Zum Sicherheitsaudit

hatten wir eine Veranstaltung mit Jens Leven vom Planungsbüro buffee sowie Herrn Nico Rathmann vom Verkehrsmanagement der Stadt. Das Audit wurde beschlossen, um verkehrliche Schwachstellen, insbesondere im Bereich von Kindergärten, Schulen und Senioreneinrichtungen zu untersuchen. Herr Leven erläuterte seine bisherige Arbeit. Erfreulich war, dass ihm keine Stadt bekannt ist, in der so viele Kinder zu Fuß zur Schule gehen!
Gerade deshalb wurden von ihm viele Stellen entdeckt, bei denen nachgebessert werden sollte. Manchmal fehlt nur ein wenig Farbe für eine Sperrfläche, manchmal sind es aber auch kostenintensive Maßnahmen. Herr Rathmann informierte über bereits umgesetzte Maßnahmen. Klar wurde, dass viel Geld gespart werden könnte, wenn sich Autofahrer*innen beim Parken rücksichtsvoller verhalten würden.
Seitens der Zuhörer wurde bemängelt, dass das Sicherheitsaudit nicht transparent genug sei. Man hatte auch Sorge, dass nach dem Audit die Maßnahmen nicht ausreichend umgesetzt würden. Wir werden den weiteren Prozess beobachten und Nachbesserungen anmahnen.

3. Heidelberger Radparade

Heidelberg entwickelt sich immer mehr zu einer Fahrradstadt. Um dies nicht nur durch bauliche Maßnahmen zu erreichen sondern auch der Bevölkerung mehr ins Bewusstsein zu bringen und ihr die Chance zu geben, einmal autofrei durch Heidelberg zu fahren, veranstaltet der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club ADFC die 3. Heidelberger Radparade. Wir unterstützen diese Veranstaltung. Am 5. Mai 2018, um 14:00 Uhr wird die Fahrt am Universitätsplatz starten. Die geplante Strecke sollte auch über das kleine Stück B37(bis Abfahrt Wieblingen), das wir als Autobahnanfang Richtung MA wahrnehmen, gehen. Nun wurde die Route vom Regierungspräsidium nicht genehmigt und möglicherweise genau wegen diesem kleinen Stück „Autobahn“. Dabei wurde dieser Teilabschnitt 2017 noch von den Entscheidungsträgern angeboten. Wir fragen uns, wer hier in Heidelberg oder im Reg.präs. gegen diese schöne Strecke interveniert. Auf meine Bitte hin hat unser OB zugesagt, dass er sich darum kümmern und für die Radparade einsetzen wird. Hierfür wünsche ich ihm viel Erfolg.

Nun doch!

Mit Schreiben vom 12. April 2018 hat der Oberbürgermeister den Gemeinderat darüber informiert, dass „nach Prüfung der Rechtslage“ der Bürgerbeauftragte jährlich und die Kinderbeauftragten alle zwei Jahre dem Gemeinderat in öffentlicher Sitzung über ihre Arbeit berichten. Zwischenzeitlich hatte der OB versucht, diese Berichte nur in den Fachausschüssen erfolgen zu lassen. Für beide Arbeitsbereiche gibt es aber Satzungen, die die Berichte für die Plenumssitzungen vorsehen.
Am 5. Oktober 2017 hatte der Gemeinderat auf Antrag der GAL einstimmig das Berichtsrecht der Kinderbeauftragten in die entsprechende Satzung aufgenommen. Jetzt hat ein kleiner Disput um den Willen des Gemeinderats ein rechtskonformes Ende gefunden.

Stellungnahme zu den Sperrzeiten in der Altstadt

Wir hatten uns im Dezember 2016 für die ursprüngliche Vorlage der Verwaltung ausgesprochen (5 x 1 Uhr, 2 x 3 Uhr). In der Debatte hatten wir darauf hingewiesen, dass weitere Verkürzungen der Sperrzeiten rechtlich nicht haltbar sein würden. Die Gemeinderatsmehrheit sah das damals anders und bekam nun die Antwort vom Gericht. Im Moment ist noch nicht absehbar, zu welchen Schlussfolgerungen die Stadtverwaltung in der Auswertung des Urteils kommen wird. Wir würden es unterstützen, wenn der Satzungsentwurf von vor anderthalb Jahren erneut zur Abstimmung käme.

