An den Gedenkveranstaltungen in Gurs …, Stadtblattartikel von Hans Martin Mumm am 25.11. 2015

… nahmen für Heidelberg Bgm Hans Jürgen Heiß und für den Stadtrat Dr. Simone Schenk, Dr. Jan Gradel, Michael Rochlitz und ich teil.

Dort standen nicht die Reden der Offiziellen, sondern die Erinnerungen von drei Zeitzeugen im Mittelpunkt. Eva Mendelsson, Margot Wicki-Schwarzschild und Paul Niedermanns schilderten, wie sie als Kinder nach Gurs verschleppt wurden und wie sie die gewaltsamen Entzivilisierung erlebten: keine Betten, kein Essgeschirr, Trennung der Familien. Deutlich wurde auch der starke Überlebenswille, der ihnen Wege aus dem Lager ermöglichte.

Nicht zur Sprache kam, dass in den Vertreibungsorten die Habseligkeiten der Deportierten öffentlich versteigert wurden: Viele haben davon profitiert und alle haben es gewusst. Für Heidelberg ist dieser Vorgang noch gar nicht aufgearbeitet.

Trotz aller psychischen Narben zeigten die Zeugen keinen Hass, sondern waren sich in ihrem Appell einig, dass es nie wieder Ausgrenzung und Rassenhass geben darf.

Nous sommes ….., Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 18.11. 2015

Ja, wir alle sind in diesen Tagen Pariser, Franzosen, Europäer. Die schrecklichen Verbrechen vom vergangenen Freitag, die Bilder aus Paris seither machen sprachlos, traurig, wütend und ja, sie machen auch Angst. Wenn das hier passiert wäre, Menschen in der Halle 02 und auf dem Marktplatz getroffen hätte….

Bei solchen Verbrechen wider die Menschlichkeit sitzen wir alle in einem Boot. Und in diesem Boot sitzen auch die vielen Flüchtlinge, die vor genau diesem Terror bei uns Schutz suchen! Lassen wir uns nicht auseinander dividieren: Arme Franzosen, böse Belgier; gute und schlechte Flüchtlinge; offene oder abgeschottete EU Staaten.

Ein Plakat der Bundeswehr, das mir in den vergangenen Tagen eher merkwürdig auffiel, hat durch die Ereignisse in Paris einen Sinn erhalten:
„Wir kämpfen auch dafür, dass ihr gegen uns sein könnt“.

Radwege, Stadtblattartikel von Michael Pfeiffer am 28.10. 2015

Es vergeht kaum eine Gemeinderatssitzung, bei der nicht auch das Thema Radweg auf der Tagesordnung steht. Und das ist gut so.

Der Ausbau des Radwegenetzes muss noch schneller vorangetrieben werden. Dies belegen auch die Zahlen auf den neuen Anzeigetafeln, bei denen die Radfahrer*innen gezählt werden, z.B. Gaisbergstraße ca. 4-5tsd täglich. Ich stelle mir dann manchmal vor, die wären alle mit dem Auto unterwegs.

Oft sind es Kleinigkeiten, die es dem Radler schwer machen wie z.B. felgenzerstörende Bordsteine oder unbeleuchtete innerstädtische Radwege. Die geplante Radwegtrasse vom Heidelberger Süden über die Bahnstadt-Bergheim und über eine eigene Neckarbrücke bis ins Neuenheimer Feld wird eine deutliche Erleichterung für alle werden.

Und vielleicht reift bei dem ein oder anderen Kollegen aus Kirchheim und Rohrbach noch die Erkenntnis, dass die Sickingenbrücke als Rad/Fußverbindung eine absolut sinnvolle Maßnahme wäre und sie als Autofahrer von lästigen Radfahrern auf der Bürgerbrücke befreien würde.

Viele Straßen in Heidelberg …, Stadtblattartikel von Hans Martin Mumm am 21.10. 2015

… hätten Umbenennungsbedarf. Sie heißen nach Nazis (Dischinger, Endemann), nach Kriegsgrößen (Moltke, Roon, von Werder), nach Waffenentwicklern (Bothe, Hahn, Wankel) oder nach Antisemiten (von Arnim, Jahn, Patton).

Die Grünen haben in ihrer Ahnungslosigkeit nun den einzigen Juden auf dieser Liste herausgepickt: Umbenennung der Haberstraße in Rohrbach-Süd. Das Thema ist aber zu komplex für Skandalgeschrei, die deutsche Geschichte lässt sich nicht per Federstrich purifizieren.

