War das peinlich oder ist das schon Wahlkampf?

In der letzten Gemeinderatssitzung hatten CDU und Co eine ‚aktuelle Debatte‘ zum Krieg in der Ukraine beantragt. Ein gut vorbereiteter OB berichtete fast 30 Minuten über alle Angebote und Hilfestellungen der Stadt.

Alle im Gemeinderat vertretenen Parteien und Gruppierungen nutzten die Gelegenheit für Bekenntnisse, Fragen und Anregungen…

‚Aktuelle Debatten‘ sind eigentlich dafür da, aktuelle, kurzfristig aufgetretene und meist strittige Fragen und Sachverhalte zu debattieren.

Der Krieg gegen die Ukraine wird von uns allen verurteilt und es ist gut, dass unsere Stadt hilft und sich engagiert. Soviel zum Konsens.

Musste das Thema zum Schaufenster für den OB gemacht werden?

Skandalös

Stellen Sie sich vor, eine Hauptverkehrsstraße wird gesperrt und in den folgenden 3 Wochen würden keinerlei Bauarbeiten durchgeführt werden. Genau dies ist in Kirchheim mit der Stettiner Straße geschehen. Hierbei handelt es sich um einen der meistgenutzten Fuß- und Radwege, nicht nur für Kinder auf dem Weg zur Schule in die Innenstadt, sondern auch für Berufstätige. Ebenso ist dieser Weg für Erholungssuchende und Anwohner, die zum Rewe einkaufen gehen, eine wichtige Verkehrsachse. Die Verwaltung hatte mir zugesagt, die Sperrung auf die aktive Bauzeit zu beschränken. Die Sperrung könnte innerhalb von max. 30 Minuten auf- bzw. abgebaut werden. Wieder einmal stellt sich mir die Frage, wie wichtig der Verwaltung die Bedürfnisse der Radfahrer und Fußgänger sind.

Und alles ist anders.

Eigentlich hätten wir hier über den Frauentag geschrieben. Über equal pay und die Belastung von Frauen in Corona Zeiten. Über Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern.

Jetzt aber sehen wir ukrainische Frauen, die ihre Männer zurücklassen und sich und die Kinder in Sicherheit bringen, Zuflucht in U-Bahn Stationen suchen. Kinderkliniken, die mit minimalen Ressourcen versuchen, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Die Hälfte der Flüchtenden sind Schulkinder, die besonders dringend Hilfe brauchen… Dieser Krieg ist eine Bedrohung, die wir uns im zivilisierten Europa nicht vorstellen mochten. Ich hoffe und wünsche, dass das schnell vorbei ist!

Ich danke allen in Heidelberg, die gerade Hilfe bieten und organisieren!

Fahrradstraße Vangerowstraße

Ich freue mich, dass unser Antrag, in der Vangerowstraße eine Fahrradstraße einzurichten, von der Verwaltung 2023 umgesetzt wird. Wurde diese Maßnahme noch vor 3 Jahren mit der Begründung, durch die Neuordnung des KFZ-Parkens und des dadurch zu hohen Parkdrucks abgelehnt, ergab eine Neubewertung der Verwaltung nun, dass im Rahmen der Mobilitätswende die Realisierungsmöglichkeit der Fahrradstraße gegeben sei. Auch wenn es wieder nur ein kleines Mosaikstückchen in dem von mir gewünschten flächendeckenden Radwegenetz ist, so muss man einfach sehen, dass viele kleine Maßnahmen letztendlich auch zu einem Ganzen werden können.

Nein,

glücklich sind wir nicht mit der Entscheidung zum wohnungspolitischen Konzept für PHV. Erschwingliches Wohnen ausgerechnet auf landwirtschaftlich genutzten Flächen anzusiedeln ist eine Zumutung! Wir hätten gerne diese 18 ha Erweiterungsfläche komplett abgelehnt. Aber es ist schon lange her, dass das Wünschen noch geholfen hat… Immerhin: die Bereitschaft für die 11 ha geht gegen Null und die Prüfungen für die 7 ha sollen streng sein. Klar, wenn die Entscheidungen erst in den 30er Jahren fallen, können alle jetzt entspannt damit umgehen. Aber auch in 10 oder 15 Jahren sind unsere fruchtbaren Böden nicht vermehrbar. Einerseits ‚genial regional‘ zu pushen und andererseits Anbauflächen zu reduzieren muss auch dann noch gut begründet werden.

