Gabi Faust-Exarchos „625 Jahre Universitätsstadt – semper apertus!“

Unter dem Motto „Wissen schafft Stadt“ wird gerade diskutiert, wie Heidelberg als europäische Universitätsstadt in Zukunft aussehen kann. Dabei geht es um Stadtidentität, Urbanität und Wissen, um öffentlichen Raum und Lebensqualität.

Die schon vorhandenen Standorte der Uni, der geplante Bahnstadt- Campus und die Potentiale der US-Flächen sollten sich stärker zur Stadtgesellschaft öffnen und räumlich sowie funktional mit ihr verbunden werden. Durch Nutzungsmischung und Entflechtung könnten sich neue Perspektiven für eine nachhaltige Stadtentwicklung ergeben. Wir meinen, dabei sollten soziale Aspekte eine zentrale Rolle spielen, denn auch im akademischen Heidelberg benötigen die Menschen bezahlbaren Wohnraum und Hilfe bei Armut, soziale Treffpunkte und vor allem gleiche Bildungschancen. Es wäre gut, die Ziele und Ideen der aktuellen Fach-Diskussion bald durch Information und Beteiligung der Bevölkerung, auch stadtteilbezogen, zu überprüfen. Das könnten erste Schritte zu einem Gesamtkonzept sein, wie wir es schon lange fordern.

Haben Sie sich heute schon beteiligt?

Keine Lust, keine Zeit? Ach so, Sie konnten sich nicht entscheiden, ob Sie zum Arbeitskreis Bürgerbeteiligung, zum Bürgerforum Konversion oder zum stadtöffentlichen Diskurs zu „Wissen schafft Stadt“ gehen sollten. Nein, auch nicht? Sie wussten nicht, was Sie da sollten? Na, sich einbringen, endlich mal sagen, wie Sie es gerne hätten! Was, Sie wissen gar nicht wie Sie die Entwicklung der amerikanischen Liegenschaften oder eine ‚Wissenschaftsstadt‘ gerne hätten? Das ist Ihnen zu beliebig, da fehlt die Fragestellung….. Ok – ich glaube, jetzt verstehe ich Sie!

Natürlich ist es klasse, wenn 200 HeidelbergerInnen die Gelegenheit wahrnehmen und sich über Aufgabe und Ausmaß des Konversionsvorhabens informieren und natürlich ist es sinnvoll und richtig, die Idee einer Internationalen Bau Ausstellung (IBA) als Perspektive und Leitbild für die Stadtentwicklung frühzeitig vorzustellen und zu diskutieren. Aber ist das Bürgerbeteiligung? Oder eher ein notwendiges und selbstverständliches Informationsangebot? Ist es Bürgerbeteiligung, wenn Sitzungen öffentlich stattfinden? Und kann man aus mangelnder Anwesenheit von BürgerInnen schließen, dass sie sich nicht beteiligen wollen?

Ich sitze als GAL Stadträtin im Entwicklungsbeirat. Als eine von zwei Frauen im AK „Wirtschaft und Wissenschaft“ hatte ich mich bei der letzten Sitzung sehr auf eine Diskussion über Nutzungsideen und konkurrierende Nutzungsanforderungen gefreut. Aber das war gar nicht vorgesehen! Wir sollten Kärtchen mit Ideen beschriften. Nicht diskutieren. Heute bedauere ich, dass ich nicht aufgeschrieben habe, dass ich die Produktion von Maybach, einen großen Bio-Bauernhof und ein F&E Zentrum für alternative Baustoffe auf den amerikanischen Liegenschaften will – wäre sicher gut gekommen……

Wenn die Fragestellung fehlt, es keine Optionen oder Alternativen zu diskutieren gibt – an was soll man sich denn dann eigentlich „beteiligen“? Um beim Thema Konversion zu bleiben: Im Bericht auf rnf zum ‚Bürgerforum Konversion‘ äußert sich der OB sinngemäß, man wolle von den Bürgern hören, was die Stadt tun solle ….. Aber der Stadt gehören diese Liegenschaften gar nicht und noch ist nirgendwo eine Entscheidung getroffen worden ob und wenn ja, welche Flächen denn gekauft werden! An was für einer luftigen Diskussion sollen die Bürger sich eigentlich beteiligen?

