Die Straßenbahn soll als Erstes gebaut werden

Der Gemeinderat beendet den Masterplanprozess für das Neuenheimer Feld und beschließt eine Nachverdichtung des Campus.

Von Holger Buchwald

Das Neuenheimer Feld von oben: Das Areal im Neckarbogen soll stark nachverdichtet werden, der grüne Streifen am Fluss bleibt aber erhalten. Ein Straßenbahnring soll das Gebiet verkehrlich entlasten. Foto: Kay Sommer

Heidelberg. Die Weichen für das Neuenheimer Feld sind gestellt. Nach einer lebhaften, zweistündigen Debatte und einem fast einstündigen Abstimmungschaos hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag beschlossen, den Masterplanprozess zu beenden. Das Stadtplanungsamt hat nun die Aufgabe, aus den Entwürfen der Planungsteams von Astoc und Kerstin Höger eine Synthese zu bilden und somit einen Masterplan zu entwerfen.

Wichtigster Kernpunkt ist die Nachverdichtung des Campus, um den zusätzlichen Flächenbedarf der dort ansässigen Einrichtungen und Kliniken von 868.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche unterzubringen. Fest steht auch, dass ein kleiner Straßenbahnring durch die Straße „Im Neuenheimer Feld“ gebaut wird und der Autoverkehr in den Norden des Campus verlagert wird. Die neue Straße soll dann auf Höhe des Technologieparks in die Berliner Straße münden.

Bis zuletzt hatten die unterschiedlichen Interessengruppen noch versucht, ihre Positionen durchzusetzen. Ein besonderer Streitpunkt war dabei das Gewann Hühnerstein im Handschuhsheimer Feld, für das die Universität seit Jahrzehnten Baurecht hat. Rektor Bernhard Eitel wies in einer Sitzungsunterbrechung nochmal auf die Rahmenvereinbarung von Uni und Stadt hin. Die Wissenschaft könne langfristig auf dieses Baurecht nicht verzichten. Bereits im Vorfeld der Sitzung hatte Eitel damit gedroht, aus dem Masterplanprozess auszusteigen. „Den Hühnerstein brauchen wir“, sagte Eitel nun auch per Video-Schalte: „Wir reichen Ihnen die Hand, bitte schlagen Sie sie jetzt nicht aus.“

Während der Stadtentwicklungsausschuss noch beschlossen hatte, dass der Hühnerstein bis 2050 nicht bebaut werden darf, milderten die Mehrheitsfraktionen von Grünen, SPD, Linke, GAL und Bunte Linke dies in einem neuen gemeinsamen Antrag ab. Jetzt heißt es nur noch, dass er langfristig als Bauflächenreserve erhalten bleibt, aber möglichst bis 2050 nicht bebaut werden soll. Diese Formulierung fand gegen die Stimmen des bürgerlichen Lagers von CDU, „Heidelberger“ und FDP eine klare Mehrheit von 26 zu 16 Stimmen.

Deutlich kontroverser ging es beim Thema der verkehrlichen Erschließung zu. CDU, „Heidelberger“ und FDP forderten, dass eine Westanbindung des Neuenheimer Feldes, also jede möglichen Variante einer Neckarquerung von Wieblingen in den Campus ergebnisoffen geprüft werden solle. „Wenn eine Seilbahn diskutiert wird, sollte das auch für eine Brücke gelten, über die Rettungswagen zu den Kliniken fahren können“, forderte die Fraktionschefin der „Heidelberger“, Larissa Winter-Horn. Die besten Ergebnisse hinsichtlich einer Reduzierung des Autoverkehrs erziele eine Brücke für den Umweltverbund, die also auch von Straßenbahnen oder Bussen genutzt werden könne. Ähnlich sah dies Ingo Autenrieth, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. „Wir brauchen dringend eine Westerschließung, durch die uns die Mitarbeiter, vor allem aber die Notfallpatienten gut erreichen können“, sagte er. Vor dem Hintergrund des Wachstums der Kliniken sei die aktuelle Situation nicht tragbar.

