Ein etwas anderes BBR-Protokoll aus Handschuhsheim von Martina Weihrauch

13. Juli 2017

Bei lauschigen 30 Grad, dies aber nur Schatten, betrete ich den Saal, in dem sich heute vier Bezirksbeiräte treffen, um über ein Thema zu diskutieren, das ich trotz mehrfacher Leseversuche, nicht ganz verstanden habe. Also das Thema habe ich schon verstanden, aber ich verstehe nicht so ganz, wo das Problem ist. Der Saal ist runtergekühlt auf unter 20 Grad. Ich erschaudere in meinem Sommerkleidchen.
Die Sitzordnung ist heute eine andere. Das macht es schwierig. Ich bin immer noch unsicher, neben welcher Partei ich gerne sitzen möchte. Ich möchte weit weg von dem AFD-Mann sitzen, ungern neben den Grünen, da gibt es die Gärtnerin und die Frau Doktor. Von den SPD-Menschen mag ich oft nur die Frau und die CDU kommt für mich eigentlich auch nicht in Frage. Die CDU-Männer sind die grauen Herren.
Heute bleibt mir nur der Platz neben der CDU.
Der Oberbürgermeister kommt heute auch. Ich weiß nicht warum, aber er begrüßt mich mit Handschlag. Auch seine Hand ist kalt. Ich scheine bekannt zu sein in dieser Stadt.
Wir bekommen eine Powerpointpräsentation zu sehen. Ich wickle mir mein Chiffontuch um die Schultern, es ist so kalt, dass das Wasser in den Flaschen gefriert. Ich mag diese bunten Präsentationen, es wirkt so freundlich. Ich verwickle den neben mir sitzenden CDU-Mann in ein Gespräch in der Hoffnung, dass er sein Wissen mit mir teilt. Solange ich immer noch so wenig verstehe, nicke ich zustimmend und schreibe sinnloses Zeug in meine Unterlagen und vervollständige meinen Einkaufszettel.
Ich habe nun verstanden, dass wir heute nicht über Entscheidungen reden, sondern darüber, wenn man eine Entscheidung jemals treffen würde, wie man dann diese Entscheidung treffen könnte. Einfach ausgedrückt, wenn wir beabsichtigen, einen Weihnachtsbaum aufzustellen, wen würden wir dann fragen, ob er oder sie auch einen Weihnachtsbaum will? Und sind diese Menschen ernstzunehmende Bürger_innen? Kennen sie die Bedeutung von einem Weihnachtsbaum? Und wann würden wir ihn aufstellen? Und wo? Wollen wir das überhaupt? Wie komme ich eigentlich auf den Vergleich mit dem Weihnachtsbaum? Ach ja, es ist so kalt hier drinnen.
Ob es eine Hölle gibt, darüber könnte man mit Theolog_innen lange philosophieren. Meine persönlichen Vorstellungen davon werden gerade sehr deutlich. Im Übrigen sitzt auch ein Mann namens Teufel im Publikum, ich glaube ja nicht an Zufälle.
Frau Müller-R., ich kann mir nie merken, ob sie nun zur Bunten Linken oder zu unbunten Linken gehört, meldet sich zu Wort. Durch das Publikum geht ein eisiges Raunen. Und nicht nur, weil es so kalt ist.
Frau Müller-R. geht ans Mikrophon. Zu meinem Entsetzen sehe ich, dass sie 10 Seiten beschriebenes Papier in der Hand hält. Frau Müller-R. beginnt ihre Volksreden immer und grundsätzlich mit einem Dank: „Ich möchte mich bei Ihnen, Herr Oberbürgermeister und allen Ihren Mitarbeiterinnen für die von Ihnen geleistete, gutgemeinte Arbeit bedanken. Für uns ist ersichtlich, wie viel Arbeit und Sachkompetenz in diesem Versuch und bla bla bla….“ Ich habe schon vor einiger Zeit die Erkenntnis gehabt, dass man, wenn man jemanden diskreditieren und herabsetzen will, dies auch mit einer Lobeshymne anfangen kann. Es ist ein Lob, das in den Ohren brennt und die Seele zum Gefrieren bringt. Frau Müller-R. ist erst bei der zweiten Seite. Seit einiger Zeit spricht sie von sich immer im Plural, nannte man das nicht pluralis majestatis? Ihre Worte klirren in diesem eisigen Raum. Es gibt kein Entkommen. Ich war der Frage der Theodizee noch nie so nah.
Auch bei dem CDU-Mann neben mir ist die Verzweiflung greifbar. Wir sind Verbündete! Geschwister im Geiste!
„Unterstützen Sie unseren Antrag auf eine Redezeitbeschränkung?“, wispert der CDU-Mann mir zu. Es gibt Hoffnung! Und dieser wunderbare Mann neben mir ist der Hoffnungsträger (Frau Müller-R. redet nun schon seit 10 Minuten). „Oh mein Gott, ich will“, hauche ich dem Heilsbringer entgegen. Wir sind die Robin Hoods dieser Gesellschaft, also ich und die CDU. Wir befreien uns vom Diktat des Kommunismus.
Der Oberbürgermeister greift unseren Antrag dankbar auf. Frau Müller-Marx wird unterbrochen und darf nur noch „unsere“ vier Ergänzungen verlesen. Ich fühle mich der CDU ganz nahe, ich erzähle dem CDU-Mann, dass ich mal Ministrantin war und meine Mutter katholische (!) Religion unterrichtet hat. Wenn wir uns mal besser kennen, werde ich ihm erzählen, dass mein Vater Vergnügungswart der Ortsgruppe der CDU in Lützelsachsen war (Dass mein Vater Vergnügungen für Teufelszeug hielt und ich die ihm verehrte in Anbetracht seiner Dienste für die CDU geschenkte Thuja habe fällen lassen, werde ich verschweigen). Ich verspüre aufkommende Trauer um den verstorbenen Bundeskanzler. Er war einer von uns.
Ich habe die Sitzungsunterlagen wie eine Decke auf meinen Beinen ausgebreitet. Papier wärmt. Der Oberbürgermeister hat seine Jacke wieder angezogen
Es werden nur noch Anträge verlesen. Lustigerweise stellt ein anderer Bezirksbeirat genau den gleichen Antrag wie wir. Der Unterschied wird nur später sein, dass man unsere Anträge einzeln abstimmen wird, es gibt einfach zu viele Menschen, die nicht nach Hause und die Anträge des anderen als Paket abstimmen wollen. Ein anderer Bezirksbeirat stellt den Antrag, dass die Beschlüsse des Gemeinderates umzusetzen sind. Das finde ich irgendwie witzig. Das ist irgendwie wie „Ihr habt es aber versprochen…“.
Es kommt nur noch eine kritische Situation, als es um das Abstimmen geht. Ich habe ja nun verstanden, warum wir alle hier sind. Aber die Anträge von Frau Müller-Marx sind sehr verworren. So mit Schachtelsätzen. Ich muss ein wenig an Mark Twain denken und seine Beschreibung der deutschen Sprache.
Ich sehe von ferne zwei Menschen stehen mit Papier und Bleistift bewaffnet, die offensichtlich das Abstimmungsverhalten protokollieren. Ein heikler Moment. Ich möchte ja meine neuen Freunde von der CDU nicht gleich enttäuschen. Die CDU ist aber immer dagegen. Ich möchte aber auch nicht wie die Grünen abstimmen. Die sind immer dafür. Die SPD ist flexibel. Also schiele ich, bevor ich den Arm hebe, nach der SPD und schließe mich an. Ich muss leider meine neuen Freunde enttäuschen.
Dies erweist sich später als eine weise Entscheidung. Nach der Sitzung werde ich von der mitschreibenden Frau zu meinem Abstimmungsverhalten befragt. Ich versuche in paar große Worte von mir zu geben, im Sinne meines Stadtteils…. und all der Bürgerinnen und Bürger, deren Vertrauen ich genieße…

