Haushalt 2013/2014, Stadtblattartikel von Gabriele Faust-Exarchos am 3.12. 2012

Die Änderungswünsche zum Haushalt sind eingebracht, die hohe Neu-Verschuldung wird von allen Fraktionen kritisch gesehen. In Konsequenz müssen jetzt alle Ausgaben ernsthaft auf den Prüfstand.

„Sparen ist die richtige Mitte zwischen Geiz und Verschwendung“ sagte Theodor Heuss und beide Extreme finden sich im Entwurf. Nach wie vor fehlen eindeutige Prioritäten, die dabei helfen könnten, zwischen notwendigen und gewünschten Aufwendungen zu entscheiden.

Solange noch ein Kind ohne ein warmes Mittagessen lernen muss , ein alter Mensch in Armut lebt und junge Familien und Alleinerziehende existentiell an den Rand gedrückt werden, ist für mich die Priorität klar: kein Geiz im Sozialbereich.

Luxusprojekte können wir uns nicht leisten! Ich wünsche mir weitere interfraktionelle Gespräche mit einem guten Ergebnis.

Identitätsstiftend, Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 26.11. 2012

Identitätsstiftend werden für die nächsten Jahre weder die Bahnstadt noch die Konversionsflächen sein. Gleichwohl sind das natürlich die großen und reizvollen Herausforderungen für die Entwicklung unserer Stadt in die viel Kreativität, Geld und manpower fließen wird und soll.

Gut beraten sind wir, dabei die Pflege, den Erhalt und auch die Weiterentwicklung dessen nicht zu vernachlässigen, was Heidelberg heute ist.

Ausstehende Erhaltungssatzungen in den Stadtteilen, marode Straßen, fehlende Geräte auf Spielplätzen, Lücken im Radwegenetz – nicht so sehr die großen Projekte, eher die kleinen Dinge sorgen für Lebensqualität und den Wohlfühlfaktor auf den wir so stolz sind.

Hier für das notwendige Gleichgewicht zu sorgen wird uns die nächsten Jahre fordern.

Beratungen zu Kulturförderung, Stadtblattartikel von Wassili Lepanto am 19.11. 2012

Erfreulicherweise verlaufen die Beratungen zur Kulturförderung – trotz des allseitigen Drucks zur Ökonomisierung – in einem wohltuend konstruktiven Dialog. Stadträte aller Parteien zeigen sich durchaus aufgeschlossen gegenüber den vorliegenden Anträgen aus zahlreichen Kultur- und sozialen Einrichtungen, ja sie signalisieren die Bereitschaft für Zuschusserhöhungen.

Als Künstler weiß ich, wie schwierig es Anfang der 80er Jahre war, z.B. für die Heidelberger Künstlergruppe „79“ (Forum für Kunst), eine kleine Hilfe von der Stadt für einen Versammlungsraum zu erhalten.

Heute ist die Stadt in der Lage, vielen sozialen und kulturellen Adressen immer neue Verbesserungen zukommen zu lassen. Dass in den kommenden Haushalt ein beachtliches Volumen an Kulturförderung zur Abstimmung gebracht werden kann, ist nicht zuletzt auch der Stadtverwaltung und besonders OB Dr. Würzner zu danken.

Armut? Heidelberg? Stadtblattartikel von Gabriele Faust-Exarchos am 12.11. 2012

Ja, rund 12 000 Menschen leben hier unter dem Existenzminimum. Besonders Kinder und Jugendliche tragen ein hohes Armutsrisiko, 12 % unter 15 Jahren sind auf Sozialgeld angewiesen, ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist eingeschränkt.

Auch wenn immer betont wird, Heidelberg stehe so gut da, gibt es noch großen Handlungsbedarf. Als Kommune können wir z.B. für bezahlbaren Wohnraum in allen Stadtteilen sorgen und ein ÖPNV-Sozialticket für arme Menschen einführen, wie die GAL schon lange fordert.

Reden wir uns mit „Wissen schafft Stadt“ die Stadt schön, anstatt sofort mit dem vorhandenen Wissen konkrete Maßnahmen für Benachteiligte umzusetzen? Die sozialen Projekte leisten konkret eine wichtige Arbeit, teils im Ehrenamt, deshalb sollten wir ihre maßvollen Förderanträge im Haushalt entsprechend unterstützen.

Marienhof, Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 5.11. 2012

Schade, dass wir den Marienhof nicht als Vorrangfläche für Industrie und Gewerbe aus dem Regionalplan nehmen konnten. Schade, dass 70ha bester Boden und beregnungsfähige Fläche wieder nur auf Zeit zur landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung stehen und die Betriebe nicht wissen, ob sie den jungen Leuten die Nachfolge empfehlen können. Schade, dass wieder eine Entscheidung für Flächenverbrauch und Zersiedelung getroffen wurde. Schade, dass die Zukunft unserer landwirtschaftlichen Betriebe uns keinen Gedanken wert ist!

Ich halte die Entscheidung der Gemeinderatsmehrheit gegen den Marienhof für wenig klug und für gar nicht nachhaltig.

Wenn hier kein Umdenken eintritt, können wir unsere Landwirte bald unter Biotopschutz stellen – und dann werden wir merken, dass man Gewerbesteuer nicht essen kann.