Irgendwie erinnert mich das an die workshops zur Neckaruferpromenade. Da waren die BürgerInnen auch eingeladen, ihre Wünsche und Vorstellungen zu äußern: Viel Grün, Spielplätze, vielleicht einen kleinen Strand …… nur: Das war in dem Siegerentwurf zur Promenadengestaltung alles überhaupt nicht vorgesehen! Luftnummer? Placebo?

Ich möchte mich hier mal kurz selbst zitieren:

„Es war einmal ein jugendlicher Recke, der trat an, eine Stadt zu regieren. Er war voller Pläne: Bauen wollte er, Ärmel hochkrempeln, was bewegen. Da seine Mitbewerberin gewarnt hatte, man müsse in Menschen und nicht in Beton investieren, erfand er flugs die Familienoffensive. Die muss seither immer beweisen, dass in Menschen investiert wird und vor lauter Beweislast geht ihr manchmal die Puste aus….Dann ging es los: Ein Tunnel sollte sicherstellen, dass die Stadt am Fluss liegt, dem Land wurde ein Justizbollwerk geschenkt, ein Kongresszentrum sollte der Wissenschaft zu neuer Blüte verhelfen. Der Rat der Stadt war mehrheitlich begeistert: Endlich Action!

Ja, unser jugendlicher Recke bewegte die Stadt! Bürgerinitiativen schossen wie Pilze aus dem Boden…. Anfangs schimpfte er auf die Neinsager und Verhinderer, jetzt erfindet er die Bürgerbeteiligung. Die wird dann zukünftig immer beweisen müssen…und vor lauter Beweislast….“ (Stadtblatt, Januar 2011)

Ich will nicht Recht behalten! Und in der Stadtverwaltung gibt es viele maßgebliche Menschen, die die Idee der Bürgerbeteiligung sehr ernst nehmen und befürworten. Aber wir müssen aufpassen, dass hier kein Begriff seines Inhaltes entledigt und dann zu Tode geritten wird!

Judith Marggraf

Es war einmal

ein jugendlicher Recke, der trat an, eine Stadt zu regieren. Er war voller Pläne: Bauen wollte er, Ärmel hochkrempeln, was bewegen. Da seine Mitbewerberin gewarnt hatte, man müsse in Menschen und nicht in Beton investieren, erfand er flugs die Familienoffensive. Die muss seither immer beweisen, dass in Menschen investiert wird und vor lauter Beweislast geht ihr manchmal die Puste aus… „Es war einmal“ weiterlesen

„Kultur in Heidelberg“

kürzlich war ich wieder im Taeter Theater, seit 23 Jahren eine nicht wegzudenkende Einrichtung in Heidelberg. Anne Steiner – Graczol und Wolfgang Graczol haben auch in dieser Spielzeit wieder mit dem „Revisor“ von Gogol einen vielbeachteten Erfolg erzielt. Hauptanliegen der Inszenierungen von Wolfgang Graczol sind – wie er sagt- vor allen die Wiedererkennbarkeit der Stücke. Dies ist die Stärke des kleinen Theaters auf dem Landfriedgelände, welches seit Jahren durch „Werktreue “ sein Publikum anzieht. Am 13. August beginnt dort mit einer fünfwöchigen Spielserie das „Sommertheater 2010“, Auf dem Programm stehen der „Valtentin-Abend“, der „Herr Karl“, „Fußball ist alles“ sowie „die geliebte Stimme“ und ein Sologastspiel von Benjamin Hille mit einem Jackson-Abend „The Man in the Mirror“.. Im Herbst kommt „Tantchen und ich“ in der Inszenierung von Beate Lesser und dann weitere Aufführungen des Revisors auf die Taeter-Bühne. Bis dahin wird Wolfgang Graczol ein Stück über die Überlebensstrategie eines ehemaligen Guantanamohäftlings schreiben. Wer in den Ferien in Heidelberg bleibt kann sich im „Sommertheater“ einen schönen Abend machen. Es lohnt sich hinzugehen.