Müll

Täglich bin ich mit unserem Hund viele Kilometer unterwegs. Meist im Feld oder im Wald. Was mich nun aber immer mehr betrübt ist die Tatsache, dass gerade auf Feldwegen und landwirtschaftlichen Flächen der Müll stark zugenommen hat. Zwischenzeitlich machen die Schutzmasken einen nicht unerheblichen Anteil aus und viele Masken wurden vermutlich nicht einmal weggeworfen, sondern sind aus der Tasche gefallen. Doch auch aufgestellte Mülleimer werden immer mehr zweckentfremdet, um den eigenen Hausmüll zu entsorgen. Viele Glasflaschen aber auch Hundetüten und Plastikmüll werden achtlos in die Natur geworfen. Überdenken auch Sie Ihr Verhalten in Bezug auf Müllentsorgung und helfen Sie mit, unsere Stadt sauber zu halten. Dankeschön.

Neinhaus

Von Altstadtrat Hans-Martin Mumm erreichte uns diese Zuschrift:

Auch wenn es immer wieder versucht wird: Die Geschichte einer Stadt lässt sich nicht purifizieren. Oberbürgermeister Carl Neinhaus verschrieb sich 1933 aus Ehrgeiz und Opportunismus dem Regime der NSDAP und setzte seine neue Orientierung in Verwaltungshandeln um. Im März 1945 verbrannte er seine Handakten und äußerte bis an sein Lebensende kein Wort der Reue.

Es gibt keinen Grund, sein Grab ehrenhalber weiter zu pflegen. Über die Grabstelle würden danach die Angehörigen im Rahmen der Friedhofsordnung entscheiden, über den Stein gegebenenfalls die Denkmalbehörde. Der Gemeinderat würde mit einem entsprechenden Beschluss keineswegs die Geschichte reinwaschen, aber doch ein klares Zeichen setzen.

Penta-Park

Im Juli 2021 hatte die GAL/FW den Antrag gestellt, ein Konzept zu entwickeln, den Penta-Park neben dem Marriott Hotel attraktiver zu gestalten und eine bessere Aufenthaltsqualität zu bieten.
Nun gibt es eine Infovorlage der Verwaltung, in der sowohl die Grünpflege als auch die bestehenden Wege gepflegt werden sollen. Außerdem sind 10 neue Bänke vorgesehen und perspektivisch wird geprüft, die bestehende Teichanlage zu sanieren. Seit ich 2014 zum Stadtrat gewählt wurde, habe ich mich für den Penta-Park eingesetzt und freue mich, dass dieser Einsatz nicht umsonst war. Dieses Kleinod zu erhalten, ist ein Gewinn für den Stadtteil Bergheim. Ein Dankeschön an die Verwaltung.

So nicht!

2020 hat der Gemeinderat beschlossen, potentielle Erweiterungsflächen für PHV frühestens 2030 ins Auge zu fassen. Jetzt sollen wir ein wohnungspolitisches Programm beschließen, das ganz besonders im preiswerten Segment genau diese Flächen beinhaltet. Wir sollen also durch die Hintertür … uns selbst ins Knie schießen!?

Ich zitiere aus dem Antrag von CDU und Heidelbergern aus 2020:“Landschafts- und Ressourcenverbrauch wie in den zurückliegenden Jahren ist nicht nachhaltig. (…) Die Flächenerweiterung vernichtet die Existenzgrundlage für mehrere landwirtschaftliche Betriebe und fördert gleichzeitig die industrielle Landwirtschaft, die einen weiteren Teil zum Artensterben beiträgt.“

Hört sich doch vernünftig an und gilt auch 2022.

Rückblickend…

…war es ein Jahr mit vielen Höhen und Tiefen. Politisch wurde nicht immer fair agiert, insbesondere beim Bürgerentscheid Ankunftszentrum PHV. Doch in der letzten Jahresausgabe des Stadtblattes möchten wir nicht über Kommunalpolitik schreiben, sondern uns vielmehr einmal bedanken. Bedanken bei den MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung, die oft an ihre Belastungsgrenze und manchmal auch darüber hinaus gearbeitet haben. Bei all denen, die sich beruflich oder ehrenamtlich zum Wohle ihrer Mitmenschen engagiert haben und letztendlich bei allen, die den Unsinn, den ein Stadtrat der AFD zum Thema Corona schreibt, nicht ernst nehmen und sich impfen lassen. Ihnen allen wünschen wir eine gesegnete Weihnacht und ein gutes Jahr 2022.