Der Wohnungsmangel …

… in Heidelberg ist groß. Im aktuellen „Spiegel“ ist eine Deutschlandkarte abgebildet, auf der für die 77 Großstädte das Verhältnis zwischen mittleren Einkommen und bezahlbarem Wohnungsangebot angegeben ist: Heidelberg hat die dunkelste Färbung in Deutschland, noch vor Hamburg und München. Da die Basiszahlen nicht angegeben sind, ist die Aussage im Detail nicht überprüfbar; aber darauf kommt es nicht an. Wer heute in Heidelberg auf Wohnungssuche geht, kann die Aussage ganz leicht bestätigen.
Dass gebaut werden muss, ist mittlerweile Konsens. Dass die Konversionsflächen nicht ausreichen werden, ist in der Öffentlichkeit noch nicht richtig angekommen. Wir plädieren darüber hinaus für eine urbane Dichte, die sparsam mit den Flächen umgeht. Das nützt der Wirtschaftlichkeit und erleichtert einen sozialen Mix für untere und mittlere Einkommen. Den Bauträgern ist Mut zu Experimenten zu wünschen, die der Akzeptanz der Architektur dienen und flexiblere Grundrisse ermöglichen.

Heidelberger Energiegenossenschaft gewinnt Ideenwettbewerb des Genossenschaftsverbandes

Wir freuen uns mit der Heidelberger Energiegenossenschaft, die einen Ideenwettbewerb des Genossenschaftsverbandes gewonnen hat!

Foto: Christian Kammer/EWS Schönau

Andreas Gißler (links), Laura Zöckler und Nicolai Ferchl von der HEG freuen sich über die Auszeichnung

Die Heidelberger Energiegenossenschaft (HEG) ist Sieger des Ideenwettbewerbs „Neue Geschäftsmodelle für Energiegenossenschaften“, der unter der Schirmherrschaft von Landesumweltminister Franz Untersteller steht. Die HEG wird für ihr Konzept einer integrierten, auf erneuerbaren Energien basierenden Quartiersversorgung ausgezeichnet.

Heidelberg, 26.03.2018. Die Heidelberger Energiegenossenschaft hat mit ihrem integrierten Quartierskonzept den 1. Platz im Ideenwettbewerb des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV) und der EWS Schönau belegt und erhält dafür ein Preisgeld von 25.000 Euro. Sie konnte die Jury mit ihrem Konzept für die Versorgung mehrerer Mehrfamilienhäuser überzeugen. Dieses umfasst eine Photovoltaikanlage, Mieterstrom, einen optimierten Stromspeicher, dynamische Lastverlagerung sowie Elektromobilität.

Die feierliche Preisverleihung fand am 23. März im Rahmen des Energietages 2018 in Biberach an der Riß statt. Laudator Armin Komenda, Vorstand der EWS, begründete die Auszeichnung der HEG damit, dass ihr Konzept durch seine einfache Übertragbarkeit auch anderen Genossenschaften großen Mehrwert biete. Außerdem seien die Bewohner der Mietshäuser nicht mehr nur Endkunden, sondern könnten zu „Prosumern“ werden, die ihren Strom sowohl selbst erzeugen als auch verbrauchen.

HEG-Vorstand Nicolai Ferchl sieht die Auszeichnung als große Bestätigung: „Sie bestärkt uns darin, für die dezentrale Energiewende in Bürgerhand neue Wege zu gehen und nach Lösungen zu suchen, wie wir die Menschen vor Ort noch stärker einbinden können.“ Die Genossenschaft stellt sicher, dass die Energiewende ein Gemeinschaftsprojekt aller Akteure ist, indem sie wirtschaftliche Teilhabe ermöglicht.

Im ausgezeichneten Konzept wird die Energiewende durch die aktivierenden gemeinschaftlichen Elemente darüber hinaus zu einem Motor für das soziale Miteinander. Die HEG möchte ihr Quartierskonzept möglichst bald in die Praxis umsetzen. „Die Heidelberger Konversionsflächen bieten dafür ein perfektes Umfeld und ich bin optimistisch, dass wir schon in diesem Sommer ein Beispielprojekt verkünden können“, meint Andreas Gißler, ebenfalls Vorstand der HEG.

