„Spannend wie ein Krimi“

Um kurz vor 19 Uhr war das Quorum von 25.310 Stimmen noch nicht erreicht. Die Spannung war kaum mehr auszuhalten. Als dann endlich das großartige Ergebnis von 26.309 Nein- Stimmen feststand und OB Würzner verkündete, dass zwei Drittel (67,1%)der WählerInnen gegen den Stadthallenanbau votiert hatten, war der Jubel überwältigend. Allen, die sich seit Monaten gegen diese Verschandelung am Neckarufer gewehrt haben, war die Erleichterung und große Freude nach langem unermüdlichen Einsatz anzumerken, einige HeidelbergerInnen hatten sogar Tränen in den Augen. Heidelberg kann stolz und voller Dankbarkeit auf die BürgerInnen blicken, die sich nicht durch unhaltbare Argumente und eine unverhältnismäßige Ja-Kampagne haben beirren lassen. Großer Dank gilt BIEST und den vielen Einzelpersonen im Bürgerbündnis. Ein Stillstand ist nicht zu befürchten. Es gibt viele gute Ideen, die Stadthalle zu ertüchtigen, sie als ein feines Kongress- und Veranstaltungszentrum fit zu machen.

Judith Marggraf „Masse statt Klasse“

Der Ausbau der Kinderbetreuung in Heidelberg ist auf einem guten Weg. Gut auch, dass oft da, wo die Stadt selbst Schwierigkeiten hat, geeignete Grundstücke oder Immobilien zu finden oder Anwohnerproteste gegen den Kinderlärm (schlimm genug!) befürchtet werden, freie Träger Lösungen anbieten können. Waren in der Vergangenheit „freie“ Träger meist die Kirchen oder die AWO, kommen jetzt immer öfter „private“ Träger dazu: Klangvolle Namen, meist als eingetragener Verein oder GmbH organisiert. Auch das ist gut, fordert von uns aber erhöhte Aufmerksamkeit – auch für die jeweiligen pädagogischen Konzepte! Bedarfsgerechter Ausbau der Kinderbetreuung ist ein richtiges politisches Ziel. Bund, Länder und vor allem die Gemeinden lassen sich das auch eine Menge Geld kosten. Wir müssen jetzt allerdings aufpassen, dass das Rennen um mehr Plätze und bessere Positionen in (quantitativen) rankings nicht auf Kosten der angebotenen Qualität geht. Das sind wir unseren Kindern schuldig!

Eine Farce?

Realisierungswettbewerb „Baufelder MK2/MK3 -Kurfürstenanlage Heidelberg“

Am 5. Juli 2010 trat das Preisgericht für die weitere Bebauung der Bahnhofstrasse neben dem neuen, massiven Justizgebäude zusammen, um aus den 12 eingereichten Beiträgen einen 1. Preis und weitere Preise und Anerkennungen zu bestimmen.

Zuvor hatten bereits 7 Planungsbüros auf eine Teilnahme verzichtet, was, wie zu hören war, auf die zu stringenten Vorgaben zurück zu führen sei. Deshalb, so wurde von einigen teilnehmenden Architekten des Preisgerichts bemängelt, hätten sich wenig namhafte Büros an der Ausschreibung beteiligt.

Die TeilnehmerInnen der Preisgerichtssitzung taten sich dann in einer über 8 Stunden dauernden Beratung auch entsprechend schwer, einen 1. Preis, geschweige denn 2. und 3. Preise herauszufiltern.

Schon nach dem 1. Rundgang deutete sich aber doch an, daß der jetzt 1. Preisträger, das Stuttgarter Büro Auer + Weber + Assoziierte Gmbh , als einziger Entwurf eine grosse Mehrheit finden würde.

Als nach endlosen Stunden dann feststand, daß der Stuttgarter Entwurf mit Abstand als Favorit in Frage kommt, wurde von dem Auslober der STRABAG plötzlich mitgeteilt, daß dieser Entwurf auf keinen Fall so realisiert werden wird, da er die Möglichkeiten des Bebauungsplanes nicht voll ausschöpft. Gerade aber auf Grund der geringeren Bauhöhe wurde der Entwurf als am wenigsten massiv empfunden.

Ich dachte ich höre nicht recht. Seit Stunden wird verhandelt und kurz vor der Abstimmung wurde dann diese Mitteilung aus der Tasche gezogen!

Nicht, das dies in Heidelberg nicht üblich wäre (s. Stadthalle, Theater), wollte ich dann einen Entwurf der gar nicht so gebaut wird wie er konzipiert wurde, nicht zustimmen.

Allerdings wurde dann – aus Einsicht am merkwürdigen Verfahren – noch beschlossen:“ Das Preisgericht empfiehlt den Stuttgarter Architekten, die Überarbeitung durch ein Gremium, das durch die Mitglieder des Preisgerichtes gebildet wird, bewerten zu lassen.