Führung durch das Neuenheimer Feld mit Rolf Stroux

Der ehemalige Bauamtsleiter der Universität Rolf Stroux führte die GAL-Stadträte Judith Marggraf, Hans-Martin Mumm und Michael Pfeiffer, einige Bezirksbeiräte und GAL-Interessierte am Dienstag, 27. Juni, über das Gelände Im Neuenheimer Feld.

Die Führung war von uns angeregt worden, um sich über die Entwicklung und den Ist-Zustand des Campus zu informieren, damit wir bei den Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung für den Masterplanprozess zur Schaffung neuen Baurechts für die Universität und der Forschungsinstitute einen Überblick über die örtlichen Gegebenheiten haben.

Die Führung begann am Mathematikon, führte quer durch den Campus bis zu den Kliniken und endete auf dem NCT-Hügel, von dem man einen guten Überblick über das ganze Gelände hat. Unterwegs erzählte Herr Stroux die Geschichte des Universitätsgebiets Im Neuenheimer Feld, erklärte die Funktionen der verschiedenen Gebäude und verwies – nicht ohne Stolz – auf die herausragende Architektur. Auf unsere Nachfrage nach der Lebensdauer dieser Bauwerke führte er aus, dass die jeweilige technische Ausstattung alle 30 Jahre grundlegend erneuert werden müsse, dass aber die Gebäudehüllen länger als ein Jahrhundert haltbar blieben.

Am Ende bedankten wir uns mit einer Flasche Wein und kamen überein, weiter im Gespräch zu bleiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NachtiGALlen Führung am Wieblinger Altneckar

Bei zwar recht kühlem aber sonnigem, trockenem Wetter trafen wir Regine Buyer am Samstag Abend, 22. April, am Wieblinger Landschaft- und Naturschutzgebiet, um die Nachtigallen singen zu hören. Ausgerüstet mit einem Fernrohr ging unsere kleine Gruppe los.

Schnell merkt man, die Frau kennt sich hier aus. Regine erzählt allerhand Interessantes über das Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Unterer Neckar“:

Es erstreckt sich zwischen dem Neckarwehr Heidelberg-Wieblingen und der Mündung des Neckars in den Rhein in Mannheim. Seit 1986 ist es Schutzgebiet und hat eine Größe von rund 753 ha, wovon rund 195 ha auf das Naturschutzgebiet und rund 558 ha auf das Landschaftsschutzgebiet entfallen. Das Gebiet Altneckar Heidelberg-Wieblingen ist eins von sechs Naturschutzgebieten, das in der Mitte des Flusses liegt.

Die Fluß- und Auenlandschaft mit ihren Sand- und Kiesbänken, Flachwasserzonen, Prallhängen, Gleitufer und ihren typischen Pflanzengesellschaften dient vielen Tieren insbesondere vielen Vögeln als Brut-, Nahrungs-, Ruhe- und Überwinterungsbiotop oder auch als Rückzugsgebiet. Vergleichbares findet man in Deutschland nicht mehr, vielleicht noch an der Elbe.

Auf den Sandbänken vor uns haben sich Kanadische Wildgänse und Kormorane niedergelassen. Lauthals machen sie auf sich aufmerksam. Weitere Entenvögel und Blässhühner schwimmen auf dem Neckar. Am anderen Ufer watet ein Graureiher ganz vorsichtig durch das Wasser, auf der Jagd nach etwas Essbaren.

Halsbandsittiche fliegen über das Gebiet hinweg, man hört sie schon an ihrem lauten, durchdringenden Ruf, bevor man sie sieht.

Das Gebiet, so erzählt Regine, wird auch von Fischadlern als Zwischenstation auf ihrer Reise gen Süden genutzt, um sich zu stärken. Da diese eine lange Bahn zum Landen brauchen, sei eine Zerschneidung des Naturschutzgebietes durch eine Brücke für Fischadler schlecht. Auch Maßnahmen zum Hochwasserschutz greifen immer wieder stark in das sensible Biotop ein, Brutplätze des Eisvogels und Lebensbereiche des Bibers werden dadurch zerstört.