Schlossgespräche, Stadtblattartikel von Wassili Lepanto am 24.10. 2012

Diese Veranstaltung ist im Grunde eine medienwirksame Plattform zur besseren Akzeptanz und Durchsetzbarkeit von zeitgenössisch-moderner Architektur in historischen Stadtkernen.

Vor allem wirbt das Plenum für jene „Moderne“, die immer noch auf das Provokative setzt und wie Protest gegen die gewachsene Ordnung der alten Städte wirkt. Ob seriell monoton, postmodern-beliebig oder elitär-modernistisch, diese ’neuen‘ Formen werden mit medialer Macht verkauft als bestens in das historische Bild passend.

Diese Offensive will neben den amtlich Bau-Zuständigen auch jene Heidelberger Bürgerschaft erreichen, der man eine „Ängstlichkeit“ gegenüber neuer Architektur vorwirft.

Der kulturbewusste Bürger von Heute will aber seine Stadt vor solchen Konfrontationen bewahren! Er will Vielfalt statt Uniformität, Dekoration statt Abstraktion,Wärme statt abweisender Container-Architektur!

Die Schere zwischen Arm und Reich…, Stadtblattartikel von Gabi Faust-Exarchos am 15.10. 2012

geht weiter auf: laut Armutsbericht verfügen 10 % der Deutschen über mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens. „Eigentum verpflichtet“, sagt das Grundgesetz (Art.14, 2)!

Spenden aus privatem Reichtum sind gut, längst überfällig ist aber eine gerechtere Verteilung und Besteuerung von Vermögen. Die vorrangige Aufgabe des Staates, soziale Belange und Teilhabe aller zu sichern, wird nicht erfüllt.

Das Armutsrisiko bleibt hoch, Rentenansprüche werden gekürzt und dadurch immer mehr Menschen ausgegrenzt. Schon jetzt sind 15 % der über 65-Jährigen im Land armutsgefährdet. Was können wir in Heidelberg konkret tun?

Einladung: “Armut im Alter“, Aktionswoche des Bündnisses gegen Armut (15.- 21.Okt.). Programm:

www.das-heidelberger-buendnis.de

Er hat es gut gemeint!, Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 8.10. 2012

Das östliche Mark Twain Village soll nicht im Paket an einen ‚Meistbietenden‘ gehen, sondern vorerst im Besitz der BImA bleiben und Studierenden und Familien preiswertes Wohnen ermöglichen.

Für die Südstadt ist dieses Areal ein Filetstück, müsste hier nicht mehr passieren als eine Drittel-Ghettoisierung? Vielfältige Nachbarschaften: Im Erdgeschoss barrierefrei, oben schicke Lofts und dazwischen großzügiger Wohnraum. Für den ersten konkreten Konversionsschritt wäre mutig und originell besser als schnell und einfach.

Und überhaupt: Wer sichert, finanziert und kontrolliert die angedachte Entwicklung? Und auf welchen Zeitraum?

Vorschläge sollen es sein, die beim Bürgerforum am 12.10. (Helmholtz Gymnasium, 19.30 Uhr) zur Debatte stehen, gehen wir hin und diskutieren!

„Neues Marketing“, Stadtblattartikel von Wassili Lepanto am 1.10. 2012

Die Tatsache ist, dass die historische Altstadt durch Fußgängerzone, Ausweitung der
Gastronomie auf die Straße und Vergnügungslokale in den Seitenstraßen so sehr „belebt“
wurde, dass sie zu einer einzigen Kauf-Event-Gastronomie-Meile verkam.

Das schmerzliche Resultat ist nicht nur der Verlust der Attraktivität, sondern die Tatsache,
dass die Bewohner jetzt Fremde sind im eigenen Haus. (in Venedig ist deshalb die Bevölkerung halbiert). Angesichts solcher Strategien lauert doch bei den Menschen auch Angst und Misstrauen gegen alle Aktivitäten eines Managers, ob dieser umsichtig genug ist, die maßvollen Entscheidungen zu treffen,
die für eine Stadt wie Heidelberg ‚eigen‘ sind.

Denn Heidelberg ist nicht wie jede andere deutsche Stadt. Heidelberg ist anders und einmalig!

Die Erwartungen an Mike de Vries sind groß.

Chance durch freiwerdende US- Flächen? , Stadtblattartikel von Gabi Faus-Exarchos am 24.9. 2012

Teilen der Öffentlichkeit erscheint das geplante Vorgehen nicht transparent genug. Sie fragen nach: Konversion? IBA? Stadtentwicklung? In Leserbriefen zeigen sich Skepsis, Zweifel und Kritik.

Aber es gibt auch Visionen und innovative Ideen, wie sie von vielen Beteiligten eingebracht und in den Leitlinien festgehalten wurden. Andere Städte machen es uns vor. Wir müssen Ziele und Prioritäten fixieren und den „roten Faden“ endlich aufnehmen. Auch die Effekte auf die Gesamtstadt, auf Verkehr, Wohnen und das Sozialgefüge sind dabei wichtig.

Alle vorliegenden Konzepte, u.a. zu Wohnen und alternativen Wohnformen, zu Freiflächen und öffentlichem Raum, sowie Stadtteil- Ideen, müssen gleichwertig und offen bearbeitet werden – entschieden wird später.