Der Ideenwettbewerb wurde zum ersten Mal ausgelobt, um innovativen Geschäftsmodellen baden-württembergischer Energiegenossenschaften Sichtbarkeit zu verleihen. Dr. Roman Glaser, Präsident des BWGV, erklärte, dass das ehrenamtliche Engagement der Genossenschaften zentraler Baustein der Energiewende sei und durch diesen Preis hervorgehoben werden solle. Den zweiten Platz des Wettbewerbs belegte die Bürgerenergie Dreiländereck eG, die Ostalb Bürger Energie eG erreichte den dritten Platz.

Mehr Informationen unter www.heidelberger-energiegenossenschaft.de.

Foto: Christian Kammer/EWS Schönau
Armin Komenda (EWS) überreicht die Urkunde an die Vertreter der HEG.

 

 

 

 

 

Wirklich wichtig

Es ist kein Geheimnis, dass alle Heidelberger Schulen in größerem oder kleinerem Umfang Sanierungsbedarf haben. Und ja, es ist ärgerlich, dass viele dieser Projekte seit Jahren im städtischen Haushalt stehen und nichts passiert ist.
Sind wir aber mal optimistisch: Die Verwaltung hat, auf sanften Druck hin, jetzt einen „5 plus 2“ – Plan vorgelegt (2 sind die im letzten Jahr bereits beschlossenen Hölderlin und Marie-Baum, 5 sind Bunsen, Mönchhof, Hellpach/Springer, Waldpark und Geschwister-Scholl).
Wirklich wichtig ist jetzt, dass der Baubeginn, wie angekündigt, jeweils zwischen Spätjahr 2018 und Frühjahr 2019 auch gehalten wird und die Bauzeiten so gut wie möglich gestrafft werden. Neiddiskussionen, das Ausspielen einer gegen andere Schulen oder das ‚Draufsatteln‘ von Forderungen helfen jetzt nicht!
Ich bin mir sicher, daß der gesamte Gemeinderat zukünftig mehr kritisches Augenmerk auf die Schulen legen wird und ich werde engagiert und gerne meinen Beitrag dazu leisten.