In den Büschen und Bäumen links und rechts von uns hören wir Zilpzaps, Sumpfrohrsänger, Amseln, Meisen, Sperlinge u.v.m. singen, aber leider keine Nachtigallen. Regine spielt uns den Gesang der Nachtigallen vor. Er besteht aus Strophen dicht gereihter Einzel- oder Doppeltöne und klingt sehr schön. Es singen nur die Männchen, meistens abends, vor allem zur Anlockung einer Brutpartnerin.

Auch wenn wir keine Nachtigallen hörten, die Gesänge und das muntere Treiben der anderen Vögel und die schöne Abendstimmung an diesem einzigartigen Naturschutzgebiet waren trotzdem ein Kommen wert.

Neujahrsempfang 2017

Populismus scheint populär zu sein:
Unsicherheit aufgreifen, einfache Antworten ohne Lösungen anbieten, Wahrheit relativieren. Ist das eine Kapitulation vor der komplex gewordenen Welt? Werden wir wieder biedermeierlich-privat und blenden alles Fremde draußen aus? Muss unsere Demokratie das aushalten oder muss sie schon verteidigt werden? Die Diskussion wird geführt, Antworten stehen noch aus.

Einen Blick auf Heidelberg und die Welt warf Holger Schultze, Intendant Theater und Orchester Heidelberg.

Beim Neujahrsempfang  der  GAL am Freitag, den 6. Januar 2017, 11 Uhr im Deutsch-Amerikanischen-Institut (dai), waren fast 70 Personen anwesend, die nach einer kurzen Begrüßung durch Martina Weihrauch und Gerd Guntermann mit großem Interesse dem Beitrag von Holger Schultze zum Thema Populismus und seinem Plädoyer für mehr Dialog folgten.

Für den musikalischen Rahmen sorgten wie immer Sigi Geiberger, Gunter Kraus und Michael Herzer.


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Jahreshauptversammlung 2016 Rückblick

Am 30. November 2016 fand die jährliche Jahreshauptversammlung statt. Der Vorstand hatte eingeladen, diesmal fand die Versammlung in den Räumen des Dezernats 16 statt. Vor den satzungsgemäßen Wahlen wurde mit einem interessanten kleinen Vortrag noch einmal daran erinnert, was welche Aktivitäten 2016 stattgefunden haben. So gab es vier Mitgliederversammlungen, jeweils mit politischen Themen bestückt und weitere Themenabende, bei denen wir immer ein volles Haus hatten.

Die Kassenprüfer_innen konnten den Vorstand entlasten und danach wurde ein neuer Vorstand gewählt. Der alte Vorstand, dessen Kandidat_innen wieder zur Wahl antraten, Gerd Guntermann, Ernest Kellner und Martina Weihrauch wurden in ihrem Amt bestätigt und Klaus Flock wurde als viertes Vorstandsmitglied neu gewählt.

Anschließend gab es noch Raum für die Mitglieder, die vollzählig anwesenden Fraktionä_innen zu aktuellen politischen Themen zu befragen.


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Jahreshauptversammlung der Grün-Alternativen Liste Heidelberg (GAL) am 30.11. 2016.

Beginn um 20 Uhr im Dezernat 16 .

 

  1. Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit durch Martina Weihrauch

 

  1. Zum Protokollführer Ernest Kellner gewählt, zum Versammlungsleiter Jörg Schmidt-Rohr.

 

  1. Zwei Vertreter von Amnesty International stellen ihre Arbeit in Heidelberg vor.

 

  1. Jahresrückblick 2016 Martina Weihrauch stellt die Aktivitäten vor und berichtete ausführlich über die Veranstaltungen seit der letzten Mitgliederversammlung.

 

  1. Kassenbericht 2015

Der Kassierer Ernest Kellner erläuterte den Kassenbericht für 2015 und die mittelfristige Finanzplanung an Hand einer Tischvorlage.

Kassenprüfbericht:

Gabriele Faust-Exarchos als Kassenprüferin erklärt, dass sie und Christoph Nestor als zweiter Kassenprüfer die Kasse geprüft und keine Beanstandungen festgestellt haben. Alle Unterlagen und Belege lagen vollständig vor.

Sie beantragt die Entlastung des Vorstandes.

 

  1. Aussprache und Entlastung des Vorstands

Es gab noch einige Rückfragen zur Arbeit des Vorstandes und viel Lob für die engagierte Arbeit und die vielen Veranstaltungen. Der Vorstand wurde anschließend einstimmig entlastet.

 

  1. Neuwahlen

Es wurde einstimmig beschlossen für die folgende Wahlperiode 4 Vorstände zu wählen.

Es kandidierten die 3 bisherigen Vorstände Martina Weihrauch, Gerd Guntermann und Ernest Kellner und erstmals Klaus Flock.

Anschließend wurden die 4 Vorstände in getrennten Wahlgängen gewählt.

Als Kassenprüfer wurden Gabriele Faust-Exarchos und Christoph Nestor gewählt.

 

Alle Gewählten nahmen die Wahl an.

Idomeni – ein Flüchtlingslager in Nordgriechenland

Ein Bericht an die Spender meines kleinen Crowdfundings

(Wir bitten um Beachtung der weiteren Spendenmöglichkeiten und der Petition zum Asylantragsverfahren auf dieser Seite.)

Liebe Spender, Interessierte und wen der Bericht sonst noch erreicht

Vorab.
Er ist ziemlich lang geworden, aber er wurde beim Schreiben immer länger und weglassen schien mir schwierig. Es hat auch ein bisschen gedauert, aber die letzten 2 Wochen hat mich meine Arbeit „gefressen“.
Bitte beachtet auch, dass wir in der ziemlich ruhigen Woche nach Ostern dort waren, die Entwicklungen davor und danach kenne ich auch nur aus Erzählungen von Dritten, das Bericht ist also auch eine Momentaufnahme.