Im Jüdischen Museum in München etwa gibt es zu Fritz Haber eine ganze Vitrine, in der die Konfliktsituation der patriotischen Juden im 1. Weltkrieg aufgearbeitet wird. Auch im Carl-Bosch-Museum Heidelberg ist dieses Thema verschiedentlich angesprochen worden.

Bevor also ein Umbenennungsantrag auf den anderen folgt, sollte der Gemeinderat eine eigene Expertenkommission damit beauftragen, die Straßennamen auf ihre Würdigkeit auszuwerten und Vorschläge für ein einheitliches Vorgehen zu machen.

Vorgeschmack, Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 14.10. 2015

Was für eine wunderbare Szenerie: Das Torhaus der Campbell Barracks rot und golden beleuchtet, rein und raus strömen Menschen in Autos, auf Fahrrädern und zu Fuß, auf dem Paradeplatz die Zeltlandschaft des internationalen Filmfestivals, einige Liegestühle auf den Grünflächen…..

So oder ähnlich wird es hoffentlich auch in Zukunft sein. Belebt, attraktiv, ein Anziehungspunkt nicht nur für die Menschen im Heidelberger Süden.

Ja, es war schön beim Eröffnungsabend des Filmfestivals! Die vielen gutgelaunten Kinogänger – einige vielleicht auch „nur“ aus Neugier auf den neuen Standort – waren ein Beweis dafür, dass Kultur (und Kino!) nicht nur in der Altstadt ‚funktioniert‘. Das ist eine Ermunterung für den Karlstorbahnhof und hoffentlich auch eine Ermutigung für das kommunale Kino!

Michael Kötz und seinem Team gebührt ein großer Dank für die Idee und den Mut diesen neuen Standort auszuprobieren und den Heidelbergern damit einen ersten, gelungenen Vorgeschmack auf neues, urbanes Leben im Süden zu ermöglichen.

Zum Gelingen der Integration, Stadtblattartikel von Wassili Lepanto am 7.11. 2015.

Das Leben für Emigranten, Asylanten und Flüchtlinge in Deutschland ist keine leichte Aufgabe.

Es gilt, diesen fremden Menschen unser Leben hier näher zu bringen und uns für sie zu öffnen. Neben der lebensnotwendigen Unterstützung und Förderung sollten auch Kulturpädagogen mit einbezogen werden. Schritt für Schritt sollte man den Neuankömmlingen unsere Stadt, die Stadtteile und die Umgebung vertraut machen, in der sie jetzt leben werden.

Am Beispiel unserer konkreten Lebenswelt von Rathäusern, Kirchen, Wohnhäusern, Stadtplätzen und Museen wollen wir Inhalte vermitteln: von Demokratie, Freiheit, Menschenrechten, Pflichten, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Familienleben, Kindererziehung, Arbeitsdisziplin, sozialem Miteinander und Religion. Alle Religionen sollten sich in einem großen gemeinsamen Forum begegnen.

Durch einen intensiven Austausch können Ängste, Vorurteile, Missverständnisse und Spannungen abgebaut werden, so dass ein Zusammenwachsen gelingen kann.

Nachruf, Stadtblattartikel von Judith Marggraf und Hans Martin Mumm am 30.9. 2015

Im September ist unser Freund Dietrich Hildebrandt nach längerer Krankheit gestorben.

Er wurde 1944 in Luckenwalde geboren und ist im Pfaffengrund aufgewachsen. Nach Abitur und Bundeswehr studierte er ab 1966 in Heidelberg, um Lehrer zu werden. In der 1968er Bewegung zählte er zu den führenden Köpfen des SDS und später des KBW.

1974 wurde er wegen Land- und Hausfriedensbruch zu 16 Monaten Haft verurteilt. Nach 1977 wandte er sich der Ökologiebewegung und den Grünen zu. 1989−1994 war er für die GAL im Gemeinderat und 1996−2001 Mitglied der grünen Landtagsfraktion in Stuttgart. Dass er nicht wieder nominiert wurde, war für ihn eine bittere Niederlage.

1990 promovierte er über die Heidelberger Studentenbewegung. Gestützt auf diese Arbeit war er als Zeitzeuge bei vielen Gelegenheiten geschätzt. Den 30. Gründungstag der GAL würdigte er im Mai 2014 in einer Rede.