Liebe Kirchheimerinnen und Kirchheimer,

das Verkehrs- und Parkraumkonzept Harbigweg war in der letzten Bezirksbeiratssitzung das Top-Thema.
Seit der Harbigweg durch einen versenkbaren Poller gesperrt wurde, hat der „Schleichverkehr“ auf den Feldwegen in Kirchheim Nord extrem zugenommen.
Das Wort „Schleichverkehr“ steht grundsätzlich für den nichtdurchfahrtsberechtigten Verkehr. Von Schleichen kann jedoch keine Rede sein. Zum Teil wird mit wesentlich zu hohen Geschwindigkeiten gefahren und dabei nicht nur erholungssuchende Fußgänger sondern auch zum Sport mit dem Fahrrad fahrende Kinder rücksichtslos zur Seite gedrängt.
Schon vor dem Bau der Alla Hopp – Anlage haben wir die Stadt Heidelberg mehrmals darauf hingewiesen, dass es vor der Schließung des Harbigwegs ein schlüssiges Verkehrskonzept geben muss. Gefreut hat uns auch, dass auf dem Weg vom Parkplatz Messplatz zum Alla Hopp Park Spielgeräte für die Kinder aufgestellt werden sollen. Diese Anregung haben wir damals schon einem städtischen Mitarbeiter empfohlen. 18 Monaten später liegt nun endlich eine Vorlage auf dem Tisch, über die der Gemeinderat am 12. April beschließen kann. Wir möchten uns hierbei einmal ausdrücklich bei allen Teilnehmern des runden Tisches bedanken, die mit ihren Vorschlägen, gemeinsam mit dem beauftragten Ingenieurbüro dafür gesorgt haben, dass es ein Konzept gibt, mit dem die weiteren Schritte eingeleitet werden können. Ein Dank hierbei auch an die Mitarbeiter der Stadt Heidelberg, die diese Treffen vorbereitet und den Prozess begleitet haben.
Nun bleibt abzuwarten, wann mit der Umsetzung der Maßnahmen begonnen wird. Aus der Mitte des Bezirksbeirates wurde nachfolgendes Stimmungsbild abgegeben, das ohne Gegenstimme verabschiedet wurde:
„Der Bezirksbeirat Kirchheim begrüßt im Grundsatz das vorgestellte Maßnahmenpaket zur Reduzierung der straßenverkehrsbedingten Belastungen. Er geht allerdings davon aus, dass zentrale Elemente wie jene des Minikreisels nicht erst in 4 – 5 Jahren, sondern mit einer deutlich früheren Perspektive realisiert werden. Darüber hinaus stellt der Bezirksbeirat fest, dass die, seitens des Beschlusses des Gemeinderats vorgesehene Verzahnung der Verkehrssituation mit dem Konversionsprojekt „Patton Barracks“ nicht erfolgen konnte, weil die entsprechenden fachlichen Grundlagen nicht bereitgestellt worden sind. Wegen der zu erwartenden Wechselwirkungen bleibt auch das gut gemeinte Konzept für den Bereich Harbigweg solange unvollständig und muss als nicht zu Ende gedacht bezeichnet werden. Deshalb fordert der Bezirksbeirat von der Stadt, im Übrigen zum wiederholten Male, die Vorlage eines Entwurfes eines Verkehrskonzeptes für das vorstehend genannte Konversionsprojekt und dessen Diskussion im und mit dem Stadtteil“
Zu dem Lebensmittelmarkt in der Breslauer Straße gibt es auch Neuigkeiten, die uns nun zuversichtlich stimmen. Nachdem die GGH monatelang mit verschiedenen Anbietern in Verhandlungen stand, zeichnet sich endlich eine Lösung ab. Noch ist immer nichts in trockenen Tüchern, doch deutet vieles darauf hin, dass ein Vertrag zum Abschluss kommt. Sollte alles nun ohne Komplikationen über die Bühne gehen, so wird Ende des Jahres auch in Kirchheim Nord wieder ein Lebensmittelladen seine Tore öffnen. Wir haben auch hier schon seit Bekanntwerden der Schließung darauf hingewiesen, wie wichtig dieser Markt ist und schnellstens gehandelt werden muss. Insofern ärgern wir uns auch darüber, dass es so lange dauert, bis eine Entscheidung gefallen ist.

Auch vom REWE in Kirchheim gibt es Neuigkeiten. Uns wurde zugetragen, dass der neue REWE, der ja direkt unten an der Hardtstraße neu gebaut werden soll, schon Ende des Jahres fertiggestellt sein soll. Dafür müsste der REWE aber während der Bauzeit ca. 4 Wochen geschlossen werden. Wenn sich dieses „Gerücht“ bestätigen sollte wäre es wünschenswert, wenn sich die in Kirchheim befindlichen Lebensmittelmärke/Discounter absprechen, damit nicht wieder, wie schon geschehen, 2 Märkte gleichzeitig schließen.
Schulwegsicherung
Nachdem sich im Dezember 2017 ein Verkehrsunfall in der Albert-Fritz-Straße ereignet hatte, bei dem 2 Schüler der Geschwister-Scholl-Schule großes Glück hatten, dass der Autofahrer sehr langsam fuhr und es dadurch keine schweren Verletzungen gab, trafen sich im Februar Schule, Kinderbeauftragter, Polizei und Stadt zu einem Vorort- Termin. Gemeinsam wurde beraten, welche Maßnahmen getroffen werden könnten, um die Sicherheit der Kinder an der Kreuzung Albert-Fritz-Straße/Königsberger Straße/Schäfergasse zu erhöhen. Schon sehr schnell wurde klar, dass Wünsche wie Zebrastreifen oder Ampel in naher Zukunft bei der Stadt keine Chancen haben werden. Als Alternative (schnell zu realisieren für wenig Geld und, sowohl für Autofahrer*innen als auch für Kinder als Querungshilfe gut erkennbar) wurde angeregt, eine Haifischzahnmarkierung an der östlichen Kreuzungsseite anzubringen. Sie hat 2 quer zur Fahrbahn verlaufende rote Streifen, auf denen kleine weiße Dreiecke aufgebracht sind, die ein wenig wie Haifischzähne aussehen.
Leider sprach sich ein Mitarbeiter vom Verkehrsmanagement gegen genau diese Maßnahme aus. Begründet wurde dies damit, dass diese Markierung nichts rechtssicher sei und man davon abkommen wolle. Dies ist insofern verwunderlich, weil in der Vorhabenliste 2018 genau diese Haifischzähne vom Verkehrsmanagement noch als sinnvolle Maßnahme eingestuft wurden.
Sollten Sie Anregungen haben dann schreiben Sie uns oder rufen Sie an.
Es grüßen Sie freundlich Judith Marggraf Stadträtin und Michael Pfeiffer Stadtrat