Das heißt: 1. Volle Ausschöpfung des Bebauungsplanes

2. Wer ist bei dieser Bewertung dabei?

3. Ist der 1. Preis dann noch gerechtfertigt?

4. Bei einer ungenügenden Überarbeitung oder gar Ablehnung – welcher Entwurf kommt dann in Frage?

Fazit:

nach 8-stündiger Sitzung wurde mit 13 zu 2 Stimmen ein Entwurf preisgekrönt von dem man von vornherein weiß, daß er so nicht gebaut wird.

Farce – oder irre ich mich?

Dorothea Paschen

Gabi Faust-Exarchos "Innenstadt ist mehr als nur die Altstadt"

Die Bürgerinitiativen LINDA sowie HeiKo sind sich darin einig, dass die Altstadt endlich ein Gesamtkonzept braucht.

Die vielen Funktionen (Universität, Kultur, Tourismus, Kongresse, Handel, Nachtleben, Nutzung des öffentlichen Raums), die die Altstadt derzeit erfüllt, gehen zu Lasten der Lebensqualität. Es müssen Prioritäten gesetzt werden, um die Altstadt sozialverträglich und kulturell weiter zu entwickeln, aber auch zu entlasten. Es wird Zeit, auch im Interesse der angrenzenden Stadtteile, die Innenstadt als größere Einheit zu begreifen! Der Blick über den Bismarckplatz zeigt Bergheim als aufstrebenden Stadtteil mit viel Potential für Neues. Ein paar Schritte über die Brücke haben wir in Neuenheim eine Einkaufsstraße mit besonderem Flair. Public Viewing am Schwimmbad war ein erster guter Schritt. Anstatt immer nur die Altstadt zu verplanen, sollten wir ‚Innenstadt‘ neu definieren und das als Chance für eine zukunftsweisende Stadtentwicklung begreifen. Das hilft den Menschen, der Kulturszene, dem Handel und der Gastronomie.

Am 25.Juli Bürgerentscheid: NEIN ZUM ANBAU!

„Komplett-Abzug der Amerikaner – Alle Bauvorhaben auf den Prüfstand“

Daß die Amerikaner die Standorte Mannheim und Heidelberg aufgeben werden, war Mannheims OB schon lange klar, nur hoffte er auf eine längere Übergangsphase. OB Würzner, der sich noch am 17. Juni im Hauptausschuß vehement gegen einen Antrag zu einem Masterplan wehrte, wollte den drohenden Abzug nicht wahrhaben. Wiederholt hatte die GAL-Fraktion durch Anträge und Anfragen auf die nun eingetretene Situation aufmerksam gemacht und muß nun feststellen, wieviel wertvolle Zeit durch die Vogel-Strauß-Politik des OB vertan wurde. 5 Jahre sind kurz , um diese große städtebauliche Aufgabe zu meistern. Nicht nur wegen der finanziellen Verluste, müssen nun alle -auch begonnene Bauvorhaben – auf den Prüfstand wie z.B. die Größe der Bahnstadt, der Stadthallen – Anbau, Tunnel. Was können wir mit den frei werdenden Wohnungen und Freiflächen kompensieren, und wo wird es Synergieeffekte geben? Umgehend muß nun ein Masterplan auf den Tisch!

Presseerklärung der GAL-Fraktion zum Abzug der Amerikaner:

„Amerikanischer Pragmatismus beendet Würzners Träumerei“ Nun steht also fest, was viele kommen sahen, einige aber partout nicht wahr haben wollten: In den nächsten fünf Jahren verlassen die amerikanischen Streitkräfte 70 Jahre nach Kriegsende Heidelberg. Der Abzug der US-Truppen war und ist jetzt eine Jahrhundert-Herausforderung für die Stadt. So bleiben uns nur diese fünf Jahre, um aufzuholen, was jahrelang nicht weitsichtig vorbereitet wurde. Natürlich müssen Verluste an Arbeitsplätzen und auch an Kaufkraft verkraftet werden. Andererseits können hier in Heidelberg die zum Teil schon mit Wohnungen bebauten freiwerdenden Flächen in eine kluge und sozial ausgewogene Wohnungspolitik und Stadtentwicklung integriert werden. Der teure Wohnungsmarkt braucht Familienwohngebiete mit bezahlbaren Preisen. Und vor allem kann die Südstadt so zu einem echten Stadtteil werden. Insbesondere muss über die 50 ha Flächen im Stadtgebiet hinaus die Zukunft des Sied-lungssolitärs Patrick-Henry-Village an der Autobahn zusammen mit den südlichen Umlandgemeinden als regionales Sondergebiet entwickelt werden. OB Würzner hat noch vergangenen Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss mit Händen und Füßen gegen unsere Forderung nach einem Masterplan für die US-Flächen gewehrt. Genau den brauchen wir jetzt. Zusammen mit Mannheim und der gesamten Region muss jetzt strategisch beraten und insbesondere auch gemeinsam Bundes- und Landesunterstützung eingefordert werden. Und nebenbei: Der Neckarufertunnel ist nun de facto das, was er durch die Entwicklung der Kommunalfinanzen schon länger ist: am Ende, da Heidelberg größere finanzielle Mittel benötigt, um die freiwerdenden Flächen in der Südstadt, in Rohrbach, im Pfaffengrund und der Weststadt gemeinsam mit der GGH zu kaufen. Im Gegensatz zum Neckarufertunnel wird dort das Geld richtig und rentierlich investiert.