Ursprünglich geplant war, nachdem meine beiden 14 Jahre alten Söhne beschlossen hatten, ( ich war nur der Organisator) die Osterferien mit praktischer Mithilfe in Idomeni zu verbringen, einfach über ein privates Crowdfunding ein bisschen Geld zur Unterstützung von Aktivitäten vor Ort zu haben. Wofür ich ungefähr 100 Menschen aus meinem sozialen und beruflichen Umfeld eine knappe Woche vor der Reise anschrieb.
Und es kamen dann innerhalb der knapp 2 Wochen über 20.000 € zusammen. Das hat mich ziemlich umgehauen, da ich natürlich mit viel weniger gerechnet hatte.
Vielen Dank im Namen derjenigen, die mit dem Geld was zu essen bekommen haben- Nahrungsmittel waren der größte Anteil. Ein Stück bin ich auch stolz, dass ich so viele engagierte Menschen und auch Institutionen kenne und auch wie das über verschlungene Pfade weitergegeben wurde und so viel Resonanz fand. Das ist richtig gut. Entschuldigt auch, wenn ich auf viele persönliche Mails nicht reagiert habe, aber das war echt einfach zuviel.

Bezüglich des Erlebten und einer wirklichen Einschätzung bin ich immer noch am sortieren, daher will ich einfach versuchen die Fakten und das Erlebte chronologisch darzustellen.

Am Ostersamstag sind wir 3 morgens nach Skopje geflogen. Da wir uns so kurzfristig entschieden hatten und Ostern auch Hauptreisezeit ist, gab es keine sinnvollen freien Busplätze mehr und das fliegen war auch nur unwesentlich teurer. Und es sind statt 26 Stunden nur 3. In Skopje/Mazedonien haben wir am Flughafen ein Auto gemietet und sind dann nach einem kurzen Abstecher in die Stadt in Richtung griechischer Grenze gefahren.

Ein Wort zu Skopje und Mazedonien, aus dem ja viele der sogenannten „Balkanflüchtlinge“ kamen. Ich war noch nie in Mazedonien und es ist gefühlt weit von Mitteleuropa weg. Eine auffällige extreme Armut, bettelnde Kinder an den Ampeln, zerfallende Bauten und daneben ein absurd wirkender Hochglanz, es wundert nach dem ersten Anschein nicht, dass Menschen aus solchen schwierigen Verhältnissen ein besseres Leben suchen, oft und gerade für ihre Kinder.

Die Einreise nach Griechenland war unproblematisch und direkt nach der Grenze und ca 5 km neben dem offiziellen Autobahnübergang auf dem Gelände des Grenzbahnhofes liegt das inzwischen „berühmte „ Flüchtlingslager neben dem kleinen 200 Einwohner Dorf Idomeni. Wir machten einen ganz kurzer Abstecher Richtung Lager, eine winzige Landstraße ins Nirgendwo. Auf einmal viele Menschen auf der Straße, eine große Fläche voller kleiner Backpacker Zelte, umgeben von viel Müll und staubigen Äckern, 2-3 Polizeiautos und dann in der Ferne die riesigen Zelte und den Stacheldraht der Grenze.
Für mein europäisches Auge und aus der Ferne sieht es aus wie ein großes Festivalgelände oder ein Friedenscamp vor 30 Jahren oder etwas ähnliches. Das Elend und die über dem Lager liegende Unruhe und Verzweiflung sieht man vom Rande aus erst mal nicht.

Wir fahren, da es schon später Nachmittag ist weiter ins 15 km entfernte Polikastro, den nächsten größeren Marktflecken und dort zum Parkhotel. Das Hotel ist, das hatte ich vorher im Internet und vor allem auf facebook gelesen, ist da eine wichtige Infoquelle, ist die Logistik und Organisationszentrale der volunteers, quasi ihr „Wohnzimmer“. Gewohnt wird in leerstehenden Häusern in der Umgebung, kleinen Hotels und Pensionen in der Nähe oder in angemieteten Häusern und Appartements. In diesem Sinne und auch ansonsten ist das Lager für diese ansonsten wirtschaftlich „tote„ Ecke Griechenlands ein echtes Konjunkturprogramm.
Wir schlagen unser Zelt im Garten des Hotels auf.