Große Verwirrung herrschte unter den Stadträten, als Oberbürgermeister Eckart Würzner diesen Unterpunkt zur Abstimmung stellte. Auf einmal hatte die Prüfung sämtlicher möglicher Westerschließungen, inklusive massiver Straßenbahnbrücke, eine Mehrheit von 18 zu 17 Stimmen. Einige Stadträte, die digital zur Sitzung zugeschaltet waren, hatten nicht mitgestimmt. Lautstark forderten daraufhin die Grünen Derek Cofie-Nunoo und Christoph Rothfuß eine Wiederholung der Abstimmung – nicht allen sei klar gewesen, worüber überhaupt abgestimmt werde. Hintergrund: Die große Brücke würde über das Naturschutzgebiet des Wieblinger Altneckars führen und wird daher von den Bewohnern des Stadtteils und den Umweltverbänden abgelehnt – und eigentlich sind auch die Grünen gegen eine Straßenbahnbrücke.

CDU-Fraktionschef Jan Gradel sprach sich gegen eine Wiederholung der Abstimmung aus und warf den Grünen ein bewusstes Manöver vor: Sie setzten Abweichler in der eigenen Fraktion „massiv“ unter Druck. Auch Würzner wollte es zunächst beim ersten Ergebnis belassen, während Cofie-Nunoo erbost gegen Gradels Unterstellungen protestierte. Erst nach einer längeren Sitzungsunterbrechung und Einschaltung des städtischen Rechtsamts wurde die Abstimmung wiederholt. Während der Unterbrechung zeigte die Videoübertragung aus dem Rathaus, wie Mitglieder aller Fraktionen aufgesprungen waren, Würzner umringten und auf ihn einredeten.

Grüne, SPD, GAL, Linke und „Bunte Linke“ simmten am Ende doch noch für ihren eigenen Antrag. Danach sollen die Reduzierung der Autostellplätze, die Einführung kostendeckender Parkgebühren und eine standortunabhängige Fuß- und Radbrücke über den Neckar ebenso geprüft werden wie eine Seil- oder Otto-Hochbahn, aber keine Straßenbahnbrücke. Am Ende gab es 25 Ja- und 15 Nein-Stimmen und eine Enthaltung von Julian Sanwald (Grüne). Adrian Rehberger (SPD) blieb aus Protest gegen das vorangegangene Chaos der Abstimmung fern.

Das Stadtplanungsamt hat nun die Aufgabe, im Neuenheimer Feld zunächst den Bebauungsplan für den Straßenbahn-Ring in Angriff zu nehmen. Auch dieser Antrag von Grünen und SPD fand mit 27 zu 15 eine deutliche Mehrheit.

 

Dr. Dorothee Hildebrandt und Hans-Martin Mumm mit der Ehrenamtsmedaille 2021 ausgezeichnet

Wir freuen uns sehr, dass wieder zwei GAL Mitglieder diese Auszeichnung der Stadt Heidelberg erhalten haben und sagen danke für Euer Engagement, ohne das eine Gesellschaft nicht Bestand haben kann!

Herzlichen Glückwunsch Dr. Dorothee Hildebrandt. Sie hat es durch ihren Einsatz für das „Bündnis für Ankunftszentrum, Flüchtlinge und Flächenerhalt“ geschafft, verschiedene Organisationen für ein gemeinsames Ziel zusammenzubringen und trotz unterschiedlicher Prioritäten zusammenzuhalten. Als eine der drei Vertrauenspersonen des Bündnisses war sie eines der prägenden Gesichter des Bürgerentscheides gegen die Verlagerung des Ankunftszentrums auf das Gelände der Wolfsgärten.

Herzlichen Glückwunsch Hans-Martin Mumm. Er hat maßgeblich zur Gründung des Heidelberger Geschichtsvereins im Jahr 1993 beigetragen. Er arbeitet unermüdlich an der Erkundung der Heidelberger Historie und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Wissen über die Stadt und zum Heimatgefühl ihrer Bürgerschaft. Bis heute engagiert er sich im Vorstand des Vereins und ist Herausgeber des Jahrbuchs. Außerdem hat er zahlreiche weitere Schriften veröffentlicht und war bis 2019 Mitglied des Gemeinderats.

Beide Fotos von Michael Pfeiffer

Presseinformation der Stadt Heidelberg vom 14.03.2022:

Stadt Heidelberg ehrte ehrenamtlich Engagierte mit der Ehrenamtsmedaille. 29 Auszeichnungen für außergewöhnlichen Einsatz für die Mitmenschen und das Gemeinwohl.