Nächstes BBR Treffen

Liebe Bezirksbeirätinnen und -räte, mit der folgenden Ankündigung verabschieden wir uns in die Sommerpause und wünschen euch allen gute Erholung, einen schönen Urlaub oder einfach schöne Sommerwochen zuhause und bei der Arbeit! Für die Fraktion mit herzlichen Grüßen Judith Marggraf Wie weiter mit den amerikanischen Liegenschaften? Ende September/Anfang Oktober werden wir euch zu einem Planungstreffen einladen. Auch wenn die Gelände erst 2015 frei werden (und dann ja auch erst mal im Eigentum der Bundesimmobilienverwaltung landen), ist es wichtig und notwendig sich schon jetzt Gedanken über zukünftige Nutzungen zu machen. Wir wollen nicht warten bis OB Würzner einen Plan aus der Tasche zieht (gegen den man sich dann vielleicht wieder mühsam zur Wehr setzen muss…), wir wollen der Verwaltung diesmal frühzeitig und von „unten“ Wünsche, Ideen und Anregungen mit auf den Planungsweg geben. Da vom Abzug der Amerikaner mehrere Stadtteile direkt betroffen sind (Rohrbach, Südstadt, Weststadt, Kirchheim, Pfaffengrund), die anderen aber durchaus mittelbar auch tangiert werden (Wohnraum, Verlagerung von Gewerbe oder anderen Einrichtungen….)stellen wir uns vor, dass ihr in den nächsten Monaten kleine Zukunftswerkstätten/Planungskonferenzen abhaltet – natürlich mit unserer Hilfe, Beratung und tatkräftigen Unterstützung…! Ob und wie das gehen kann besprechen wir nach den Ferien.

„Spannend wie ein Krimi“

Um kurz vor 19 Uhr war das Quorum von 25.310 Stimmen noch nicht erreicht. Die Spannung war kaum mehr auszuhalten. Als dann endlich das großartige Ergebnis von 26.309 Nein- Stimmen feststand und OB Würzner verkündete, dass zwei Drittel (67,1%)der WählerInnen gegen den Stadthallenanbau votiert hatten, war der Jubel überwältigend. Allen, die sich seit Monaten gegen diese Verschandelung am Neckarufer gewehrt haben, war die Erleichterung und große Freude nach langem unermüdlichen Einsatz anzumerken, einige HeidelbergerInnen hatten sogar Tränen in den Augen. Heidelberg kann stolz und voller Dankbarkeit auf die BürgerInnen blicken, die sich nicht durch unhaltbare Argumente und eine unverhältnismäßige Ja-Kampagne haben beirren lassen. Großer Dank gilt BIEST und den vielen Einzelpersonen im Bürgerbündnis. Ein Stillstand ist nicht zu befürchten. Es gibt viele gute Ideen, die Stadthalle zu ertüchtigen, sie als ein feines Kongress- und Veranstaltungszentrum fit zu machen.

Judith Marggraf „Masse statt Klasse“

Der Ausbau der Kinderbetreuung in Heidelberg ist auf einem guten Weg. Gut auch, dass oft da, wo die Stadt selbst Schwierigkeiten hat, geeignete Grundstücke oder Immobilien zu finden oder Anwohnerproteste gegen den Kinderlärm (schlimm genug!) befürchtet werden, freie Träger Lösungen anbieten können. Waren in der Vergangenheit „freie“ Träger meist die Kirchen oder die AWO, kommen jetzt immer öfter „private“ Träger dazu: Klangvolle Namen, meist als eingetragener Verein oder GmbH organisiert. Auch das ist gut, fordert von uns aber erhöhte Aufmerksamkeit – auch für die jeweiligen pädagogischen Konzepte! Bedarfsgerechter Ausbau der Kinderbetreuung ist ein richtiges politisches Ziel. Bund, Länder und vor allem die Gemeinden lassen sich das auch eine Menge Geld kosten. Wir müssen jetzt allerdings aufpassen, dass das Rennen um mehr Plätze und bessere Positionen in (quantitativen) rankings nicht auf Kosten der angebotenen Qualität geht. Das sind wir unseren Kindern schuldig!