Eine kurze Darstellung der „volunteerstrukturen“:
Neben den gut organisierten NGOs wie MSF (Medicines sans frontieres); Save the children oder auch dem UNHCR gibt es viele kleine Gruppen und Organisationen aus ganz Europa, die vor Ort arbeiten. Daneben gibt es einen fließenden Übergang zu nicht irgendwo angebunden volunteers, auch einzelne oder kleine Gruppen die einfach wie wir nach Idomeni kommen, um irgendwie zu helfen.
Es sind pro Tag ca 2-300 Menschen in und um das Lager aktiv in der Versorgung, der Hilfe und der Schaffung von Hilfestrukturen. Es sind sehr unterschiedliche Menschen allen Alters, aus allen Ländern und den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Gutsituierte deutsche Rentner, spanische Studenten, italienische Aktivisten, Amerikaner, Norweger und Palästinenser. Auch Menschen, welche seit Monaten unterwegs sind oder die Hilfe zur „Berufung“ gemacht haben, in Lesbos, im Dschungel bei Calais oder sonst wo schon aktiv waren. Oder zeitweise ausgestiegen sind und Geld sammeln, immer wieder vor Ort sind oder irgendwo in Europa Flüchtlingsinitiativen gegründet haben. Viele nette und spannende Menschen, mit denen man schnell eine Ebene findet, alle getragen von dem gemeinsamen Willen – wir machen was und wir sind die Guten. Manche sind nur ein paar Tage da, andere Monate.
Gesprochen wird englisch und es kann passieren dass man mit 3 deutsch sprechenden Menschen zusammensteht und immer noch englisch spricht… Hannes meinte er hätte in der Woche wirklich viel Englisch gelernt.
Das Ganze bedingt einen laufenden, extrem dynamischen und durch eine laufende Kommunikation geprägten hochkomplexen Organisationsprozeß.
So gibt es feste Projekte und Projektgruppen, Einführungsabende für die neuen, eine Organisationsbüro im Park Hotel, eine Whats APP Chat Plattform mit ca laufend 200 Mitgliedern, wobei aber täglich 20 dazu kommen und 20 ausscheiden.
Beispielsweise gibt es eine „warehouse“ in dem täglich Unmenge Klamotten sortiert werden, die dann wieder an Gruppen gegeben werden, welche sie im Lager ausgeben, eine „tent group“ die nachts ankommende Flüchtlinge sofort mit Campingzelten versorgt und verschiedene Teezelte, Kinderspielzelte und eben auch Gruppen die die Essenversorgung sicherstellen. Auch die Essensgruppen selbst sind wieder gut vernetzt und organisieren z.B. einen gemeinsamen Einkauf.
Der griechische Staat ist bis auf ein paar Polizisten, welche den Grenzübergang sichern und den Verkehr kontrollieren nicht präsent und versorgt auch die ca 10.000 Flüchtlinge (ich glaube eine genaue Zahl weiß keiner) überhaupt nicht.
Zwei Sätze zu den in der Presse immer wieder vorgetragenen Behauptungen, linke Aktivisten unter den volunteers würden die Flüchtlinge zu „Grenzstürmungen“ anstacheln. Das ist im wesentlichen eine falsche Behauptung. Ich habe eine lange Debatte mit Delegierten der Gruppen und Einzelnen im Park Hotel mitbekommen, die sich daraus entspann, dass Flüchtlinge – es gibt einen harten Kern von vielleicht 3-400 – meist jungen Männern – Menschen, die versuchen über öffentlichwirksame Aktionen eine Grenzöffnung zu erzwingen – Unterstützung bei geplanten Aktionen anfragten.
Obwohl die volunteers alle sehr politische Menschen sind und grundsätzlich die Flüchtlinge in ihren Anliegen unterstützen war es ein breiter Konsens, dass man den Flüchtlingen bezüglich Grenzöffnung keine falschen Hoffnungen machen darf, dass man auch Aktivitäten nur als Schutz gegen Polizei etc begleitet und dass es keinen Sinn macht Aktionen selbst zu initiieren. Das war auch eine Lehre aus dem Mitte März stattgefundenen Marsch um die Grenzanlage herum mit der „berühmten“ Flußüberquerung, die durch alle Medien ging. ( Die immer wieder zitierten ertrunkenen Flüchtlinge waren gar nicht bei dem Marsch dabei sondern hatten es in der Nacht auf eigene Faust probiert) .Aber es treffen auch Wut und Hoffnungslosigkeit der jungen Männer auf gleichaltrige politisch aktive Helfer und Unterstützer aus , man würde sagen „autonomen Zusammenhängen“. Aber unter den Vounteers sind das eher wenige.
Die Gruppe der Aktivisten unter den Flüchtlingen macht laufend Aktionen, Straßenblockaden, Angriffe auf den Grenzzaun, Hungerstreiks, Blockade der Essensversorgung um das ganze Lager in „Geiselhaft“ zu nehmen. Die große mediale Aufmerksamkeit trägt natürlich ihren Teil dazu bei, denn man ist sich immer sicher, dass die Aktivitäten durch die Weltpresse gehen und es vielleicht dadurch einen Erfolg gibt. Tatsächlich bringt das aber laufend Unruhe und betrifft bei der Größe des Lagers auch immer nur einzelne Stellen.

Zurück zur humanitären Hilfe:
Es gibt 4-5größere Essensversorgungsstrukturen, UNHCR, eine arabisch/britisch finanzierte Stiftung und die „reinen“ volunteer Strukturen. (Aid Delivery Mission, Hummus Rights Projekt, Hot kitchen, Banana group- die ersten zwei findet man auf facebook mit einer ausführlicheren Darstellung).
Wir 3 haben uns dann vor allem (nur 1 Woche da, keine größerer Gruppenanschluss im Vorfeld) beim Hummus Rights Projekt eingeklinkt. Das hieß täglich von 16 bis 21 Uhr an der Herstellung von 3000 Wraps mitwirken und Tüten packen und dann am morgen von 10-12 diese dann an ca 2.000 Menschen verteilen.
Ein Wrap besteht aus 2 Teigfladen, Öl, Hummus (Kichererbsenbrei) und Gurken und Kartoffelstücken. In einer angemietete Bar mitten in Polikastro produzierten täglich ca 15 bis 20 Menschen in Fließbandarbeit diese mehreren tausend Wraps. Ein Wrap, ein hartgekochtes Ei, ein kleines Wasser und ein Apfel und eine Orange waren der Inhalt einer Tüte, die es pro Person gab.
Die Verteilung war eine komplexe Prozedur. Zwei lange Schlangen- Männer und Frauen getrennt, ein Ausgabetisch und viele viele Helfer, Flüchtlinge und volunteers, welche die Schlangen organisierten. Gerade weil mindestens 5-800 Menschen laufend in jeder Schlange standen , versuchen sich viele vorzudrängeln, schicken die kleinen Kinder vor, liehen sich Kinder die dazwischen reinschlüpften damit es mehrere Tüten gibt… und es hat nie für alle gereicht. Und so ganz gerecht bekam man es auch nicht hin und dann gab es manchmal auch Aggressionen und Geschrei unter den Flüchtlingen, Verbundenheit der Volksgruppen und Familien und ein Verdrängen anderer. Dann die Sprachbarrieren. Da war viel „Ordnungsdienst“ angesagt, obwohl man doch eigentlich nur eine Verteilung organisieren will. Aber die riesige Zahl, die z.T. deutlich psychisch angeschlagenen und oft erkennbar traumatisierten Menschen, die vielen Kinder mit Kriegs und Straßen und Überlebenskampferfahrung, das ist ein schwierige Mischung.
Überhaupt die Kinder – im Lager wimmelt es von Kindern und gefühlt sind 30 % der der Bewohner Kinder unter 10 Jahren. Die Hygienebedingungen sind schlecht, es gibt Wasserstellen und Dixietoiletten, aber keine Waschstellen. Entsprechend sehen die Kinder aus und es gab, vor allem wegen der vorangegangenen Regenperiode viele Atemwegserkrankungen. Ein Grund für die vielen Kinder im Lager ist auch, dass die Preise für die Schlauchbootpassage Türkei Griechenland (wegen Konkurrenz ?) im Spätherbst auf 500 € für Kinder gegenüber 4.000 €vorher stark gesunken sind.