Herausragendes bürgerschaftliches Engagement für ihre Mitmenschen und das Gemeinwohl – das zeichnet die Personen und Gruppen aus, die am Donnerstagabend, 10. März 2022, mit der Ehrenamtsmedaille 2021 (bisher „Bürgerplakette“) der Stadt Heidelberg geehrt wurden. Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner überreichte die 29 Auszeichnungen im Großen Rathaussaal. „In diesem Jahr vergeben wir zum ersten Mal die Ehrenamtsmedaille der Stadt Heidelberg“, erklärte Oberbürgermeister Prof. Würzner. „Die Auszeichnung ist nicht neu: Sie trug bislang den Titel ,Bürgerplakette‘. Da wir seit vielen Jahren sensibel mit Sprache umgehen und explizit alle Geschlechter miteinbeziehen, war diese Umbenennung nur konsequent. Die Bedeutung der Auszeichnung ist gleichgeblieben.“

Oberbürgermeister Prof. Würzner würdigte das große Engagement aller Preisträgerinnen und Preisträger der Ehrenamtsmedaille 2021: „Ehrenamtliches Engagement macht unsere Stadt um so vieles reicher. Sie setzen sich für die Menschen in Ihrem Stadtteil ein und für die vielen Vereine. Ihre Arbeit dient dem Wohle von Kindern und Jugendlichen oder von Seniorinnen und Senioren. Sie helfen Menschen mit Behinderungen und Menschen auf der Flucht. Selbst die von der Corona-Pandemie erschwerten Bedingungen konnten Sie nicht davon abbringen. Im Namen der Stadt Heidelberg, des Gemeinderates und der gesamten Stadtgesellschaft möchte ich Ihnen herzlich für Ihren außergewöhnlichen Einsatz danken.“ Und weiter ergänzte er: „Wie groß die Hilfsbereitschaft in unserer Stadt ist, das erfahren wir dieser Tage auf herausragende Weise. Tausende Heidelbergerinnen und Heidelberger setzen Zeichen der Solidarität mit der Ukraine. Dieser Zusammenhalt unserer Stadtgesellschaft ist ein heller Funke in dieser dunklen Zeit.“

Die Geehrten

Mit der Ehrenamtsmedaille 2021 wurden in den Stadtteilen ausgezeichnet: Sabine Arndt, Christel Pietsch (Altstadt), Renate Deutschmann (Boxberg), Prof. Dr. Volker Kreye (Emmertsgrund), Klothilde Förderer, Marco Philipp, Gerhard Vette (Handschuhsheim), Luca Nano, Bernd Rechkemmer, Jörn Fuchs (Kirchheim), Niels Treiber (Neuenheim), Norbert Feigenbutz (Pfaffengrund), Thomas Fischer, Wolfgang Flörchinger, Franziska Meier (Rohrbach), Gabriele Werner (Schlierbach), Hans-Martin Mumm (Weststadt), Manfred Schäfer, Sabine Wacker (Wieblingen), Karl-Heinz Kern (Ziegelhausen).

Gesamtstädtisch oder als Gruppen wurden geehrt: Dr. Peta Becker-von Rose, Jochen Flamme, Hans Flor, Reiner Greulich, Dr. Dorothee Hildebrandt, Claudia Klein, Reinhard Reetz und Prof. Dr. Volker Voigtländer, Rolf Schmitt, SMARTYES – kunterbunt im Emmertsgrund e.V. (stellvertreten durch Hanna Lindenfelser, Annika Markovski und Manuela Nestler).

Die Verleihung der Ehrenamtsmedaille 2021 konnte aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie sonst üblich im Herbst stattfinden. Die Übergabe wurde coronabedingt auf zwei Gruppen aufgeteilt, damit sich nicht zu viele Personen gleichzeitig in einem Raum aufhielten.

Anerkennung bürgerschaftlichem Engagements

Die Ehrenamtsmedaille (bisher Bürgerplakette) ist die offizielle Anerkennung der Stadt Heidelberg für herausragendes bürgerschaftliches Engagement. Jährlich werden Menschen, die sich durch persönlichen und ehrenamtlichen Einsatz in besonderem Maße für das Gemeinwohl verdient gemacht haben, mit der Auszeichnung geehrt – unabhängig von ihrem Alter und von der Dauer des freiwilligen Engagements. Es können Einzelpersonen oder Gruppen geehrt werden. Seit 2021 werden maximal 29 Ehrenamtsmedaillen in einem Jahr verliehen – ein Großteil geht an engagierte Menschen aus den Stadtteilen, die übrigen Ehrenamtsmedaillen sind für gesamtstädtische Vorschläge und Gruppen reserviert. Neben Heidelbergerinnen und Heidelbergern können auch Menschen mit der Ehrenamtsmedaille ausgezeichnet werden, die nicht in Heidelberg leben, sich aber hier ehrenamtlich engagieren