Unser Mitgefühl gilt der Familie. Wir werde ihn als kritischen Kopf vermissen und zugleich in dankbarer Erinnerung behalten.

Bei uns ist Ihre Meinung noch gefragt, Stadtblattartikel von Michael Pfeiffer am 23.9. 2015

Wie geht`s weiter mit den Patton Barracks? Für mich nicht überraschend kamen letzten Donnerstag deutlich weniger Bürger zum Forum mit dem Thema Patton Barracks.

Das Ergebnis der Resignation darüber, wie die Wünsche von der Bürgerbeteiligung im November umgesetzt wurden. Schon vor der ersten Bürgerbeteiligung befürchteten viele Bürger, dass ihre Wünsche nur dann Gehör finden, wenn sie der Wirtschaftsförderung dienen.

Das Baby unseres OB soll vorrangig als moderne, urbane Wirtschaftsfläche genutzt werden. Völlig auf der Strecke bleiben jedoch bei der aktuellen Planung die geforderten Aspekte, das Gebiet mit den angrenzenden Stadtteilen zu vernetzen, um die Integration von Mörgelgewann und Kirchheimer Weg und die Schaffung von (preiswertem) Wohnraum zu gewährleisten.

Eine höhere Durchmischung mit mehr Wohn-und Geschäftshäusern wäre die richtige Weiterentwicklung des Konzepts. Lebendig wird es dort nämlich nur mit Bewohnern. Wenn hier nicht noch ein paar Knöpfe gedrückt werden, entsteht dort ein lebloses Gewerbegebiet.

Unsere Fraktion lädt Sie herzlich ein, mit uns am 7.Okt.2015, 20 Uhr in der CC-Halle Hebelstr. 9 darüber zu diskutieren.

Die grünen Halsbandsittiche …, Stadtblattartikel von Hans Martin Mumm am 16.9. 2015

… sind gute Indikatoren für das Kleinklima: Als Zuwanderer aus den Tropen leben sie dort, wo es am wärmsten ist: Bergheim, Weststadt, Südstadt, während sie die Hanglagen und die Altstadt meiden.

Die Fortschreibung des Klimagutachtens von 1995 hat die Ursache dafür benannt: In den mittleren Stadtteilen bis zur Bahnstadt und zum Pfaffengrund ist die Baudichte so hoch, dass die Durchlüftung leidet und sich die Wärme staut.

Das neue Klimagutachten, diese Woche im Umwelt- und Bauausschuss behandelt, erneuert alle Hinweise von 1995: Großkronige Bäume, Dachbegrünungen, Wasserflächen, Freihaltung der großen wie der vielen kleinen Luftschneisen. Diese Hinweise sind seither nicht völlig ignoriert, aber eben auch nicht großzügig umgesetzt worden. Die Erhaltung des Pentaparks in Bergheim wird die nächste Nagelprobe sein.

Der weltweite Klimawandel wird in dem Gutachten nur beiläufig behandelt. In den CO2-Emissionen liegt aber die Hauptursache für die klimatischen Belastungen.

Danke Kirchheim! Stadtblattartikel von Judith Marggraf am 29.7. 2015

Dank an die vielen Bürgerinnen und Bürger, die Präsenz zeigten und ihre Bedenken und Befürchtungen deutlich und mit Augenmaß formulierten. Dank an den Vorsitzenden des Stadtteilvereins, der klug und ausgleichend diese Veranstaltung moderierte.

Peinlich hingegen eine Ministerin, die nicht nur wenig Ahnung hatte, sondern auch noch meinte, ihr Heil in unangemessenen tweets und dümmlichen Bemerkungen suchen zu müssen. Aber vielleicht hatte genau das auch sein Gutes: Der Ministerpräsident sah sich veranlasst einzuschreiten und das Thema PHV nun zur Chefsache zu machen.

Wir Kirchheimer bleiben weiterhin offen und hilfsbereit, aber wir werden genau darauf achten, dass alle Ankündigungen auch umgesetzt werden: Der Shuttlebus, die zusätzlichen mindestens 10 Sozialarbeiter, bessere medizinische Versorgung und vor allem die Reduzierung der Belegungszahlen – nicht zuletzt auch im Interesse derjenigen, die bei uns Hilfe und Schutz suchen.