Bänke am Marktplatz, Stadtblattartikel von Wassili Lepanto am 25.1. 2015

Es ist nicht so lange her, dass die Alliierten Bomben über deutschen Städten abwarfen. Die Soldaten, heimgekehrt, erkannten ihre Städte nicht mehr. Im Eilverfahren entstanden Wohnblocks in Rasteranordnung, in den 70/80er Jahren wurden riesige Zementbauten hochgezogen, Verkehrsachsen zerschnitten Stadt und Land.

Auch in Heidelberg – kriegsverschont – wurde historisches Gut unwiederbringlich zerstört.

Mit größter Mühe wurde noch vorgestern eine zweite Stadthalle – ein fürchterlicher Großkomplex – verhindert. Unglücklicher erging es dem klassizistischen Stadttheater von 1853, dessen Erweiterung mit ihrem hohen riesigen Flachdach einen massiven Fremdkörper in der kleingliedrigen Dächerlandschaft darstellt.

In diesem Zusammenhang muss man die neue Möblierung unserer Altstadt sehen, v.a. die 64 klotzigen Bänke. Gerade der Herkulesbrunnen am barocken Marktplatz schreit nach Befreiung von diesen Gebilden, die den guten Geschmack beleidigen und den Ruf unserer Stadt schädigen. An diesen Ort gehört kein festes Mobiliar!

Viele Bürger fordern ihre Entfernung! Für die Sitzbedürftigen bleiben doch an beiden Rathauseingängen noch 4 Bänke.

NOGIDA…, Stadtblattartikel von Michael Pfeiffer am 19.1. 2015

bedeutet: Notleidende Offenherzig in die Gemeinschaft In Deutschland Aufnehmen. Über den Namen der Initiative kann man geteilter Meinung sein aber nicht über die Aussage, für die er steht.

Notleidende: all die Menschen, die durch Bürgerkriege und Terror aus ihrer Heimat flüchten mussten, Familie, Freunde und Eigentum verloren haben.

Offenherzig: ja, ohne Vorbehalte diesen teilweise traumatisierten Menschen mit Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Respekt und Freundlichkeit begegnen

Gemeinschaft in Deutschland: eine Gemeinschaft, ohne Ansehen auf Hautfarbe, Herkunft, Religion und sozialem Status, in der wir alle, die in diesem Land wohnen, zeigen, dass wir uns nicht spalten lassen von kranken Gehirnen, die Europa terrorisieren und auseinanderbringen wollen.
Aufnehmen: Den Flüchtlingen eine menschenwürdige Unterkunft zu geben, sich um sie zu kümmern und ihnen bei der Integration zu helfen.

Wenn man aus dem menschenverachtenden Terroranschlag in Paris etwas positives abgewinnen möchte dann, dass er die Menschen in Europa und darüber hinaus näher zusammengebracht hat.

Ich besuche zur Zeit täglich Kindergärten und beobachte die Kinder, wie sie miteinander spielen und umgehen. Keine Hautfarbe, kein sozialer Status und keine religiöse Zugehörigkeit spielt bei ihnen eine Rolle und ich frage mich, warum sich in unserer Entwicklung diese Unbefangenheit ändert.

Nach dem Schock von Paris, Stadtblattartikel von Hans Martin Mumm am 14.1. 2015

… tut es gut, dass sich weltweit Millionen von Menschen öffentlich zu Freiheit, friedlichem Zusammenleben und den demokratischen Grundrechten bekennen. Nun beginnt der Streit darüber, mit welchen Maßnahmen dem Terror zu begegnen ist.

Zwei Maximen wollen beachtet sein: Absolute Sicherheit kann es nicht geben, und Zukunft hat nur eine Gesellschaft, die Zuwanderung und Vielfalt zulässt. Abwegig sind Forderungen an die hier lebenden Muslime, sie sollten sich distanzieren. Die einzige Perspektive ist ein offenes Miteinander und gelingende Gleichberechtigung.

Dem Pegida-Phänomen wird manchmal unterstellt, es beruhe auf offenen Fragen und echten Ängsten. Dabei sind es die Aufmärsche selbst, die Angst verbreiten, und ihre Teilnehmer sind gegen Antworten völlig aufklärungsresistent.

Auf der Straße müssen wir Pegida entgegentreten, ansonsten gilt auch hier: Die einzige Perspektive unserer Zuwanderungsgesellschaft ist ein offenes Miteinander und gelingende Gleichberechtigung.

Jahresrückblick, Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 24.12. 2014

2014 war ein transitorisches Jahr. Kommunal- und OB-Wahl haben Weichen gestellt. Einerseits für mehr Vielfalt, andererseits für Kontinuität.
Ein Widerspruch? Die Stadt wächst und gedeiht.