Partnerschaftsreise nach Rehovot

Von Hans-Martin Mumm.

Vom 5. bis 9. März besuchte eine Delegation der Stadt Heidelberg die Partnerstadt Rehovot in Israel. Unter Leitung von OB Würzner bestand die Delegation aus fünf Mitgliedern des Gemeinderats; Otto Knüpfer und Jochen Reder vom Freundeskreis standen für Ortskenntnis und Kontinuität der persönlichen Beziehungen; Viola Schwabbaur vom OB-Referat räumte souverän alle Schwierigkeiten aus dem Weg.
Die Partnerschaft besteht seit 35 Jahren, nachdem ihr bereits Kontakte auf wissenschaftlicher Ebene vorausgegangen waren. Beide Städte verbindet eine Reihe paralleler Strukturen: ähnliche Bevölkerungszahl, Nähe zu einem Ballungszentrum, Wachstumsdruck und die Dominanz wissenschaftlicher Einrichtungen.
Die Stadt Rehovot wurde 1890 gegründet. Der Name – ein Plural – bedeutet „weite Felder“ oder auch „breite Straßen“. Er kommt als Rehobot schon in der Bibel als edomitische Königstadt vor (Gen 36, 37). Der biblischen Erzählung nach waren die Edomiter die Nachkommen Esaus, also auch Abrahams und Isaaks, aber eben nicht Jakobs. Diese Differenz muss den aus Warschau stammenden zionistischen Siedlern von 1890 bewusst gewesen sein.
Die Delegation aus Heidelberg wurde von den Verantwortlichen der Stadt Rehovot und dem dortigen Freundeskreis mit großer Herzlichkeit und überwältigender Gastfreundschaft empfangen und begleitet. Am ersten Tag nach der Anreise stand Rehovot selbst im Mittelpunkt. Gleich morgens um acht wurde der neue Heidelbergplatz eingeweiht. Der Festakt wurde von Schülerinnen und Schülern moderiert und künstlerisch begleitet. Alles war open Air, denn es herrschten 30 Grad − für uns, die wir aus deutscher Kälte gekommen waren, sehr angenehm. Der neue Platz erwies sich als ein verkehrsberuhigender, aber wenig fußgängerfreundlicher Kreisverkehr. In seiner Nähe wurde eine Tafel enthüllt, die an den Heiliggeistpfarrer Hermann Maas erinnert. Zwei Straßenecken weiter sahen wir die schon länger so benannte „Dr.-Hermann-Maas-Straße“.
Die nächste Station war eine technologieorientierte Reformschule, in deren Leitlinien uns die Direktorin einführte. Ein weiterer Fachvortrag widmete sich der digitalen Vernetzung. Rehovot hat ein im Boden vergrabenes Glasfasernetz verworfen und setzt auf drahtlose Verbindungen in der Höhe. Diese Lösung passt auf eine bergelose und hochhausreiche Stadt und ist deshalb auf Heidelberg nicht übertragbar. Kooperieren ließe sich dennoch. In einem Schullabor führten uns Schülerinnen und Schüler ihre selbstgebauten Roboter vor. Bei der Vorstellung der Heidelberger Delegation durch unsern OB stieß die Parteizugehörigkeit von Thomas Barth und Monika Meißner auf großes Hallo der Gastgeber, weil die Große Koalition in Israel allgemein sehr begrüßt wurde.
Das Weizmann-Institut wurde 1934 gegründet. Es umfasst heute einen Campus von einem Quadratkilometer, auf dem 2600 Studierende und Wissenschaftler tätig sind. Sein Zweck ist die technologische, medizinische und agrarwissenschaftliche Grundlagenforschung und es genießt weltweiten Ruf. Höhepunkt unserer Besichtigung war ein Gespräch mit dem Präsidenten Prof. Daniel Zajfman, der unserem OB zusagte, als Berater für Heidelbergs Innovation Park tätig zu sein. Als ich ihn fragte, ob es vielleicht Differenzen oder gar Konflikte zwischen dem Institut und der Stadt Rehovot gebe, kam ein kurzes Lachen. Das reichte mir fast als Antwort. Zu hören war dann noch von einem Streit um die Grundsteuer, von der Weizmann sich ausgenommen sieht, aber auch ein Lob des Bürgermeisters.