Hannes und Joscha haben auch mehrfach bei Malaktivitäten mitgemacht, bei denen mit den Kindern gemalt wurde.
Zur medizinischen Versorgung kann ich nicht soviel sagen, da ich dort nicht aktiv war, aber ich habe mitbekommen, dass viel medizinisches Personal im Lager unterwegs war. Die aber wirklich gut zu tun hatten, auch wenn die große NGO MSF einiges abdeckt.
Das Lager selbst – es lässt sich schwer in Worte fassen und emotional sowieso kaum „begreifen“.
Viele, viele Menschen, aber das kenne ich von anderen großen Lagern, der Geruch von Feuern, hier vielfach gemischt mit dem Gestank verbrennenden Plastiks. (Auch wenn es inzwischen Holz gab, jeden Tag kamen 1-2 LKWs mit 14 Tonnen Holz ins Lager) . Dann alle denkbaren Zelte und Wohnformen, Sehr große Hauszelte der großen NGOs, kleinere von UNHCR und 1000ende kleiner Campingzelte, sehr viele der kleinen Schnellaufbauzelte von Quechua. Da hat wohl mal jemand günstig ein paat tausend gekauft oder gespendet bekommen. Aber auch in den alten Bahhofsgebäuden oder abgestellten Güterwaggons hausen tausende. Das Wetter war in der Woche meist gut, kein Regen, dafür der Beginn der heißen Zeit ohne Schatten und auf staubigen Äckern. Das kann noch schwierig werden. Aber es gibt überall Dixies, die auch laufend gereinigt werden, Wasserstellen mit Trinkwasser, Müllsammer und eine Müllabfuhr – wo ist das Elend ?
Wenn überall die Kochfeuer qualmen sieht man nicht auf den ersten Blick, dass Essen knapp ist und manche hungrig. Man sieht nicht gleich dass es keine Waschmöglichkeiten und nur Ansätze von Hygiene gib und kaum oder gar keine Privatsphäre. Es ist eben kein selbst gewählter idyllischer Campingurlaub.
Auch wenn man das denken könnte, wenn man dem Familienpicknick mit Sonneschirm nach der Wrap Verteilung zuschaut oder den Fußballspielenden Kindern. Aber über dem Lager liegt eine merkwürdige Atmosphäre der Unruhe, der Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, der aggressiven Aktivitäten und des depressiven Herumhängens.
Bei jedem kurzen innehalten neben den Späßen mit den Kindern oder den Gesprächen mit Flüchtlingen oder volunteers spürt man diese eigene Atmosphäre, die einem schnell wieder die verzweifelte Lage der Menschen vor Augen führt. Und es gibt auch die verschiedenen Ecken des Lagers, die Ecke mit sozialen Einrichtungen wie dem Info-Tent, dem Kinderspielzelt, dem Fußballplatz, einem großen Mutter Kind Zelt oder den Teeausgabestellen. Und näher beim früheren Tor sitzen die Aktivisten mit Transparenten, die durchs Lager führende Bahnlinie blockierend und zum Teil im Hungerstreik.

Und dann die vielen Volunteers, Besucher, NGO Mitarbeiter, und natürlich die Presse. Alle möglichen Fotografen und Kamerateams – ständig wird man um Interviews nachgefragt. Hannes war nach seinem ersten Kamerainterview ziemlich genervt….Öffentlichkeit ist für das Anliegen der Flüchtlinge sicher gut, aber manchmal ist es auch zuviel.
Dazu die paradoxen Ungleichheiten – bei schönem Wetter kommt ein fahrender griechischer Eismann, ein Gruppe/Institution baut für die Kinder – allerdings nur an einem Tag,- Hüpfburgen auf. Nachts gibt’s an ein paar Stellen Musik und „Fete“, wie die Jungs meinten. Daneben die Schlangen für die Kleider oder Essensverteilung, deprimierte Gesichter, man spürt die Verzweiflung.
Aber entgegen aller Horrorgeschichten habe ich mich nie unsicher gefühlt, auch Hannes und Joscha waren zeitweise ohne mich mit anderen volunteers im Lager unterwegs.
Die Infrastruktur des Lagers verbessert sich laufend und in der Woche, in der ich da war, war das schon sichtbar. Wege und Flächen wurden geschottert, Wasserstellen verbessert, der Müll wurde deutlich weniger. Auch fangen immer mehr Familien an, selbstständig zu kochen, nachdem es Holz gibt und Kochgeschirre und Essen aufgetrieben wurden. Auch tauchen die ersten Zigarettenverkäufer und Straßenstände auf, in der Woche mit stark zunehmender Tendenz.