Die Bahnstadt ist eine Erfolgsgeschichte – mit aktuell 10 Mio Defizit für die Stadt. Die Konversion der amerikanischen Liegenschaften scheint auf einem guten Weg. Umsonst ist das aber auch nicht zu haben! Bürgerbeteiligung aller Orten, es werden Großprojekte durch unser ‚Weltdorf‘ getrieben, vom neuen Konferenzzentrum bis zur aktuellen Großsporthalle und auch die „Stadt am Fluss“ soll wiederbelebt werden…. Es geht uns gut in unserer prosperierenden Stadt.

Ich habe von meiner Mutter gelernt, dass man immer im Blick haben muss, was man sich leisten kann. Für mich, für uns, liegt die Priorität auf der Daseinsvorsorge: Straßensanierung, Kinderbetreuung, Schulsanierung, Mobilität, soziale Beschäftigungspolitik, preiswertes Wohnen …. hier spielt die Musik in unserer Stadt und hier entscheidet sich, ob wir ‚Wohlfühlstadt‘ bleiben.

Ich wünsche Ihnen allen auch im Namen meiner Fraktionskollegen Hans-Martin Mumm, GAL, Wassili Lepanto, HD pflegen&erhalten und Michael Pfeiffer, gen.hd friedliche Feiertage und einen guten Start in ein gemeinsames Neues Jahr

Schwarzer Donnerstag für die Altstadt, Stadtblattartikel von Wassili Lepanto am 24.12. 2014

„Eine ökologische Weiterentwicklung der Gesellschaft“ zeigt der Beschluss des Gemeinderats zur Sperrstundenregelung wahrlich nicht. Offensichtlich ist das Bewußtsein für das Wohl des Bürgers auf eine schiefe Ebene geraten.

Man verbaut die Zukunft unserer Stadtkultur und begräbt die Hoffnung der Bürgerschaft auf Besserung. Öffentliches Interesse und Gesamtwohl sind völlig aus dem Blick geraten. Der Verweis auf begleitende Maßnahmen wie zum Beispiel Aufstockung des Kommunalen Ordnungsdienstes sind reine Vertröstungen und dienen nur der Ablenkung.

Hier geht es um die Lebensqualität von 11.000 Heidelberger Bürgern, die nun nach dem Beschluss bis 5 Uhr in Bereitschaft sein müssen, Lärm, Dreck und Unruhe, jede Nacht von tausenden Besuchern verursacht, zu ertragen. Das ist unsozial und und inhuman, ja verordneter Schlafentzug.

Allemal traurig und enttäusschend, dass die Bürger mit ihrem lebenswichtigen Anliegen allein gelassen werden und nun versuchen müssen, ihr Recht bei den Gerichten durchzusetzen.

Sperrzeiten in der Altstadt, Stadtblattartikel von Michael Pfeiffer am 17.12. 2014

Es gibt sicherlich Wichtigeres in Heidelberg als dieses Thema, doch es hat eine Menge Zündstoff.

Ich persönlich bin gegen die Vorlage der Stadt, die Lokale in der Altstadt werktags um 1 Uhr und am Wochenende um 2Uhr zu schließen.
Genau so bin ich aber auch gegen die Landesregelung (werktags 3Uhr und am Wochenende bis 5 Uhr). Leider scheint dies für viele meiner Kolleginnen und Kollegen die richtige Lösung gegen Altstadtlärm zu sein. Ich hatte in den letzten Tagen mehrere Gespräche mit Altstädtern.
Sie haben mir bestätigt, dass, sollte die Landesregelung in Kraft gesetzt werden, dies ihnen vermittelt, dass man ihre Sorgen nicht ernst nimmt.
Ich kann nur hoffen, dass es dem Gemeinderat gelingen wird, zwischen diesen beiden extremen Vorschlägen noch einen Kompromiss zu finden, mit dem alle Beteiligten leben können.

Leider haben wir kleine Parteien nur sehr wenig Zeilen im Stadtblatt zur Verfügung, obwohl wir genau so viel zu sagen hätten.

Nun wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein besinnliches Weihnachtsfest und ein glückliches und friedliches Jahr 2015

Erinnerungen an einen Grenzgänger, Stadtblattartikel von Hans Martin Mumm am 10.12. 2014

Dietrich Bahls war auch als politischer Mensch von besonderer Art. In den 1980er Jahren kam er, der Freie Wähler, gerne auch auf GAL-Veranstaltungen, um zu streiten; demonstrativ behielt er dabei die Fahrradklammern an.