Das Start-up „Applied Materials“, das wir am Nachmittag besuchten, erwies sich als Niederlassung eines weltweit tätigen Konzerns im Bereich der Chip-Produktion. Wir alle mussten Schutzkleidung anlegen, um die staubfreien Werkshallen betreten zu dürfen, und liefen wie Gespenster umher. Wir hörten Vorträge über Genauigkeiten im Nanobereich und bestaunten die elektronenmikroskopischen Vergrößerungen. Im Rathaus von Rehovot kam es zu einem improvisierten Austausch zur Kommunalpolitik. Bürgermeister Rahamim Malul und einige Stadtverordnete stellten sich unseren Fragen nach Verkehr, Wohnungspolitik, Weizmann, nach Wahlmodus und Zuständigkeit der Gremien. Aber schon kamen die Fotografen zum nächsten Gruppenbild.
Die Zeitpläne waren längst Makulatur. In Jerusalem sahen wir die Stadt bei Nacht. Knappe vier Stunden zogen wir treppauf treppab entlang von alten und neuen Mauern. Von unserem Guide lernten wir, dass es in Jerusalem keine Fakten gebe, sondern nur Erzählungen: die Schöpfung mit Adams Grab beim Golgatha-Hügel, Abraham als Erzvater dreier Weltreligionen und David, der die zwölf Stämme Israels vereinigte. Damit waren wir angefüttert. Der vorgesehene Routenplan wurde umgestoßen und für den zweiten Tag eine weitere Fahrt nach Jerusalem eingeschoben. Ein neuer Guide führte uns weitere vier Stunden zur Grabeskirche, zur Klagemauer und anderen Sehenswürdigkeiten. In der Altstadt sahen wir Lastwägen und Traktoren mit halber Spurbreite. Ein Vorbild auch für unsere Altstadt? Ich denke, eher ein Horror. Noch die engste Gasse würde so befahrbar, und die Unverträglichkeiten potenzierten sich.
In einer langen Fahrt durch das Jordantal, also durch die besetzte Westbank, kamen wir abends zum See Genezareth. Nach der Besichtigung des Berges der Seligpreisungen hatten wir endlich Zeit zu verschnaufen. Dem Seeufer war die Dürre der letzten Jahre abzulesen. Aus der Mitte der Delegation kam der Vorschlag, die Kollegen Barth und Mumm sollten schwimmen gehen, dann würde der Wasserspiegel bedeutend steigen. Dem ließ sich entgegenhalten, dass solche Aktionen wenig nachhaltig seien, weil wir ja weiter mussten.
Am dritten Tag ging es nach Nazareth, wo wir den Pilgerkitsch rund um die Verkündigungskirche bestaunen konnten. Mit Haifa lernten wir eine Stadt kennen, in der heute Juden und Araber sowie Juden, Christen, Muslime, Drusen und die Anhänger der Bahai-Religion vergleichsweise konfliktfrei nebeneinander leben. Unsere zweitägige Rundfahrt endete in Tel Aviv an der Stelle, an der am 4. November 1995 Jitzchak Rabin ermordet wurde.
Am vierten Tag ging es morgens um fünf zum Flughafen. In den Tagen danach war einiger Schlaf nachzuholen.

Die Dr.-Hermann-Maas-Straße in Rehovot

Schülerinnen und Schüler präsentieren ihre selbstgebauten Roboter.

Weizmann-Präsident Prof. Daniel Zajfman im Gespräch mit der Heidelberger Delegation

Die Grabeskirche in Jerusalem war geöffnet und voller Pilger aus aller Welt.
Fotos: Viola Schwabbauer, OB-Referat