Gleichzeitig nimmt die Bewohnerzahl wohl tendenziell ab, die Lücken zwischen den Zelten werden größer. Viele Geflüchtete verlassen das Lager. Und es bleibt eigentlich nur in ein Militärlager der Griechen umzuziehen und den Asylantrag vor Ort zu stellen. Zwar gibt es immer wieder die Gerüchte, die Grenze ginge auf, aber das glauben nur de allergrößten Optimisten. Eine Asylantrag in Griechenland ist aber einfach schwierig. Man soll sich über Skype anmelden können, aber das funktioniert wohl überhaupt nicht. Wenn selbst deutsche Behörden wie das BAMF es nicht schaffen und abgestürzt sind, dann ist natürlich das griechische Asylsystem erst recht völlig überlastet.
Die griechischen Militärlager sind wohl sehr unterschiedlich, manche eher gute Lager mit festen Häusern, andere elende Zeltstädte mit sehr schlechter Versorgung und die Menschen fühlen sich und sind auch fast wie eingesperrt. Zudem dürfen volunteers nicht rein.
Aber das Hauptproblem ist die Perspektivlosigkeit, da die meisten ja nicht in Griechenland bleiben wollten und es sehr unklar ist, wie es mit den Asylverfahren werden wird.
Griechenland ist strukturell und finanziell überfordert. Idomeni ist auch wohl deswegen nicht geräumt weil es immer noch viel zu wenig Plätze in staatl. Unterbringungen gibt. Von daher halten sich die Griechen mit fast allem sehr zurück und nicht umsonst hatte der Europäische Gerichtshof festgestellt, dass das griechische Asylsystem systemische Mängel hat und Deutschland hatte deswegen die Dublin Abschiebungen gegenüber Griechenland ausgesetzt.
Aber es gibt nichts anderes, außer man hat viel Geld und kann andere Schlepperrouten auftun.

Im Lager gibt es ein „Info-tent“ in welchem die Flüchtlinge, die natürlich stark verunsichert sind, rechtlich informiert werden. Da ich mich ja im Asylrecht bisschen auskenne, hatte ich dort auch mitgeholfen und eine Zusammenfassung für die Familienzusammenführung nach Deutschland geschrieben und den Beratern gegeben.

Und was habe ich mit dem vielen Geld gemacht ?
Erst mal war ich überrascht und überfordert, denn ich hatte gar nicht genug EC Karten und Kreditkartenkapazitäten um das alles in Polikastro abzuheben. Da waren diverse Abhebelimits im Weg.
Unterstützt habe ich im wesentlichen die Lebensmitteleinkäufe. Zum einen das Banans-projekt die täglich Bananen an Kinder und Mütter verteilten. Zum anderen „unser“ Hummus Projekt, für das ich einige Tage die Lebensmittel finanzieren konnte. Dann noch kleinere Beträge an die Kinderprojekte und auch an das Rechtsberatungszelt oder für das zentrale Orgabüro. (Die meisten wollen bei ihren Spenden ja das leuchten in den Kinderaugen sehen und übersehen die wichtigen Strukturdinge). Es war dann am Ende noch Geld übrig, dass ich jetzt an das Hummusprojekt, mit dem ich weiter in Kontakt stehe, fließen lasse.
Ich hoffe, dass ich so im Sinne aller Gebenden gehandelt habe.

Ein Fazit der Reise –
Es waren gute Osterferien und sinnvolle und allen Unkenrufen zum Trotz braucht man weder besonders viel Mut noch ist es was ganz Tolles. Es war ganz einfach hinzufahren und sich mit einem sinnvollen Tun einzuklinken in vorhandene Strukturen. Und es ist auch ein bisschen beruhigend, dass so viele Menschen gibt, die was tun und dafür Zeit und Geld investieren. Zivilgesellschaft funktioniert punktuell doch, wenn Staaten versagen.
Die Situation im Lager ist sozial und gesundheitlich nicht einfach und ohne die Essensprojekte müssten auch sicher Menschen hungern. Die Flüchtenden sind erst mal aus Situationen, in denen Ihnen Bomben auf die Köpfe fallen und sie ständig um ihr Leben fürchten müssen, raus. Aber das ist auch alles.
Das Bedrückendste ist die Ungewissheit, die völlig unklare Perspektive, das monatelange „Warten“ – auf was eigentlich – im Niemandsland des griechischen Nordens vor einem Zaun. Dazu kommt dass Familienmitglieder vielleicht schon in Mitteleuropa sind – da kommt man nicht hin – und andere noch in der Türkei oder in einem Bürgerkriegsland – die bekommt man nicht raus.
Und die politische Geiselhaft in der die Menschen sitzen, denn die EU muss ja beweisen, dass die Balkanroute dicht ist. Und da nützt auch die ganze Berichterstattung und die dramatischen Bilder in den Medien wenig. Es ist immer auch ein kleines bisschen Solidarität, einfach da zu sein, was kleines Praktisches zu helfen. Das ist ein Wert.
Und natürlich hat mich auch der große Erfolg meines kleinen crowdfundings überrascht und wirklich gefreut. Sicher auch ein gutes Zeichen von Solidarität in diesen Zeiten.

Und die eigentlich kleine private Reise hat jetzt doch so ihre Nachwehen. Am 26.4 hat die GAL mich zu einer Veranstaltung mit Bericht (20 Uhr, Heidelberg Ort noch unklar) eingeladen. Der Freundeskreis Asyl will was in Karlsruhe machen und nächsten Dienstag bin ich im Morgenfernsehen des ZDF (Volle Kanne) zu Gast.
Anbei noch zwei Bilder , mehr würde den Rahmen einer Mail sprengen.

Lieben Gruß

Jörg Schmidt-Rohr
Hannes und Joscha Morgenthaler

Freiburgerstraße 68, 69239 Mannheim, Tel 0173 3008579, jschmidtrohr@gmail.com

Wechsel von Stadtrat Michael Pfeiffer zur GAL

Wir begrüßen Michael Pfeiffer ganz herzlich bei der GAL.

Wir haben ihn in unserer Fraktionsgemeinschaft jetzt seit eineinhalb Jahren begleitet. Er hat sich vom ersten Tag seiner Gemeinderatszeit engagiert für seine Themen, aber deutlich auch für die Themen der gen.hd eingesetzt. Leicht hatte er es dabei nicht: der persönliche shit-storm nach der Wahl, der Übertritt seines vermeintlichen Kollegen Butt zur CDU, wenig bis keine Unterstützung aus den eigenen Reihen. Wir haben sein Engagement, sein Bemühen und sein Durchhaltevermögen mit großer Achtung zur Kenntnis genommen.