In dem scharf polarisierten OB-Wahlkampf von 1990 lud er nacheinander die vier Bewerber in sein Wohnzimmer vor die nachbarschaftliche Öffentlichkeit ein. Als Begleiter der grünen Kandidatin Brigitte Sellach kam ich so zum ersten Mal in sein Haus.

Dietrich Bahls war weder Theoretiker noch Stratege, und in viele Fragen konnten wir von Herzen uneins sein. Aber er verkörperte einen damals völlig unmodischen Typus, der sich zwischen die Blöcke stellte und nach Brücken suchte.

Heute sind die Lagergrenzen unscharf geworden. Eher besteht die Sorge, dass die drei großen Parteien im Gemeinderat die Richtungsvorgaben unter sich ausmachen. Unverzichtbar bleibt ein Querdenkertum, das seinen Sitz eher in den Wählergemeinschaften als in den Parteien hat.

Milchmädchenrechnung, Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 3.12. 2014

Das Dilemma um „Lärm, Dreck und Randale“ in der Altstadt wird sicher nicht dadurch gelöst, dass die Sperrzeit durchgängig verkürzt wird. Im Gegenteil: Es ist zu erwarten, dass gerade die Kneipen, die am umstrittensten sind, die Möglichkeit längerer Öffnungszeiten weidlich ausnutzen werden.

Die „gute Absicht“, freiwillig gestaffelte Schließzeiten würden zu einer besseren Verteilung und damit Senkung des Lärms beitragen, wird so nach hinten losgehen.

Auch wir halten nicht viel von Verboten, wir halten aber viel davon, berechtigte Interessen zu schützen und – wo notwendig – auch durchzusetzen. Dafür scheint uns die personelle Aufstockung des KOD zunächst ein sinnvoller Weg zu sein.

Viele Wirte waren in der Vergangenheit kooperativ und bei den anderen muss konsequent ’nachgearbeitet‘ werden. Im Interesse von Kneipengängern und Bewohnern!

Sperrzeit in der Altstadt, Stadtblattartikel von Wassili Lepanto am 26.11. 2014

In der Diskussion um die neue Sperrzeitverordnung für den Bereich Kernaltstadt muss nun eine konstruktive Lösung gefunden werden.

Ausgangspunkt ist: Heidelberg ist eine kleine historische Stadt. Die Altstadt ist ein Familienwohnort, an dem auch alte Menschen und Kinder leben. Lärm, Müll und Radau kennzeichnen hier das Leben in den letzten Jahren und macht es geradezu unerträglich. Belästigender Lärm vor allem nachts ist akustische Umweltverschmutzung. Die hiesigen Sperrzeiten für die Gastronomie und Vergnügungsangebote können nicht verglichen werden mit denen in München oder an anderen Orten.

Unser Vorschlag: Werktags sollen die Kneipen um 1 Uhr schließen, am Wochenende um 2 Uhr. Die Wirte verweisen auf die Berufsfreiheit, die 11.000 Einwohner auf den Grundsatz: Gesundheit geht vor wirtschaftlichen Interessen. Vergessen wir nicht: Heidelberg ist deutsche Erinnerungskultur! Es ist ein Dokument deutschen und europäischen Geisteslebens.

Hier eine nachhaltig positive Entwicklung einzuleiten, ist eine der dringlichsten Aufgaben der Stadtpolitik!

Flüchtlinge und Patton Barracks, Stadtblattartikel von Michael Pfeiffer am 19.11. 2014

Der Heidelberger Gemeinderat hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, dass bis zu 2000 Flüchtlinge die PHV über die kalte Jahreszeit als Winterquartier beziehen können. Die vielen positiven Rückmeldungen von Bürgern ob dieser Entscheidung haben mir wieder klar gemacht, warum ich so stolz auf meine Stadt bin und mich hier so wohl fühle. Weil Heidelberg weltoffen ist und sich im Gegensatz zu manch anderer Kommune nicht versteckt, wenn es darum geht, humanitäre Hilfe zu leisten.

Am 20.November findet um 18 Uhr im Bürgerzentrum Kirchheim das erste Forum zur Bürgerbeteiligung für die Patton Barracks statt. Wenn der Bürger nun in der RNZ lesen muss, dass dort seitens der Stadt schon ein Ausbildungshaus (2015) und ein neuer Technologiepark entstehen soll, dann frage ich mich, ob hier die Mitgestaltung durch die Bürger der umliegenden Stadtteile erwünscht ist.

Die Stadt sollte das Fell des Bären nicht schon verteilen, bevor er erlegt ist. Es wäre erfreulich, wenn ein Verantwortlicher des TP den Bürgern an diesem Abend seine Vorstellungen präsentieren würde.