Coronabedingt in zwei Etappen wird im Rathaus die Ehrenamtsmedaille verliehen, die früher Bürgerplakette hieß. Hier im Bild die erste Gruppe.
Foto: Philipp Rothe, 10.03.2022

2. Reihe, ganz rechts: Hans-Martin Mumm

Coronabedingt in zwei Etappen wird im Rathaus die Ehrenamtsmedaille verliehen, die früher Bürgerplakette hieß. Hier im Bild die zweite Gruppe.
Foto: Philipp Rothe, 10.03.2022

Obere Reihe, zweite von rechts: Dr. Dorothee Hildebrandt

Skandalös

Stellen Sie sich vor, eine Hauptverkehrsstraße wird gesperrt und in den folgenden 3 Wochen würden keinerlei Bauarbeiten durchgeführt werden. Genau dies ist in Kirchheim mit der Stettiner Straße geschehen. Hierbei handelt es sich um einen der meistgenutzten Fuß- und Radwege, nicht nur für Kinder auf dem Weg zur Schule in die Innenstadt, sondern auch für Berufstätige. Ebenso ist dieser Weg für Erholungssuchende und Anwohner, die zum Rewe einkaufen gehen, eine wichtige Verkehrsachse. Die Verwaltung hatte mir zugesagt, die Sperrung auf die aktive Bauzeit zu beschränken. Die Sperrung könnte innerhalb von max. 30 Minuten auf- bzw. abgebaut werden. Wieder einmal stellt sich mir die Frage, wie wichtig der Verwaltung die Bedürfnisse der Radfahrer und Fußgänger sind.

Und alles ist anders.

Eigentlich hätten wir hier über den Frauentag geschrieben. Über equal pay und die Belastung von Frauen in Corona Zeiten. Über Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern.

Jetzt aber sehen wir ukrainische Frauen, die ihre Männer zurücklassen und sich und die Kinder in Sicherheit bringen, Zuflucht in U-Bahn Stationen suchen. Kinderkliniken, die mit minimalen Ressourcen versuchen, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Die Hälfte der Flüchtenden sind Schulkinder, die besonders dringend Hilfe brauchen… Dieser Krieg ist eine Bedrohung, die wir uns im zivilisierten Europa nicht vorstellen mochten. Ich hoffe und wünsche, dass das schnell vorbei ist!

Ich danke allen in Heidelberg, die gerade Hilfe bieten und organisieren!

“SAGE NEIN zu Krieg – Solidarität mit der Ukraine – Frieden jetzt!“

Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung am 03.03.2022 von der Kundgebung:

Gerd Guntermanns Redebeitrag am Mittwoch 02.03.20022 auf der Kundgebung “SAGE NEIN zu Krieg – Solidarität mit der Ukraine – Frieden jetzt!“

1968 explodierte in der Ukraine bei Tschernobyl ein Kernkraftwerk, mit der Folge tausender Toter und Verstrahlter. Wenige Wochen später standen exakt auf diesem Platz 8000 Menschen – nicht nur gegen Atomkraft demonstrierend, deren Folgen sich auch in Mitteleuropa bemerkbar machten. sondern auch Solidarität zeigend mit den Menschen in der Ukraine und im benachbarten Belarus, vor deren Augen sich das fürchterliche Unglück abspielte. Das sowjetische Regime in Moskau propagierte diese Art der Energiegewinnung damals.

Jetzt überzieht ein Kriegstreiber, auch wieder mit Kommandozentrale in Moskau, die Ukraine mit Krieg, unterstützt von dem Despoten aus Minsk, der bei seinem Volk keinen Stich mehr macht und sich wie der Moskauer Kollege nur mit Gewalt halten kann.

Wieder haben wir es mit einer Katastrophe zu tun – mit Krieg, und wieder droht eine atomare Katastrophe – sei es durch Putins Androhung, Atomwaffen einzusetzen, sei es durch die Einnahme der Atom-Ruine von Tschernobyl oder durch 3 AKWs, die ungeschützt in der Ukraine stehen.

