er Jahre das Plakat „Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen“.

Das erregte Aufmerksamkeit und hinterließ einen Widerhaken im Gehirn: Politische Aussagen müssen den ‚Gegner‘ nicht diffamieren. Aufklärung mit Humor und satirische Überspitzung bleiben länger haften, regen zum eigenen Denken an, wirken nachhaltig. Heute kaum zu glauben, dass viele dieser Plakate zu gerichtlichen Auseinandersetzungen geführt haben (die Staeck fast alle gewonnen hat!).

Am 28. Februar wird Klaus Staeck, der Künstler, Publizist und Präsident der Akademie der Künste, 75 Jahre alt.

Wir gratulieren sehr herzlich und wünschen uns noch viele plakative ‚Widerhaken‘.

Stadtbildgestaltung – Altstadt , Stadtblattartikel von Wassili Lepanto am 18.2. 2013

Der Blick auf Heidelberg erweckt jedes mal ein Gefühl des Glücks, ein Gefühl der Harmonie zwischen Natur und Menschenwerk. Wohl deshalb zählte der amerikanische Schriftsteller Washington Irving den Anblick Heidelbergs zu den glückhaftesten, die Europa zu bieten hat.

Um diesen Wert Heidelbergs auch für kommende Generationen zu erhalten, muss jetzt der Stadtrat das historische Stadtbild gegen Zeitgeist-Modernisierungen verteidigen bei der bevorstehenden „Aufwertung der Hauptstraße“.

Wie lange dürfen wir denn die Altstadt noch als „alt“ bezeichnen, wenn wir ihre historischen Fassaden durch bunte Lichtmarker poppig verfremden, die charakteristischen Plätze im Großstadt-Manier entromantisieren, wenn wir in Seitengassen die Bürgersteige einebnen, alte Straßenbeläge entfernen und die Beleuchtungskörper durch neues Design ersetzen – wie bei Tankstellen und Industriegebieten (z.B. Friedrich-Ebert-Platz und Rohrbach-Markt).

„Viel Theater!“, Stadtblattartikel von Gabriele Faust-Exarchos am 4.2. 2013

Das hörte man in den letzten Jahren sehr oft, wenn es um den umstrittenen Theaterumbau ging. Viele von uns wünschten sich einen vergleichbaren Trommelwirbel z.B. für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen.

Sie spielen in unseren Planungen leider immer noch eine Nebenrolle. Aber Jugend will sich ausprobieren, sie braucht Treffpunkte im Stadtteil, Freiraum und vor allem unser Ohr.

Ein schöner Lichtblick ist die Initiative des Jungen Theaters, den 1. HD-er Kinder-und Jugendkongress vom 21. bis 24.Februar im Stadttheater zu starten. In Kooperation mit dem Interkulturellen Zentrum, dem Migrationsrat und vielen Schulen sind Werkstätten unter dem Motto „Wir öffnen Grenzen“ geplant.

Das ist ein gutes Signal für kreative Ansätze in der Jugendarbeit, wir wünschen allen Beteiligten viel Spaß und neue Erfahrungen!

Vergabekriterien, Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 28.1. 2013

Wenn Wohnraum in städtischem Besitz verkauft wird, gelten bislang folgende Auswahlkriterien: Anzahl der Kinder, Bewerber kommen aus Heidelberg, finanzielle Situation der Bewerber, Warteliste/Mehrfachbewerbungen, das Objekt muss innerhalb einer angemessenen Zeit umgebaut/bezogen werden, solides Finanzierungskonzept.

Angesichts eines aktuellen Falles hat der Gemeinderat nun die Verwaltung beauftragt, diese Kriterien zu aktualisieren. Zukünftig sollen auch Aspekte wie innovative Wohnformen, Miete/Eigentum, Barrierefreiheit etc berücksichtigt werden.

Diese Erweiterung ist sinnvoll, wir bitten aber um Verständnis dafür, das in einem laufenden Verfahren die Vergabekriterien nicht einfach geändert werden können.

Die Altstadt erhalten, Stadtblattartikel von Wassili Lepanto am 21.1. 2013

Es gibt noch kein Ende der Architekturoffensive zur Durchsetzung der Zeitgeistarchitektur im historischen Bestand: so die Reihe „Schlossgespräche“, so jüngst die Offerten im Kunstverein, so beim GAL-Neujahrsempfang, usw.

Heidelberg aber ist eine historische Stadt. In seiner Kultur und Naturlage ein Kunstwerk, eine in sich geschlossene Einheit wie ein Gemälde oder eine Tempelanlage.

Bei solch einem Werk malt oder baut man nicht dazu! Das Kunstwerk Heidelberg ist, architektonisch gesehen, vor dem Krieg abgeschlossen, Städte wie Siena, Florenz, Venedig schon vor Jahrhunderten. Die historischen Architekturformen, wie Renaissance, Barock u.a., bilden eine plastisch durchgeformte Einheit in vielfältiger Gliederung, innigst verbunden durch die warme Sandsteinfarbe.

Dies vermag die neue Architektur seit „Bauhaus“ (1920er) mit ihren exakt geprägten Formen, scharfen Kontrasten, Reihung gleicher Teile, antiplastisch, nicht mehr. Sie zersprengt ihr Umfeld, bleibt ein Fremdkörper in unserer Altstadt.

Um das Kunstwerk Heidelberg zu bewundern, kommen Millionen Besucher hierher, geflüchtet aus Überdruss an der allgegenwärtigen modernen Architektur.