Judith Marggraf „2013 wird alles besser…“;

…. sagt der OB. Aktuell sind wir aber erst einmal in den schlechten Jahren angekommen. 106 Mio € Mindereinnahmen für den Doppelhaushalt 20111/2012 sind nicht eben mal so zu verkraften. Ob und wie die Verwaltung den angekündigten Einsparbeitrag von 40 Mio in den 2 Jahren ohne Leistungseinschränkungen aufbringen kann, ist in Frage zu stellen. Weitere 66 Mio wären aber auch dann noch einzusparen, von steigenden Schulden (und den Belastungen durch Zins und Tilgung) gar nicht zu reden. Was uns zusätzlich umtreibt, ist der Blick auf die städtischen Gesellschaften. Seit Jahren lagert die Stadt Kosten und Belastungen in ihre Gesellschaften (oder in Stiftungen) aus. Das ist legitim, aber es bedeutet auch, dass wir neben dem städtischen Haushalt zunehmend die entsprechenden Wirtschaftspläne im Blick haben müssen! Wenn uns hier Schuldenstände davon rennen und Eigenkapitalquoten zusammenbrechen hat letztlich die Stadt, haben wir auf Jahre hinaus ein zusätzliches Problem. Für uns gibt es deshalb bei den anstehenden Debatten eine klare Maßgabe: Bestand sichern! Zuerst kommt das, was Stadt und Bürger alltäglich brauchen! Hier werden wir schon kleinere Brötchen backen müssen – süße Stückchen und Tunnel-Torten werden bis auf weiteres gestrichen!

Presseerklärung der GAL-Fraktion zur Haushaltssituation:

„Tunnel nicht finanzierbar!“

Es ist interessant, dass man aus der RNZ erfahren muss, wie es um die städtischen Finanzen aktuell bestellt ist. Statt in den kommenden drei Jahren 52 Mio. Euro einzusparen, kommt es nun knüppeldick – es müssen stattdessen in den nächsten zwei Jahren Einnahmeausfälle in Höhe von 107 Mio. Euro verkraftet werden. Das derzeit aktuell diskutierte Sparpaket der Bundesregierung (insgesamt 85 Milliarden Euro) ist darin noch gar nicht enthalten.

Und diese Hiobsbotschaft erhalten wir vor dem Hintergrund, dass Heidelberg zum Jahresende bereits einen Rekordschuldenstand von 190 Mio. Euro haben wird. Aber dies ist nur die halbe Wahrheit, so GAL-Stadtrat Peter Holschuh. „Der Schuldenstand ist eigentlich viel höher, aber die Stadt hat kostenintensive Maßnahmen und Projekte meist an städtische Gesellschaften abgedrückt. Z.B. Neubau Feuerwache (14 Mio. Euro), Sanierung IGH (28 Mio. Euro), Theatersanierung (25 Mio. Euro), die Bäder (jährlich 5 Mio. Euro). Ein evtl. Anbau der Stadthalle (26 Mio. Euro) ist noch gar nicht, der Neckarufertunnel erst mit 10 Mio. Euro berücksichtigt. Jetzt am Bau des Neckarufertunnels festzuhalten, den die Stadt bis einschließlich 2018 mit 180 Mio. Euro komplett vorfinanzieren müßte, würde Heidelberg den finanziellen K-O-Schlag versetzen“.

Für die anstehende Haupt- und Finanzausschusssitzung am Donnerstag erwarten wir von OB Würzner genaue Zahlen und Vorschläge, wie man mit der derzeitigen finanziellen Situation gedenkt umzugehen.

Man wird auch nicht die Einsparvorgaben an die Verwaltung von 10 auf 20 Mio. € so ohne weiteres anheben können ohne zu wissen, welche Auswirkungen das für die Heidelberger Bürgerinnen und Bürger haben wird, so GAL-Fraktionsvorsitzende Stadträtin Judith Marggraf.

Zudem entscheidet nicht der OB über aktuelle Einsparmaßnahmen, sondern der Gemeinderat und das werden wir am Donnerstag noch einmal klarstellen. Für die GAL steht außer Frage, dass vor allem die sozialen Standards und der Bereich Kinder und Bildung nicht angetastet werden. Zudem müssen die städtischen Gesellschaften auf solide finanzielle Beine stehen bzw. gestellt werden. Es kann nicht sein, dass man ihnen weitere Kosten ohne städtischen Ausgleich aufbürdet, so Peter Holschuh.