Jahre vor der Atomkatastrophe gab es Ansagen, ernstzunehmende Hinweise darauf. Ansagen gab es auch vor dem aktuellen Krieg: 2014 wurde die ukrainische Krim vom Moskauer Regime annektiert, das Völkerrecht gebrochen. Allein: das wurde schulterzuckend zur Kenntnis genommen nach dem Motto: Es wird ja nicht mehr dazukommen. Damals verschwanden auf der Krim Menschen spurlos, wurden zu Tode gefoltert oder in russische Arbeitslager gesteckt. Der bekannteste Fall war Oleg Senzow, Filmregisseur aus unserer Partnerstadt Simferopol, Hauptstadt der Krim. Gefoltert, zu 20 Jahren Lagerhaft in Sibirien verurteilt, kam er nach 5 Jahren durch einen russisch-ukrainischen Gefangenenaustausch frei. Jetzt hat er sich dem bewaffneten Kampf gegen die russischen Invasoren angeschlossen.
Wie sich an Senzows Beispiel zeigt: dieser Krieg hat eine kommunale Komponente. 2022 jährt sich die Städtepartnerschaft mit Simferopol zum 30. Mal – ohne einen Grund zum Feiern. In den 8 Jahren seit der Annexion wurden die Medien gleich-, Oppositionelle ausgeschaltet, vor allem aus den Reihen politisch aktiver Krimtataren.

Von 1992 bis zur Annexion 2014 war ich im hiesigen Freundeskreis Heidelberg-Simferopol aktiv, auch als 2. Vorsitzender. Nach 2014 trat ich aus, weil der Vorstand und etliche Mitglieder zu einer moskau-affinen Truppe ohne Interesse für Völkerrecht und Menschenrechte mutierten.
Die hämischen Worte einer Vorstandsfrau klingen mir noch in den Ohren: „Es ist doch bekannt, das Amnesty International von den Amerikanern und der Soros-Stiftung finanziert wird!“ – Verschwörungstheorien also auch hier.
Ein Jahr nach der Annexion trat die 1. Vorsitzende dieses Vereins im Simferopoler Heidelberg-Haus auf, stolz ein T-Shirt mit Putins Konterfei und dem Schriftzug „Nash Krim!“, „die Krim gehört uns“ schwenkend. Gleichzeitig meinte eine meiner kritischen Bekannten dort: „Moskau wird sich auch die restliche Ukraine schnappen!“ Wie recht sie doch hatte…

Putins Vorgehensweise verläuft chronologisch wie bei Hitler und Stalin: Beseitigen der Opposition und missliebiger Medien, Gleichschaltung, Unterdrückung der Pressefreiheit, dann Krieg – heute gegen ein Land, das 1994 seine Atomwaffen an Russland übergab und dem dafür Souveränität und Respektierung der Grenzen garantiert wurde. Der aktuelle Kriegsverbrecher verstößt nicht nur gegen diese Abmachungen, er leugnet sogar die nationale Integrität der Ukraine, ja sogar das Recht der Ukrainer auf eigene Kultur.

So wie es Stalin in den 30er Jahren nicht gelungen ist, die Ukrainer durch den Holodomor, den massenhaften, bewusst herbeigeführten Tod durch Hunger mit Millionen von Opfern als Nation zu beseitigen, so wird es auch seinem Verehrer Putin nicht gelingen, die Ukraine in die Knie zu zwingen und zu russifizieren.

Die Ukraine braucht unsere Hilfe, auch privat. Geht auf die Web-Seite der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft Rhein-Neckar, dort seht Ihr, was wir als Bürger konkret machen können.

In den letzten Tagen erreichten mich zahlreiche Angebote von Wohnraum für ukrainische Flüchtlinge. Vielen Dank dafür!
Stolz bin ich auf meine Nachbarn aus Moskau, Familie mit einer 3-Zimmer-Wohnung, die bereit sind, einer befreundeten ukrainischen Familie aus Lwiv demnächst ein Zimmer abzutreten: „Wir sind nicht so verwöhnt wie die Deutschen, wir haben in Kommunalkas gewohnt, das hat auch funktioniert!“

1840 schrieb der ukrainische Nationaldichter Taras Schewtschenko:
„Unsere Seele, unser Lied
wird nicht sterben, wird nicht verschwinden.
Darin, Leute, liegt unser Ruhm.“

Slawa Ukraini!

Gerd Guntermann im Interview über die Krim und die Ukraine – Redner auf der Friedenskundgebung

Am 24.02. fand auf dem Bismarckplatz in Heidelberg eine Demo für die Solidarität mit der Ukraine statt. Der Mannheimer Morgen interviewte unseren GAL Vorstand Gerd Guntermann, der auch Mitglied der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft ist, und der die Krim und die Ukraine von mehreren (Rad-)Reisen kennt. Auch war er Redner auf der Friedenskundgebung.