Dass er die persönliche Anstrengung jetzt satt hat und sich dahin orientiert, wo er in der zurückliegenden Zeit politisch und persönlich Unterstützung erhielt, ist mehr als verständlich.
Schade, dass die gen.hd sich jetzt als Lifesstyle-Gruppierung überlebt hat. Wir haben Derek Cofie-Nunoo bei vielen Themen als kompetenten und interessanten Partner geschätzt. Es ist ihm aber nicht gelungen, seiner Richtung eine dauerhafte Struktur zu geben.

Wir freuen uns jetzt einfach! Mit Michael Pfeiffer haben wir jemanden dazu gewonnen, der sein Credo ‚Politik von Bürgern für Bürger‘ gemeinsam mit uns aufs Beste umsetzen kann.

Wer jetzt orakelt, Michael Pfeiffer habe sich ’schlucken lassen‘ wird weder der Person noch der Persönlichkeit gerecht.

P.S.: Der zugehörige Artikel in der RNZ vom 9./10. Januar 2016 findet sich in der angehängten pdf-Datei.

Neujahrsempfang der GAL: Dank an Pfarrer Axel Klaus und Bericht der RNZ

Wir bedanken uns bei Pfarrer Axel Klaus von der Hoffnungskirche (Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Heidelberg (Baptisten), Spendenkonto s. unten) für seinen anschaulichen und bewegenden Bericht über seine Arbeit für Flüchtlinge bei unserem diesjährigen Neujahrsempfang. Dazu ist im Bericht der RNZ mehr zu lesen. Hans-Martin Mumm begrüßte Pfarrer Klaus und führte in den Vortrag ein:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Galier/innen,
zunächst will ich die Gäste aus dem Gemeinderat herzlich begrüßen: Wasem Butt (CDU), Christoph Rothfuß (Grüne), Dr. Monika Meißner (SPD), Wassili Lepanto (HD pflegen und erhalten), Michael Pfeiffer (gen.hd) und Judith Marggraf (GAL). Ebenso willkommen heißen will ich die weiteren Verantwortungsträger der Stadt: Peter Bresinski (GGH), Prof. Michael Braum (IBA) und Michael Allimadi (AMR).
Vor einem Jahr haben wir uns in diesem Saal auf die homöopathische Dosis besonnen, in der die GAL aus der Kommunalwahl hervorgegangen ist. Der Akzent lag dabei auf „Dosis“, denn im abgelaufenen Jahr haben wir sehr wohl allopathisch (= nach den klassischen Regeln der Heilkunst) gearbeitet, uns bemerkbar gemacht und Anträge gestellt; die Mitglieder wurden informiert, und die Presse hat berichtet. Davon wird im Einzelnen auf der nächsten Mitgliederversammlung die Rede sein.

Heute geht es darum, dass das Jahr 2015 vor allem als ein Jahr eines starken gesellschaftlichen und kulturellen Wandels in Erinnerung bleiben wird. Ich meine die Hunderttausende Menschen, die bei uns Asyl oder jedenfalls eine neue Heimat suchen. Diese Entwicklung ist nicht neu. Unsere Gesellschaft wird seit Jahrzehnten internationaler und bunter. 2015 wurde aber offensichtlich, dass der beklagte demografische Wandel sich umkehrt: Die Bevölkerung vermehrt sich und wird jünger.

Manche reagieren darauf mit Panik: Obergrenzen, Zäune, Transitzonen sind die Schlagworte, die uns immer noch in den Ohren klingen. Die Geschichte lehrt aber, dass derartige Prozesse nicht aufzuhalten sind. Die Römer sind mit ihrem Limes gescheitert. Die USA haben einen Grenzzaun gegen Mexiko errichtet, und trotzdem schreitet dort die Hispanisierung voran. Als ich 1970/71 in den USA war, druckten nur ein paar Sektierer ihre Flugblätter zweisprachig. Heute werben sogar die Republikaner um die Stimmen der spanischsprachigen Einwanderer.
Immanuel Kant hat vor mehr als 200 Jahren die allgemeine Hospitalität zu den unverzichtbaren Menschenrechten erklärt. Dahinter dürfen wir nicht zurückfallen. Gerade weil wir wissen, dass Konflikte nicht ausbleiben, sehen wir unsere Aufgabe darin, diesen gesellschaftlichen Wandel human zu gestalten.

In Heidelberg sind derzeit rund 600 Flüchtlinge beheimatet, für die die Kommune zuständig ist. Wir bereiten uns derzeit darauf vor, dass es bedeutend mehr werden. Dazu kommt Patrick-Henry-Village mit 5000 Menschen, die dort registriert werden und ihren Asyl-Antrag stellen. Zuständig ist das Land, die Kommune ist aber vielfach betroffen und indirekt für deren Wohlergehen zuständig.
Ganz herzlich begrüße ich Axel Klaus, Pfarrer an der Hoffnungskirche in der Südstadt und bitte um Ihren Applaus. Sie, Herr Pfarrer Klaus, waren von Anfang an dabei, kennen die Verantwortlichen und haben ein Netzwerk von Freiwilligen aufgebaut. Sie werden uns heute von Ihren Erfahrungen berichten: Wie geht es den Menschen, die dort untergebracht sind – wie werden sie von unserer Seite aus aufgenommen und betreut – was kann ehrenamtliches Engagement bewirken und wie kann es organisiert werden. Wir sind gespannt auf Ihren Beitrag.

Die Hoffnungskirche Heidelberg hat ein Spendenkonto eingerichtet, und wir möchten Sie und Euch bitten, die Arbeit von Pfarrer Klaus und seiner Gemeinde für Flüchtlinge zu unterstützen. Die Spende sollte den Vermerk „Verwendungszweck: PHV – Hilfe“ enthalten.
Spar- und Kreditbank Bad Homburg
IBAN DE96 5009 2100 0000 1363 01
BIC: GENODE51BH2

Über unseren Neujahrsempfang berichtete die RNZ in ihrer Ausgabe vom 7. Januar, der in der pdf-Datei nachzulesen ist.