Hier Gerd Guntermanns Redebeitrag vom 24.02. auf dem Bismarckplatz in Heidelberg:

„Eine russische Bekannte machte mich telefonisch darauf aufmerksam: in Russland kann man seit einiger Zeit Autoaufkleber sehen: „W Berlin!“, „Nach Berlin!“
In diesem Zusammenhang meinte vor einigen Jahren eine Bekannte aus unserer Partnerstadt Simferopol, Hauptstadt der 2014 vom Moskauer Regime annektierten ukrainischen Krim: „Putin wird sich auch die ganze Ukraine schnappen!“ Ich konnte mir das nicht vorstellen, wollte aber nicht als Besserwessi erscheinen und entgegnete nichts. Sie hatte recht.
Jetzt lebt sie in Kiew und sagt, dass es ein fürchterliches Blutvergießen geben wird, denn die russischen Invasoren werden auf erbitterten Widerstand von Militärs und Partisanen treffen.
Bekannte aus Saki, einem Badeort an der Küste der Krim, registrieren aktuell permanent Bombengeschwader, die vom nahegelegenen Militärflughafen aufsteigen und nach Norden zum ukrainischen Festland abdrehen.

Die Ukraine wird vom größten Militäraufgebot in Europa seit Ende des 2. Weltkriegs überrollt, über 200 000 Soldaten, die von Russland und den anderen Nachbarregionen Belarus, Transnistrien, der Krim, dem Schwarzen und Asowschen Meer in Marsch gesetzt wurden, um die Ukraine als Staat zu zerstören – mit der Folge unzähliger Opfer.

Das, was Stalin nach Ende des 2. Weltkriegs in der Ukraine weiterführte durch Sowjetisierung und Russifizierung, nach dem Holodomor, der Ausrottung der ukrainischen Bevölkerung durch Hunger in den 30er Jahren, das verfolgt Putin weiter: die Missachtung staatlicher Eigenständigkeit der Ukraine, ja selbst die Missachtung der ukrainischen Nation.

Geht man seit der Annexion der Krim auf die Märkte dort, findet man entsprechende Devotionalien: T-Shirts mit Putins Konterfei und dem Aufdruck „Die Krim ist unser!“ neben solchen mit Stalins geschönter Visage und dem Aufdruck: „Nashe djela pravoe, mi pobjedim!“ „Unsere Sache ist richtig. Wir werden siegen!“ Dieses hässlichste meiner T-Shirts liegt ganz unten in meinem Kleiderschrank.
Dieser Spruch passt auch gut zu Putins Vokabular, zu einem kriegsbesessenen Psychopathen, der es schlau und gerissen verstanden hat, alle gesellschaftlich relevanten und geduldeten russischen Gruppierungen unter sich zu vereinen: Militär, Kommunisten, Nationalisten, orthodoxe Kirche, Oligarchen, Politterroristen wie Kadyrow in Tschetschenien und den belarusischen Tyrannen Lukashenka. Menschenrechte, die Zivilgesellschaft und freie Medien bleiben dabei auf der Strecke.

„W Berlin!“, „Nach Berlin“: Das Moskauer Regime legt es darauf an, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Freiheit zu destabilisieren und zu zersetzen, mit allen Mitteln, mit hybrider Kriegsführung und direktem Krieg.
Ich denke jetzt an Emir-Ussein Kuku, einem tatarischen Politaktivisten aus Bachtschissaray, einem wunderschönen krimtatarischen Städtchen unweit Simferopol: wie andere seiner Mitkämpfer sitzt er für viele Jahre in einem russischen Arbeitslager.

Weg mit dem lupenreinen Kriegsverbrecher!

Solidarität mit der Ukraine, es lebe die Ukraine!“

Bericht vom Mannheimer Morgen am 26.02.2022 – hier als .pdf

Fahrradstraße Vangerowstraße

Ich freue mich, dass unser Antrag, in der Vangerowstraße eine Fahrradstraße einzurichten, von der Verwaltung 2023 umgesetzt wird. Wurde diese Maßnahme noch vor 3 Jahren mit der Begründung, durch die Neuordnung des KFZ-Parkens und des dadurch zu hohen Parkdrucks abgelehnt, ergab eine Neubewertung der Verwaltung nun, dass im Rahmen der Mobilitätswende die Realisierungsmöglichkeit der Fahrradstraße gegeben sei. Auch wenn es wieder nur ein kleines Mosaikstückchen in dem von mir gewünschten flächendeckenden Radwegenetz ist, so muss man einfach sehen, dass viele kleine Maßnahmen letztendlich auch zu einem Ganzen werden können.